Paketbombe

DHL-Erpressung: Bombe in Potsdam war zündfähig

Auch nach 113 Hinweisen hat die Polizei keine heiße Spur im Fall der DHL-Erpressung. Die Bombe war gefährlicher, als zunächst gedacht.

Bombenfund in Potsdam

Fr, 01.12.2017, 19.44 Uhr

Bombenfund in Potsdam

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Potsdam. Die an eine Potsdamer Apotheke gerichtete Paketbombe war mit Batterien ausgestattet und explosionsfähig. Das hat die Rekonstruktion der Bombe beim Brandenburger Landeskriminalamt in Eberswalde ergeben. "Es war eine Sprengvorrichtung, die bei einer Umsetzung erhebliche Gefahr für Leib und Leben bedeutet hätte", sagte Innenstaatssekretärin Katrin Lange am Donnerstag im Innenausschuss des Brandenburger Landtags.

An einer Metallbüchse mit Nägeln und einem Polenböller seien mehrere Batterien angeschlossen gewesen. Daher werde wegen räuberischer Erpressung und Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion gegen den oder die Täter ermittelt. Ein Mitarbeiter der Apotheke hatte das Paket am vergangenen Freitag entgegengenommen, Verdacht geschöpft und die Polizei alarmiert. Die Bundespolizei entschärfte die Paketbombe am frühen Abend vor Ort mit einem gezielten Wasserstrahl.

In Berlin wurden bislang 18 verdächtige Pakete gemeldet

Nach Angaben des Innenministeriums sind bei der Sonderkommission (Soko) "Quer" bis zum Donnerstag 113 Hinweise eingegangen. Dadurch habe sich bislang allerdings keine heiße Spur ergeben, sagte der Leitende Polizeidirektor Andreas Backhoff. "Darunter sind auch Meldungen zu verdächtigen Paketen, die sich bislang aber stets als harmlos herausgestellt haben", sagte Backhoff.

Auch in Berlin kam es in den vergangenen Tagen zu Verdachtsfällen. Nach Angaben der Polizei meldeten am Dienstag 15 Berliner verdächtige Pakete, am Mittwoch waren es drei. In keinem Fall habe sich der Verdacht bestätigt. In Brandenburg sind nach Polizeiangaben insgesamt zwei Dutzend verdächtige Pakete gemeldet worden. Die Polizei rät zu Vorsicht beim Öffnen von Paketen, insbesondere bei Sendungen ohne oder mit unbekanntem Absender. Auch bei übertrieben verpackten Sendungen sei Vorsicht geboten. Ein Verdacht ergebe sich auch bei übermäßig oder auffällig frankierten Sendungen und Hinweisen wie "persönlich", "privat" oder "vertraulich".

Nach Angaben der Innenstaatssekretärin war auch die am 6. November bei einem Online-Händler in Frankfurt (Oder) entdeckte Paketbombe vom Händler sofort als verdächtig eingestuft worden. Daraufhin sei die Sendung von Spezialisten der Polizei untersucht worden. "Auch dabei handelte es sich um eine unbekannte Spreng- und Brandvorrichtung", sagte Lange. "Wir gehen davon aus, dass auch diese Sendung von dem Erpresser aufgegeben wurde." Dafür spreche die Spurenlage.

Erpresser fordern Millionen vom Paketdienst DHL

Aufgrund eines rekonstruierten Zettels in der Potsdamer Paketbombe gehen die Ermittler davon aus, dass der ausliefernde Paketdienst DHL erpresst wird. Genaue Angaben über den Fundort des Frankfurter Päckchens will die Polizei nicht preisgeben, weil es sich dabei um Täterwissen handele, sagte Backhoff. Das Gleiche gelte für die Art und Höhe der Geldforderung. Die Polizei bestätigte deshalb Meldungen nicht, wonach der oder die Erpresser einen zweistelligen Millionenbetrag in der Internetwährung Bitcoin fordern. Lange sprach lediglich von einer Forderung in Millionenhöhe. Die Ermittlungen der 50 Mitarbeiter umfassenden Soko laufen in alle Richtungen. "Es werden mögliche Zeugen befragt und Kontakte zu Hinweisgebern aufgenommen", sagte eine Polizeisprecherin.

Die Potsdamer Paketbombe war vergangenen Freitag einer Apotheke in unmittelbarer Nähe des Weihnachtsmarktes an der Brandenburger Straße zugestellt worden. "Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit galt die Bombe nicht dem Weihnachtsmarkt", sagte Lange. "Es ist leider nicht auszuschließen, dass weitere Pakete abgeschickt werden." Die Polizei und DHL arbeiteten eng zusammen.

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