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Wälder

Den Berliner Eichen geht es nicht gut

Umweltsenatorin Regine Günther stellt den Zustandsbericht der Berliner Wälder vor.

Ein Mann geht am 07.12.2017 in Berlin durch einen winterlichen Wald spazieren. Foto: Maurizio Gambarini/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

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Bis zu den Herbststürmen habe alles ganz gut ausgesehen: Zum Zustand des Waldes hat Berlins Umweltsenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) eine gemischte Bilanz gezogen. Angesichts deutlicher Schäden durch "Xavier" und "Herwart" habe der Wald in Berlin ein schwieriges Jahr hinter sich, sagte Günther am Donnerstag bei der Vorstellung des Waldzustandsberichts 2017. Darin sind die Sturmschäden noch nicht berücksichtigt. Aus dem Bericht allein geht ein relativ guter Zustand hervor, allerdings mit etwas mehr Schäden im Vergleich zum Vorjahr.

Um einen Eindruck vom Zustand des Berliner Grüns zu bekommen, werden seit über 15 Jahren durch das Landesforstamt konsequent Stichproben genommen und Statistiken zum Baumbestand geführt. Die Hauptwaldgebiete Berlins befinden sich im Grunewald, im Tegeler Forst und im Großraum um den Müggelsee. Zum Wald zählen alle Flächen, die aufgeforstet wurden und sich nicht im Siedlungsgebiet befinden. Parks sind davon also ausgeschlossen. Auch der Tiergarten ist trotz seines hohen Baumbestandes als Park und nicht als Wald deklariert.

Zehn Prozent der Waldfläche sind von der Forstnutzung ausgenommen. Das Forstamt bemisst dabei verschieden Schadenstufen. Von Stufe 0 (ohne Schäden) über Stufe 1 (Warnstufe) bis Stufe 2–4 (deutliche Schäden). Letzteres ist selbst von Laien deutlich zu erkennen. Die Bäume fallen auf durch lichteres Blattwerk, Ausdünnung in der Kronenspitze oder Blattwuchs (verkleinerte Blätter).

Mehr Waldflächen mit deutlichen Schäden

Insgesamt nahm die Waldfläche mit deutlichen Schäden leicht zu: von 11 Prozent auf 15 Prozent. Allein die Hälfte der Fläche wird in der Schadstufe 1 bemessen. Immerhin: Ein Drittel aller Berliner Wälder weisen keinerlei nennenswerte Schäden auf. Auch Insekten oder Pilze machten in diesem Jahr den Bäumen weniger zu schaffen.

Die Feststellung der Schäden sei vor allem auf die Witterungsverläufe der Jahre 2015 und 2016 mit heißen trockenen Sommern zurückzuführen. Im Ergebnis blieb der Zustand der Nadelbäume im Vergleich zum Vorjahr relativ stabil, Eichen verzeichnen jedoch mit einer Zunahme von 13 auf insgesamt 34 Prozent eine deutliche Schädigung. Die Anzahl der Laubbäume ohne Schäden schlägt mit einem Minus von 15 Prozentpunkten auf 22 Prozent zu Buche. Der Grund für diese Tendenzen: Laubbäume reagieren im Vergleich zu Nadelbäumen schneller auf Stressfaktoren wie zu wenig Wasser.

Aber auch andere Laubbaumarten weisen mit einem Plus von zehn Prozent auf insgesamt 26 Prozent deutliche Schäden auf. Im Gegensatz zu Eichen reagierten sie empfindlicher auf die Hitze des Sommers 2015 und könnten sich erst anderthalb Jahre später langsam wieder erholen.

Besonders gravierend nach dem Supersommer 2003

Mit einem Blick zurück stellt das Forstamt fest: Besonders gravierend waren die Schäden nach dem Supersommer 2003. Damals erreichten sie mit einem Wert von über 41 Prozent ihren Höhepunkt. Wie aus den Untersuchungen hervorgeht, waren die Jahre nach dem Supersommer zwar überwiegend positiv für die Waldentwicklung. Aber seit 2015 zeigt sich eine prozentuale Verschlechterung. Von einer Trendwende möchte Senatorin Günther allerdings noch nicht sprechen.

Nicht in das Jahr 2017 mit einberechnet sind die Auswirkungen der beiden Herbststürme "Xavier" und "Herwart". Mindestens 46.000 Bäume sind damals in den Berliner Wäldern umgestürzt oder haben schwere Schäden erlitten, über 10.000 allein im Berliner Stadtgebiet. 1,2 Millionen Euro Soforthilfe erhielten die Bezirke damals für die Beseitigung der Schäden. Nach den Stürmen "Xavier" und "Herwart" im Oktober seien wichtige Waldwege jetzt wieder frei, sagte Günther. Trotzdem sei in Wäldern noch Vorsicht geboten.

Einen Grund für das erhebliche Ausmaß der Schäden meint der Fachreferent für Baumschutz des Berliner BUND, Christian Hönig, zu kennen: "Im Berliner Umland finden wir vor allem Monokulturen wie Kiefern. Diese reagieren natürlich auf die entsprechenden Witterungen alle gleich."

1,4 Millionen Euro für die weitere Instandsetzung

Um dieses Problem zu lösen, will der Senat für die Jahre 2018/19 1,4 Millionen Euro für die weitere Instandsetzung lockermachen. Allein in 2017 sollen über 110 Hektar Wald mit über 400.000 Bäumen zusätzlich angepflanzt werden. Um die Berliner Wälder zukünftig für die veränderten Umwelt- und Wettereinflüsse fit zu machen, werden seit 2012 in den Kieferwäldern Aussamung und Pflanzung von Laubbäumen verschiedenster Arten vorgenommen. Das Ziel: Durch das "Mischwaldprogramm" sollen diese in einen klimatoleranten Mischwald umgewandelt werden. 600 Hektar Waldfläche wurden bereits mit zwei Millionen Bäumen bepflanzt. So soll auch der Wasserhaushalt besser reguliert werden. Laubbäume verbrauchen viel weniger Wasser als Nadelbäume.

Hönig stimmt der Senatorin zu, es handele sich hier nicht um eine Trendwende. Allerdings, so zeigen die Klimaprognosen, werden diese Ex­tremzustände zunehmen. Hönig weist auf die Wichtigkeit der Artenvielfalt auch in kleineren Waldgebieten hin. "Es bringt für die Vielfalt nichts, wenn wir kleine Flächen entfernen und sie den großen hinzufügen. Zudem hieße das eine Extrembelastung für Grunewald und Co." Auch die Umgestaltung der Parks macht dem Experten zu schaffen: "Parkräume werden durch zunehmende Besiedlung einer immer höheren Belastung ausgesetzt Die Folge: Größere Baumbestände verschwinden, und es finden sich mehr Freiflächen."