Bildung in Berlin

So sollen Berlins neue Schulen aussehen

Berlin braucht dringend neue Schulen. Jetzt wurden die Planungen für zehn Schulneubauprojekte vorgestellt.

Berlin. Die Hauptstadt benötigt neue Schulen, und das so schnell wie möglich. Bis 2024, also in sieben Jahren, sollen 59 Neubauten stehen. Doch bisher dauerte es von der Planung bis zur Fertigstellung etwa ein Jahrzehnt. Das soll nun deutlich schneller gehen. Vor anderthalb Jahren hatte der Senat ein Modellprojekt für zehn Schulen gestartet, die im Schnellverfahren entstehen sollen. Geplant ist, dass die Gebäude zum Teil in Fertigbauweise errichtet werden – Schulen aus dem Baukasten also.

Jetzt steht auch fest, wie diese Pilotschulen aussehen werden. Am Montag stellten Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) und die Senatorin für Stadtentwicklung, Katrin Lompscher (Linke), die Entwürfe für die zehn Modellschulen vor. Die Wettbewerbe dafür wurden teilweise europaweit ausgeschrieben. „Die Vielzahl an kreativen Entwürfen hat uns in der Auffassung bestätigt, dass auch unter Zeitdruck städtebaulich und architektonisch qualitätsvolle Gebäude entstehen können“, sagte Senatorin Lompscher.

Die Ergebnisse sind teilweise überraschend: Für die neue Grundschule Europacity Mitte an der Chausseestraße zum Beispiel sieht der Siegerentwurf vom Berliner Architekturbüro Numrich Albrecht Klumpp fünf Etagen vor. Die Sporthalle ist aufgrund der geringen Grundstücksgröße in der obersten Etage untergebracht. Vor allem in der Innenstadt müssen die neuen Schulen oft auf vergleichsweise kleinen Arealen gebaut werden. Gleichzeitig müssen sie den Anforderungen der modernen Pädagogik genügen. Die Bildungsverwaltung hatte dafür ein neues Raumkonzept erarbeitet, das derzeit noch mit der Finanzverwaltung abgestimmt wird. Teile davon finden sich allerdings schon in den präsentierten Entwürfen wieder. Geschätzte Kosten: zwischen 14 und 31 Millionen Euro je nach Größe des Objektes.

Durch Modellschulen entstehen 2848 zusätzliche Schulplätze

Das Modell der Grundschule Europacity kommt dem neuen Raumkonzept bereits relativ nahe. Klassenräume einer Jahrgangsstufe sind jeweils um ein gemeinsames Forum angeordnet, das als Lernort für Projekte oder als Diskussionsstätte genutzt werden kann. Durch diese Anordnung wird ein großes Gebäude in mehrere sogenannte Lernhäuser gegliedert.

„Mir ist wichtig, dass bei allen Baumaßnahmen der pädagogische Aspekt in der Raumstruktur und in den räumlichen Anordnungen berücksichtigt wird“, sagte Bildungssenatorin Scheeres. Ihre Verwaltung erarbeitet die räumlichen Vorgaben für jede Schulart, während die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung für die Planung der Projekte zuständig ist, in Amtshilfe für die Bezirke.

Durch die zehn Modellschulen, die in dem Schnellverfahren realisiert werden, entstehen in sechs Bezirken insgesamt 2848 zusätzliche Schulplätze. An einigen Standorten werden gleichzeitig bestehende Gebäude saniert und durch Neubauten ergänzt. In Spandau sollen drei dieser Modellschulen entstehen, zwei weitere Neubauten in Pankow und in Lichtenberg. Ein ganz neuer Schulstandort ist an der Chausseestraße in Wedding geplant. Und auch an der Pufendorfstraße in Friedrichshain wird eine Grundschule mit Sporthalle gebaut.

