Alexanderplatz

Der Berliner Park-Inn-Turm bekommt einen Zwilling

Das Hotelgebäude auf dem Alexanderplatz gehört jetzt Franzosen. Die wollen dem Koloss zwei weitere Hochhäuser zur Seite stellen.

Auf dem Baufeld D3 soll ein 150 Meter hoher Büroturm entstehen. Im Sockelgebäude soll unter anderem Platz für 100 Mietwohnungen sein

Auf dem Baufeld D3 soll ein 150 Meter hoher Büroturm entstehen. Im Sockelgebäude soll unter anderem Platz für 100 Mietwohnungen sein

Foto: Sauerbruch & Hutton

Knapp 25 Jahre ist es her, dass der Architekt Hans Kollhoff den städtebaulichen Wettbewerb zur Gestaltung des Alexanderplatzes mit dem Vorschlag gewann, dort 13 150-Meter-Türme zu errichten. Da zunächst die Investoren ausblieben und schließlich auch die DDR-Moderne eine Neubewertung erfuhr, war die Anzahl der Türme bei der Überarbeitung des Masterplans in den vergangenen zwei Jahren erst auf elf, dann auf zehn und zuletzt auf neun geschrumpft. Nur für zwei Türme liegen bisher konkrete Pläne vor. Das soll sich jetzt ändern: Links und rechts vom Hotel „Park Inn“ sollen, wenn es nach den Grundstückseigentümern geht, bis 2024 zwei Hochhaustürme wachsen.

Am Dienstag beschäftigte sich das von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher eingesetzte und geleitete Baukollegium erstmals mit dem Bauvorhaben. Auf den Bauflächen D1-D3 steht derzeit noch ganz allein das Park-Inn-Hotel, in dessen großem Sockelgebäude unter anderem der Textilhändler „Primark“ Mieter ist. Nach dem alten Kollhoff-Plan sollte das Park Inn, das 125 Meter hohe Hotelgebäude aus den späten 60er-Jahren, Platz machen für drei 150-Meter-Türme. Die französischen Eigentümer des Park Inn Hotels Foncière des Régions (FdR) stellten dem Baukollegium, das seit Sommer dieses Jahres öffentlich tagt, nun ihre Vision für das Areal vor.

Die Franzosen wollen, wie auch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, das Hotel erhalten. „Das Gebäude ist in einem guten Zustand, die 1012 Zimmer sind gut gebucht, ein Abriss würde wirtschaftlich auch gar keinen Sinn machen“, sagte FdR-Vorstand Marcus Bartenstein. Das Unternehmen hat deshalb das Berliner Architekturbüro Sauerbruch Hutton beauftragt, um Pläne zu erarbeiten, wie sich das Bestandsgebäude mit zwei neu zu errichtenden Hochhäusern vereinbaren ließe. Das Berliner Architekturbüro hat dazu eine neue Variante ins Spiel gebracht: Das Park Inn bekommt einen nahezu gleich hohen Zwilling (130 Meter), das aus einem gemeinsamen Sockelgebäude erwachsen soll. Und etwas abgetrennt davon, mit einem eigenen Sockelgebäude versehen, ein weiterer 150-Meter hoher Turm auf dem Baufeld D3.

„Der Turm auf D3 entspricht dem nach wie vor geltenden Bebauungsplan, der könnte kurzfristig realisiert werden“, sagte Sauerbruch. Denn die in aufwendigen Workshopverfahren abgespeckten Hochhauspläne für den Alexanderplatz sind noch immer nicht rechtsgültig als Bebauungsplan festgesetzt - rein rechtlich gilt noch der Kollhoff-Plan, obwohl dieser vom jetzigen Senat so nicht mehr gewünscht ist.

Nach den Vorstellungen der Eigentümer sollen in den unteren Etagen des Sockels Einzelhandel untergebracht werden, darüber sollen, ebenfalls noch im Sockel, etwa 100 Mietwohnungen „im mittleren Preissegment entstehen – keinesfalls Luxus“, betonte Bartenstein. Im Turm selbst sollen keine Wohnungen entstehen, angedacht ist ein reiner Büroturm. Die Bauherren würden dafür gerne bereits im Januar den Bauantrag stellen. „Realistisch wäre hier ein Baustart in zwei Jahren, die Fertigstellung könnte 2022 erfolgen“, so Bartenstein weiter. Rund 600 Millionen Euro wollen die Franzosen allein in dieses Vorhaben investieren.

