Jobabbau

General Electric schließt Fertigung in Berlin-Marienfelde

General Electric will seine Fertigung in Marienfelde schließen, 500 Jobs sollen gestrichen werden. Die IG Metall kündigt Widerstand an.

General Electric will das Werk in Berlin-Marienfelde schließen (Archiv)

General Electric will das Werk in Berlin-Marienfelde schließen (Archiv)

Foto: ARND WIEGMANN / REUTERS

Berlin. Wenige Wochen nach Siemens hat auch der US-Industriekonzern General Elec­tric (GE) den Abbau zahlreicher Arbeitsplätze in Berlin angekündigt. Genaue Zahlen nannte GE am Donnerstag nicht. Die Gewerkschaft IG Metall sprach am Nachmittag jedoch von 500 Stellen, die in Berlin wegfallen sollen.

GE teilte mit, deutschlandweit 1600 Arbeitsplätze streichen zu wollen. "Wir werden unsere Vorschläge mit den Arbeitnehmervertretern selbstverständlich beraten, bevor Entscheidungen getroffen werden", erklärte Alf Henryk Wulf, Chef der GE Power AG in Deutschland.

Den Jobabbau, den GE in dem Geschäftsbereich plant, begründet der Konzern mit einem "sehr schwierigen Marktumfeld". Die Energieproduktion in Kohle- und Gaskraftwerken gehe zurück, zudem wachse der Anteil erneuerbarer Energien. Außerdem machten günstigere Konkurrenten aus Asien GE das Leben schwer

Werk in Marienfelde besonders hart getroffen

Besonders hart treffen die Kürzungen den Standort in Marienfelde, an dem etwa 800 Mitarbeiter Energiekraftwerke planen und herstellen. Am Donnerstagmorgen seien die Beschäftigten von der Standortleitung über die Pläne informiert worden, sagte der Vorsitzende des Betriebsrates, Martin Ruess, der Berliner Morgenpost. "Viele Mitarbeiter haben mit Wut, Sprachlosigkeit und totaler Enttäuschung reagiert," berichtete er.

Laut GE steht in Marienfelde allerdings nicht das komplette Werk vor dem Aus: Während die Fertigung geschlossen werden soll, blieben Projektmanagement, Planung und Konstruktion der Anlagen erhalten, sagte der Betriebsratsvorsitzende.

GE hatte erst 2013 rund 1,3 Millionen Euro Unterstützung vom Land Berlin erhalten, um den Standort in Marienfelde um ein Trainingszentrum zu erweitern. In dem früheren AEG-Werk werden unter anderem Wechselrichter für Stromnetze gefertigt, etwa um Strom von Offshore-Windparks in Leitungsnetze zu speisen. GE hatte die 1983 eröffnete Anlage 2011 als Teil des französischen Konzerns Alstom übernommen.

GE erhielt 1,3 Millionen Unterstützung vom Land Berlin

Berlins Wirtschaftsenatorin Ramona Pop (Grüne) nannte die Stellenkürzung bei General Electric gegenüber der Berliner Morgenpost "schlechte Nachrichten für den Industriestandort Berlin". Das Hauptaugenmerk gelte nun der Zukunft der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. "Wir stehen bereit, gemeinsam mit Unternehmen und den Beschäftigten, über ein zukunftsfestes Gesamtkonzept zum Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze zu sprechen", sagte Pop.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) forderte, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. "Der gesamte Senat, vorne weg die Wirtschaftsverwaltung, wird um die Berliner Arbeitsplätze bei GE kämpfen", sagte er der "Berliner Morgenpost".

Auch Konkurrent Siemens streicht in Berlin 870 Stellen

Erst vor wenigen Wochen hatte GE-Konkurrent Siemens beschlossen, 870 Stellen in Berlin zu streichen. Seitdem tobt ein politischer Streit um die Abbaupläne. Siemens hatte damit auf schlecht laufende Geschäfte in der Kraftwerks- und Antriebstechnik reagiert.

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Auch GE begründete die Einschnitte mit dem starken Preisdruck und der geringen Nachfrage nach konventionellen Kraftwerken. Den Personalabbau wolle man so sozialverträglich wie möglich gestalten und mit den Arbeitnehmern beraten, erklärte Deutschlandchef Alf Henryk Wulf.

Berliner Arbeitsplätze bei Knorr-Bremse gerettet

Die Arbeitnehmervertreter würden die Vorschläge von GE prüfen und dem Konzern Alternativen darlegen. "Wir werden alle rechtlichen Möglichkeiten nutzen, um das Management zu zwingen, sich mit unseren Vorschlägen auseinanderzusetzen", kündigte Ruess an. Der Betriebsrat rechnet 2018 mit einer Entscheidung des Konzerns. Auch die IG Metall hatte Widerstand angekündigt.

Dass der Protest der Arbeitnehmer durchaus Erfolg haben kann, zeigt das Beispiel Knorr-Bremse. Wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte, sei die Verlagerung des Werkes von Hasse & Wrede in Marzahn vom Tisch. 109 Arbeitsplätze würden nun doch nicht nach Liberec (Tschechien) verlagert.

Lob für Knorr-Bremse gab es von Wirtschaftssenatorin Pop. Knorr-Bremse und seine Tochter Hasse & Wrede übernähmen Verantwortung, sagte die Grünen-Politikerin. "Hieran können sich die großen Unternehmen gerne ein Beispiel nehmen", teilte sie in Richtung Siemens und GE mit.

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