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Gentrifizierung

Mietshaus in Kreuzberg für 7,16 Millionen Euro versteigert

Das letzte Gebot lag 32 Prozent über dem Verkehrswert. Die Bewohner fürchten Verdrängung und hoffen auf einen Vorkauf durch den Bezirk.

Anwohner und Mietaktivisten protestieren gegen die Versteigerung des Wohnhauses in Kreuzberg

Foto: Christian Mang

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Berlin. Als das Gebot von 5,52 Millionen Euro durch den Auktionssaal in Wilmersdorf gerufen wird, springen die Mieter auf. Sechs hatten sich bei der Versteigerung des Kreuzberger Hauses in der Muskauer Straße/Ecke Eisenbahnstraße unter das Publikum gemischt. Jetzt schreien sie: „Diese Auktion muss aufhören“. Vergeblich. Der letzte Hammerschlag wird bei einem höheren Preis fallen.

Die etwa 80 Bewohner des Eckhauses kämpfen, wie berichtet, seit Monaten gegen die Versteigerung. Sie fürchten, dass ein sehr hoher Verkaufspreis des Hauses zu drastischen Mieterhöhungen führt. Der Käufer würde so die Altmieter verdrängen. Die zahlen für die teils stark sanierungsbedürftigen Wohnungen zwischen 2,11 Euro und 7,48 Euro pro Quadratmeter.

Das letzte Gebot kommt anonym und per Telefon: 7,16 Millionen Euro. Jetzt hoffen die Bewohner auf den grünen Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg Florian Schmidt. Er sagt: „Der Preis liegt 32 Prozent über dem Verkehrswert. Hoch spekulativ.“ Innerhalb einer zweimonatigen Frist werde er das Vorkaufsrecht prüfen. Das ermöglicht den Ankauf durch ein landeseigenes Unternehmen zum errechneten Verkehrswert. Es sei denn, der Käufer unterzeichnet eine Abwendungserklärung, die ihn dazu verpflichtet, keine Luxussanierungen und Umwandlungen in Eigentumswohnungen vorzunehmen.

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