Im Mai kommenden Jahres startet in Mahlsdorf der Bau der ersten von insgesamt zehn Modellschulen, die im Turboverfahren geplant und dann errichtet werden. In einer Rekordzeit von lediglich anderthalb Jahren soll dort bis zum August 2019 eine neue Sekundarschule fertig sein. Möglich macht die kurze Bauzeit in diesem Fall ein modulares Baukastensystem in Holzbauweise, das das Frankfurter Architektenbüro NKBAK bereits an einem Schulbau in der hessischen Metropole erprobt hat.

Der Entwurf ähnelt zwar noch der klassischen Flurschule, nimmt aber auch Bestandteile des neuen Raumkonzeptes auf, das die Bildungsverwaltung für die künftigen Neubauten entwickelt hat. So wird es an den Flurenden Bereiche mit Sitzgelegenheiten für Projektarbeiten oder zum Entspannen außerhalb der Klassenräume geben. Zu den Klassenräumen gehören Teilungsräume für die Förderung der Schüler in Kleingruppen. Und natürlich wird die moderne Sekundarschule als Ganztagsschule geplant, mit Mensa und einem Schulgarten als ökologischem Lernort auf dem Außengelände.

Die Vorgaben für die zehn Modellschulen, die im Schnellverfahren gebaut werden sollen, waren nicht einfach. Zum einen mussten die Architekten vor allem in der Innenstadt mit wenig Platz auskommen, zum anderen sollten möglichst viele Fertigmodule verwendet werden, um die Bauzeit zu beschleunigen. Gleichzeitig müssen die Gebäude den Anforderungen der inklusiven Ganztagsschulen gerecht werden.

Sporthalle wird im Untergrund versenkt

An der Pufendorfstraße in Friedrichshain zum Beispiel gibt es wegen der dichten Wohnbebauung nicht genügend Platz für eine Sporthalle. Das Berliner Architekturbüro Numrich Al­brecht Klumpp hat deshalb in dem preisgekrönten Entwurf die Sporthalle in den Boden versenkt. Große Fenster im Erdgeschoss sorgen dennoch für Tageslicht in der Halle.

An der Spandauer Goltzstraße soll eine inklusive Schwerpunktschule für mehr als 400 Schüler gebaut werden. Den Zuschlag dafür hat ein Architekturbüro aus Madrid erhalten. Noch während des Wettbewerbs wurden die Planer von der Entwicklung des Wohnungsneubaus eingeholt. Ursprünglich sollte eine dreizügige Grundschule ausreichen, doch dann wurde deutlich, dass vier Klassenzüge an diesem Standort benötigt werden. Der Entwurf vom Büro Sulitze Muñoz Arquitectos wies ausreichend Flexibilität für diese Erweiterung auf. Auch Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) betonte bei der Präsentation der Entwürfe, dass jährlich die Prognosen der Schülerzahlen in den Bezirken angepasst werden müssten. Der Zeitdruck sei enorm. Wie schnell sich die zu erwartenden Schülerzahlen durch den Wohnungsbau verändern, zeige das Beispiel Pankow: In den Jahren 2014 und 2015 ging man dort von einem zusätzlichen Bedarf an 3500 Plätzen bis zum Jahr 2023 aus. Schon ein Jahr später wurde die Zahl auf 4300 korrigiert, allerdings nun bereits bis zum Schuljahr 2021/2022.

Der dringendste Bedarf musste durch modulare Ergänzungsbauten gedeckt werden. Nun sollen aber auch echte Schulneubauten entstehen, die speziell für den jeweiligen Standort geplant werden. Die zehn Modellschulen sollen Standards setzen. Ziel ist es, dabei so viele Module wie möglich zu entwickeln, die dann auch in anderen Schulneubauten zum Einsatz kommen sollen.

Der Vorsitzende des Landeselternausschusses, Norman Heise, zeigte sich zufrieden mit den Entwürfen: „Ich bin positiv überrascht, dass bereits Teile des neuen Raumkonzeptes umgesetzt werden“, sagte Heise. Die Entwürfe sind vom 13. bis 19. Dezember in einer Ausstellung im Neuen Stadthaus an der Parochialstraße in Mitte zu sehen.