Klinikum schließt

Prenzlauer Berg: Aus Krankenhaus soll Gesundheitsamt werden

Der Bezirk Pankow braucht Platz für Mitarbeiter. Er möchte die Gebäude des Klinikums Prenzlauer Berg nutzen, das 2019 schließen soll.

Das Krankenhaus in Prenzlauer Berg soll Gesundheitsamt werden

Das Krankenhaus in Prenzlauer Berg soll Gesundheitsamt werden

Foto: imago stock / imago stock&people

Berlin. Die Tage des Krankenhauses Prenzlauer Berg sind gezählt. Mitarbeiter und medizinische Angebote werden bis 2019 in einen Neubau des Vivantes Klinikums im Friedrichshain umziehen. Dann gibt der landeseigene Klinikkonzern den Standort an der Fröbelstraße 15 auf. Großes Interesse an diesem Gelände hat ein unmittelbarer Nachbar des Krankenhauses, das Bezirksamt Pankow, Fröbelstraße 17. Das Amt braucht dringend neue Räume. Pankow schlägt deshalb vor, dass das Land Berlin den Krankenhaus-Standort in sein Vermögen übernimmt und ihn für die öffentliche Nutzung sichert. Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke) hat sich mit diesem Vorschlag an den Senat gewandt.

Eine schnelle Entscheidung des Senats ist nötig

Eine offizielle Antwort vom Senat liege noch nicht vor, sagt Torsten Kühne (CDU), Pankows Stadtrat für Immobilien. Doch für den Bezirk ist eine rasche Entscheidung wichtig. Denn die Büroflächen des Bezirks „platzen jetzt schon aus allen Nähten, weil wir in der Vergangenheit Kapazitäten abbauen und Immobilien abgeben mussten.“ Ein weiterer Grund: Die alten Verwaltungsgebäude an der Fröbelstraße 17 werden von 2018 bis 2020 instand gesetzt.

„Wenn wir das benachbarte Klinikgelände einbeziehen könnten, wäre es möglich, einige Bereiche dorthin auszulagern und so Baufreiheit zu schaffen.“ Auf Behelfslösungen wie Container könne der Bezirk dann verzichten, sagt der Stadtrat „Aber dafür brauchen wir eine schnelle Entscheidung zum Vivantes-Areal.“ Die Senatsgesundheitsverwaltung habe bereits mitgeteilt, dass das Vivantes-Gelände nach Aufgabe des Krankenhausstandortes für den Bezirk zur Verfügung stehe. Die Senatsfinanzverwaltung sei offen für das Anliegen des Bezirks, mahnt aber „die Finanzierung durch den Bezirk“ an.

Vivantes-Sprecherin Kristina Tschenett teilt auf Anfrage der Berliner Morgenpost mit: „Das Gelände des Klinikums Prenzlauer Berg an der Fröbel­straße wird künftig für Vivantes nicht mehr betriebsnotwendig sein.“ Es gebe einen Vertrag mit der Berliner Immobilien GmbH zur Vermarktung von Grundstücken, die nicht mehr benötigt werden. Doch die Nachnutzung könne erst beginnen, wenn das Klinikum Prenzlauer Berg nach Friedrichshain umgezogen sei. „Das ist für 2019 geplant.“ Im Klinikum im Friedrichshain entsteht derzeit für rund 105 Millionen Euro ein Neubau mit 400 Betten. Er soll 140 Betten aus dem Krankenhaus in Prenzlauer Berg aufnehmen. Grundsteinlegung war 2014. Richtfest wurde 2015 gefeiert. Es ist das derzeit größte Bauprojekt von Vivantes.

Neu zu bauen, kommt für das Bezirksamt Pankow nicht in Betracht. Man sei gezwungen, für die wachsende Verwaltung Räume auf dem freien Markt anzumieten, sagt Stadtrat Kühne. Derzeit gibt der Bezirk dafür rund 714.000 Euro im Jahr aus. „Gewerbeflächen, wie wir sie brauchen, sind in Pankow rar“, sagt Kühne. Nun habe der Bezirk 100 zusätzliche Stellen bekommen. „Wir haben das riesige Problem: wohin mit neuen Mitarbeitern?“ Aus Landessicht wäre zu überlegen, meint Kühne, ob man bei privaten Anbietern Flächen anmieten müsse oder Verwaltungsmitarbeiter auf eigenen Immobilien unterbringt. „Ich suche zum Beispiel dringend Räume für das Gesundheitsamt“, so der Stadtrat. Dafür wäre das alte Krankenhaus gut geeignet. Der jetzige Standort der Behörde an der Grunowstraße in Pankow könne nicht erweitert werden.

Ein weiteres Beispiel: Der Bezirk habe jetzt in Heinersdorf Flächen anmieten müssen, berichtet der Stadtrat. „Dort werden Schulaufsicht, Schulpsychologie und Teile des Jugendamtes einziehen. Das ist wieder ein neuer Verwaltungsstandort im Bezirk, zusätzlich zu denen, die wir jetzt schon haben.“ Für den Bürger sei das unpraktisch, sagt Kühne. „Wenn er verschiedene Ämter aufsuchen will, muss er durch den gesamten Bezirk fahren. Es wäre besser, sich an wenigen Standorten zu konzentrieren.“ Auch ein weiteres Problem könnte Pankow lösen, wenn dem Bezirksamt die Fläche des Krankenhauses Prenzlauer Berg zur Verfügung stünde. Denn ein anderer Nachbar des Klinikums, die Schule am Planetarium, soll ausgebaut werden. Dafür wird Platz gebraucht. Bislang ist vorgesehen, Flächen des Ernst-Thälmann-Parks in Anspruch zu nehmen. Damit ginge jedoch Grünfläche verloren, das wollen die Anwohner nicht.

Anwohner waren gegen Schließung des Standortes

Schließlich ist es aus Sicht des Bezirks auch denkbar, dass das Krankenhausgelände kulturell genutzt wird. Etwa für das Käthe-Kollwitz-Museum in Charlottenburg. Es muss voraussichtlich aus seinen Räumen an der Fasanenstraße ausziehen, weil sie künftig für ein Exil-Museum genutzt werden sollen. Dass der Klinikbetrieb in Prenzlauer Berg aufgegeben wird, ist seit 2008 beschlossene Sache. Anwohner und Pankower Politiker hatten jahrelang vergeblich dagegen protestiert. Im Krankenhaus an der Fröbelstraße gibt es eine Rettungsstelle. Die Fachrichtungen Geria­trie, Innere Medizin, Gastro­enterologie und Unfallchirurgie sind vertreten. 41 Ärzte und 106 Pflegekräfte am Standort beschäftigt.

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