Lichterfest

Chanukka-Fest startet am Brandenburger Tor

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Christine Eichelmann, Andreas Gandzior und Yannick Höppner
Der zehn Meter hohe Chanukka-Leuchter war am Mittag von den Rabbinern Yehuda Teichtal und Shmuel Segal vom Jüdischen Bildungszentrum Chabad Lubawitsch auf dem Pariser Platz aufgestellt worden

Der zehn Meter hohe Chanukka-Leuchter war am Mittag von den Rabbinern Yehuda Teichtal und Shmuel Segal vom Jüdischen Bildungszentrum Chabad Lubawitsch auf dem Pariser Platz aufgestellt worden

Foto: Sergej Glanze

Am Dienstagabend ist das jüdische Fest in Anwesenheit des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD) eingeläutet worden.

Mit einem Festakt und im Beisein des Regierenden Bürgermeisters ist am Dienstagabend am Brandenburger Tor das jüdische Chanukka-Fest eingeläutet worden. Senatschef Michael Müller entzündete gemeinsam mit Bundesjustizminister Heiko Maas (beide SPD) und dem israelischen Botschafter in Deutschland, Jeremy Issacharoff, das erste der acht Lichter am Chanukka-Leuchter. Der zehn Meter hohe Leuchter war am Mittag von den Rabbinern Yehuda Teichtal und Shmuel Segal vom Jüdischen Bildungszentrum Chabad Lubawitsch auf dem Pariser Platz aufgestellt worden.

Mit dem Chanukka-Fest, bei dem in der Lichterfestwoche an jedem folgenden Tag mit Einbruch der Dunkelheit jeweils ein weiteres der Lichter entzündet wird, erinnern Juden an die Neuweihe des Tempels in Jerusalem im Jahr 165 v. Chr. „Wir wollen mit Chanukka Licht in die Dunkelheit bringen“, sagte Rabbiner Yehuda Teichtal.

Die Ereignisse der vergangenen Tage, das Verbrennen israelischer Flaggen durch arabische und palästinensische Demonstranten vor dem Brandenburger Tor, beunruhige die jüdische Gemeinschaft in Deutschland sehr. „Berlin ist aber ein Ort der Offenheit und Toleranz. Wir sind bereit, gemeinsam von hier die Welt zu beleuchten“, unterstrich der Rabbiner am Dienstag. Das Chanukka-Fest stehe für das starke Judentum in Berlin, sagte Müller. „Wir werden jeder Form von Antisemitismus entscheidend entgegentreten“, fügte er hinzu. Und Justizminister Maas sagte: „Wer ,Tod den Juden‘ ruft, gehört nicht auf die Straße, sondern vor ein Gericht.“ Am vergangenen Freitag war es bei einer propalästinensischen Demonstration vor der US-Botschaft in Mitte zu aggressiven antiisraelischen und antijüdischen Aktionen gekommen.

Chanukka-Fest und Palästinenser-Demo in Berlin
Chanukka-Fest und Palästinenser-Demo in Berlin

Zwei Festnahmen bei Demonstration

Auch am Dienstag hatten palästinensische und arabische Gruppen zu einer Demonstration aufgerufen, um gegen die Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt zu protestieren. Pünktlich um 16 Uhr versammelten sich ungefähr 500 Teilnehmer auf dem Washingtonplatz am Hauptbahnhof in Moabit, um gegen US-Präsident Donald Trump und Israel zu protestieren. Ursprünglich wollten sie sich auf dem Pariser Platz versammeln, was aber untersagt worden ist. Die Polizei wollte mit der räumlichen Trennung beider Veranstaltungen verhindern, dass die Teilnehmer aneinandergeraten. Die Demonstration war nur unter Auflagen genehmigt worden. Es durften keine Gegenstände verbrannt werden, es durften keine Hassparolen beziehungsweise antisemitischen Parolen gerufen werden.

Etwa 400 Polizisten waren im Einsatz. Die Polizei hatte zudem arabisch sprechende Dolmetscher an ihrer Seite, die die skandierten Parolen den Beamten übersetzten. Augenzeugen sprachen am frühen Abend von einer emotional aufgeladenen Stimmung auf dem Platz vor dem Hauptbahnhof. Zudem hatten sie beobachtet, wie Ordner des Veranstalters einzelne Protestler aus der Menge hinausbegleiteten. Demonstranten schwenkten Palästina-Flaggen und riefen Sprechchöre wie „Freiheit für Palästina“ und „Down, down, Israel“. Ab 16.30 Uhr gab es nach Angaben der Polizei kurze, anlassbezogene Filmaufnahmen, seit etwa 17 Uhr wurde die Kundgebung wegen kritischer Äußerungen dauerhaft gefilmt. Aus einer Personengruppe heraus wurde der sogenannte IS-Finger gezeigt. Zwei Personen wurden festgenommen, das Videomaterial wird ausgewertet. Gegen 17.40 Uhr löste sich die Versammlung auf. Die Mehrheit der Teilnehmer verließ den Hauptbahnhof mit der S-Bahn – begleitet von Beamten der Polizei und der Bundespolizei.

Nach Erkenntnissen der vom Berliner Senat unterstützten Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) gibt es Indizien dafür, dass diese antiisraelischen Proteste in verschiedenen deutschen Städten „zu großen Teilen“ von der Palästinensischen Gemeinschaft Deutschland (PGD) koordiniert werden. Am 5. Dezember soll demnach ein Koordinierungstreffen der PGD in Berlin stattgefunden haben. Die Organisation wird von den Sicherheitsbehörden als der radikalislamischen Hamas nahestehend eingestuft. Von den durch Rias aufgelisteten insgesamt zwölf Protestveranstaltungen gegen die Verlegung der US-Botschaft, die seit dem 6. Dezember in Deutschland mit gewaltverherrlichenden und antisemitischen Aktionen oder Parolen auffielen, fanden laut dem Recherchezentrum drei in Berlin statt.

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