Obdachlosen-Schlafplätze

Mehr Kälteplätze ändern nichts am Problem Obdachlosigkeit

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Julius Betschka
Der Senat schafft mehr Kälteplätze, doch das alleine reicht nicht aus (Archiv)

Der Senat schafft mehr Kälteplätze, doch das alleine reicht nicht aus (Archiv)

Foto: dpa Picture-Alliance / Paul Zinken / picture alliance / Paul Zinken/d

Dass Berlin mehr Kälteplätze schafft, ist gut. Doch um Obdachlosigkeit ernsthaft zu bekämpfen, braucht es mehr, meint Julius Betschka.

Berlin. Wenn es nachts friert, wenn sich die Kälte im Körper breitmacht, wird es besonders gefährlich für Berlins Obdachlose. Deshalb stellt die Kältehilfe jährlich ab dem 1. November Notübernachtungsplätze bereit. Niemand soll schließlich erfrieren. Die rot-rot-grüne Regierung hatte sich 2016 in den Koalitionsvertrag geschrieben, 1000 Plätze zu schaffen. Zum Start verfehlte sie ihr Soll noch. Nun erklärte die zuständige Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke): Mit 1100 Plätzen habe man das Ziel in diesem Jahr „übererfüllt“.

Tatsächlich: So viele Kältehilfe­plätze gab es noch nie. Dass die Senatorin das geschafft hat, ist eine gute Sache. Dass die Zahl der Plätze bis Herbst 2018 auf 1500 steigen soll: gut, ja. Schaut man sich allerdings auf Berlins Straßen um, bleibt einem der Jubel darüber im Halse stecken.

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Der Obdachlosigkeit muss systematisch der Kampf angesagt werden

Tausende Menschen, niemand weiß genau wie viele, drücken sich in Häuserecken rum, suchen die Wärme der S- und U-Bahnen. Klar ist nur: Ihre Zahl steigt rasant. Sprach man vor einigen Jahren noch von etwa 2000 Obdachlosen, schätzen manche Hilfseinrichtungen heute, dass es bis zu 12.000 sind, die auf der Straße leben. Was sind dann 1000 Plätze in der Kältehilfe für ein Ziel, das man nun „übererfüllt“ habe? Richtig: Eines, dessen Wert gering ist.

Der rot-rot-grüne Senat muss aufwachen. Die Kältehilfe ist eine Überlebenshilfe für einige wenige. Nicht mehr. Es ist Zeit, den Kampf gegen Obdachlosigkeit endlich systematisch anzugehen. Das beginnt damit, zu wissen, wie viele Menschen auf Berlins Straßen nächtigen.

Außerdem müssen die dauerhaften, ganzjährigen Hilfsangebote ausgebaut werden: Schlafplätze, Beratungs- und Beschäftigungsangebote. Denn immer mehr Menschen leben und leiden auf der Straße, immer mehr Berliner haben das Gefühl, dass die Stadt verwahrlost. Diese tatsächlichen und gefühlten Pro­bleme anzugehen, spürbar zu bessern, daran wird sich der Senat messen lassen müssen.

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