Zwillingsturm stößt auf Bedenken im Baukollegium

Schwieriger sieht die Situation bei dem geplanten Zwillingsturm aus. Anders als im Masterplan vorgesehen, wolle man für die beiden Türme einen gemeinsamen Sockel schaffen, der statt der vorgegebenen 37 Meter dafür aber nur 13,5 Meter hoch sein soll. Zudem soll eine große Freitreppe zum Platz hin einen öffentlichen Zugang zum Sockeldach bieten. „Das entspricht auch viel eher der Höhe des historischen Sockelgebäudes“, begründete Sauerbruch. In diesem Sockel sollen neben Konferenz- und Restaurantflächen für das Hotel auch wieder Einzelhandelsflächen entstehen. Im Turm wiederum sei eine Mischung aus Büro- und Hotelnutzung angedacht.

Weil Sauerbruch Hutton hier eine veränderte Sockel- und Turmhöhe vorschlagen und zudem die Positionierung des Turmes auf dem Grundstück verändern wollen, ist der Bauherr hier auf das Wohlwollen der Senatsverwaltung und des Bezirks Mitte angewiesen – und auch des Baukollegiums.

Das jedoch reagierte am Dienstag verhalten. „Das Baukollegium sieht Handlungsbedarf, weil die Zwillingstürme eine isolierte Lösung darstellen“, fasste Senatsbaudirektorin Regula Lüscher das Votum des Expertengremiums nach der Beratung zusammen, bei der die Zuhörer nicht anwesend sein durften. An den Senat sei nun der Auftrag erteilt, zu verhindern, dass abweichend vom Kollhoff’schen Plan nun jeder Bauherr nach seinen eigenen Höhenvorstellungen plane. „Und an Sie als Bauherr ergeht der Auftrag zu prüfen, ob der gemeinsame Sockel sowie die Idee des Zwillings tatsächlich zielführend sei“, wandte sie sich an Barten­stein. Und über das Vorhaben, einen 150-Meter-Turm nach dem vorgeschlagenen Modell auf Baufeld D3 zu errichten, „muss ich noch mal ein bis zwei Nächte schlafen“, sagte Lüscher weiter.

Am Dienstag waren als Zuhörer auch Vertreter des Bauvorhabens gekommen, das auf dem Baufeld D7 neben dem Kaufhof-Gebäude entstehen soll. Auch hier soll nach dem überarbeiteten Masterplan an der Ecke Karl-Liebknecht-Straße ein bis zu 150 Meter hoher Turm entstehen. Wie weit die Pläne des Handelsunternehmens gediehen sind, wollten diese jedoch am Dienstag noch nicht verraten.

Am weitesten fortgeschritten ist deshalb nach wie vor der Turm der russischen Monarch-Gruppe, der unmittelbar angrenzend an das Einkaufszentrum Alexa entstehen soll. Es gibt bereits seit Längerem einen Bauvorbescheid für den Turm, den das Berliner Architekturbüro Ortner & Ortner entworfen hat. Weil der Investor jedoch durch niedrigere Deckenhöhen abweichend vom Bebauungsplan eine Flächenüberschreitung von 600o Quadratmetern wünschte, sei das Projekt lange blockiert worden, heißt es aus mit den Vorgängen vertrauten Kreisen. Inzwischen sei dieser Konflikt aber beigelegt. Monarch habe vor einigen Wochen einen geänderten Bauantrag gestellt, der nunmehr den Vorgaben des Bebauungsplans entspreche.

Unverändert ist die Situation noch immer bei dem von Frank Gehry entworfenen Turm für das US-amerikanische Immobilienunternehmen Hines, das an der Ecke Alexanderstraße und Otto-Braun-Straße direkt am Saturn-Kaufhaus mit einer Höhe von ebenfalls 150 Metern entstehen soll . Die BVG hat unverändert Einwände gegen das Projekt, weil es direkt über einem U-Bahn-tunnel liegt.