Tourismus in Berlin

Nach Air-Berlin-Pleite: Touristenzahlen brechen ein

Seit Oktober kommen deutlich weniger Gäste in die Hauptstadt. Die Insolvenz von Air Berlin macht sich bemerkbar.

Die letzte Maschine der Fluggesellschaft Air Berlin  am Abend des 27.10.2017 in Berlin

Die letzte Maschine der Fluggesellschaft Air Berlin am Abend des 27.10.2017 in Berlin

Foto: Soeren Stache / dpa

Berlin.  Die Tourismuszahlen in Berlin brechen ein. Nach Informationen der Berliner Morgenpost kamen im November erneut deutlich weniger Gäste in die Hauptstadt. Tourismus­experten, Hotels und Gaststätten, aber auch viele Kulturbetriebe beklagen einen merklichen Rückgang bei den Besucherzahlen. Der Chef der Tourismusgesellschaft Visit Berlin, Burkhard Kieker, sagte der Berliner Morgenpost: „Wir spüren die Auswirkungen der Air-Berlin-Insolvenz.“

Die Monate ohne die Passagiere der Airline könnten dazu führen, dass es nur wenig oder gar kein Wachstum in diesem Jahr gebe, kündigte Kieker an. „Wichtig ist daher, dass der Motor schnell wieder anläuft.“ Nicht nur, dass die Air-Berlin-Flotte vom Markt verschwunden ist, auch die dadurch teurer gewordenen Flugpreise hielten viele Gäste davon ab, nach Berlin zu kommen, sagte Kieker.

Im Oktober waren an den beiden Flughäfen Tegel und Schönefeld 2.948.937 Passagiere gezählt worden, im Jahr zuvor waren es im Oktober noch 3.143.804 Fluggäste. Das bedeutet einen Rückgang von 6,2 Prozent. „Für November erwarten wir ein weiteres leichtes Minus“, sagte der Sprecher der Flughafengesellschaft, Daniel Tolksdorf. Air Berlin habe deutschlandweit in den letzten Monaten vor Einstellung des Flugbetriebs die Zahl der Flüge von 450 auf 250 am Tag reduziert. Dies spiegele sich jetzt auch in den Zahlen für Berlin wider.

Hotelbetriebe verbuchen starken Belegungsrückgang

Der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes Berlin, Willy Weiland, ist ebenfalls in Sorge. Der Berliner Morgenpost sagte Weiland auf Anfrage: „Bis August waren unsere Zahlen wunderbar, doch dann kam der Einbruch.“ Weiland spricht von einer beunruhigenden Entwicklung: „Unsere Hotelbetriebe verbuchen zuletzt einen starken Belegungsrückgang. Im Luxussegment sind es rund zehn Prozent, bei den Vier- und Fünf-Sterne-Häusern um die sechs Prozent.“

Die Einnahmeverluste seien nicht nachzuholen. „Ein Zimmer, das ich nicht verkauft habe, kann ich nicht zusätzlich morgen auf den Markt geben.“ Selbst Silvester sei in diesem Jahr bislang nicht so massiv nachgefragt. „Die Hotels melden, dass der Buchungsdruck weniger stark sei als sonst.“ Weiland spricht deshalb von einem „traurigen Jahresende“.

Friedrichstadt-Palast bestätigt den Negativtrend

Auch Kultureinrichtungen wie der Friedrichstadt-Palast spüren den Besucherrückgang. Sprecher André Puchta sagte: „Mit dem letzten Flug von Air Berlin am 27. Oktober ist die Ticketnachfrage bei uns im Schnitt um 20 Prozent zurückgegangen. Das betrifft vor allem die Monate November und Dezember.“ Im ersten Quartal 2018 sehe es wieder deutlich besser aus, „aber wir werden auch im Januar noch die eingeschränkten Transportkapazitäten spüren“. Alle Vorstellungen der aktuellen Kindershow hingegen, zu der vor allem Gäste aus Berlin und Brandenburg kämen, seien für Dezember bereits ausverkauft. Das zeige, dass man kein regionales Problem habe.

Auch die Sprecherin der Stern und Kreisschiffahrt GmbH, Gesine Barthels, bestätigte den negativen Trend bei den Besucherzahlen verglichen mit den Vorjahren. „Wir haben vor allem im Innenstadtbereich rückläufige Fahrgastzahlen“, sagte sie. Das sei bereits seit einigen Monaten der Fall.

Flughäfen rechnen mit steigenden Zahlen ab Januar

Experten rechnen nach Informationen der Berliner Morgenpost auch im kommenden Jahr mit spürbaren Einbußen. Das bedeutet für Berlin auch weniger Steuereinnahmen. Die Anfang 2014 eingeführte Übernachtungssteuer spülte im vergangenen Jahr etwa 45 Millionen Euro in die Kasse – das war ein Anstieg von rund 2,4 Millionen Euro.

Der Sprecher der Flughafengesellschaft, Daniel Tolksdorf, macht der Touristikbranche aber Hoffnung: „Ab Januar wird das Passagieraufkommen schlagartig wieder steigen, weil Easyjet die Flotte stark ausbaut und die übernommenen Maschinen einsetzen kann – sofern die Kartellbehörde grünes Licht gibt und dann auch Lufthansa mit Eurowings weitere Strecken häufiger bedienen wird.“

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