Weihnachtszeit

Verkaufsoffener Sonntag in Berlin: Einkaufsrausch im Advent

Der Berliner Handelsverband zieht für den ersten Adventssonntag eine positive Bilanz. Auch das Wetter spielt eine Rolle.

Bepackt mit schweren Tüten liefen viele Berliner am Wochenende etwa über die Tauentzienstraße

Bepackt mit schweren Tüten liefen viele Berliner am Wochenende etwa über die Tauentzienstraße

Foto: Anikka Bauer

Berlin.  Menschenmassen strömten am ersten Adventssonntag durch die Türen in das festlich geschmückte Kaufhaus des Westens. Draußen in der Kälte, im eisigen Wind, spielte ein Straßenmusiker auf seinem Saxophon "O Tannenbaum". Am Kudamm strahlte die Weihnachtsbeleuchtung, es roch nach Bratwurst und Glühwein. Zwischen den Buden schoben sich Menschen mit prallen Tüten entlang. Adventszeit ist Einkaufszeit.

Für den Einzelhandel ist die Vorweihnachtszeit eine der umsatzstärksten Phasen des Jahres. Eine positive Bilanz des verkaufsoffenen Sonntags hat deshalb Nils Busch-Petersen, Geschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, am Sonntagabend gezogen. "Mir wird von gut besuchten Einkaufshäusern berichtet", sagte Busch-Petersen gegenüber der Berliner Morgenpost. "Wir befinden uns bei den Umsätzen in etwa auf dem guten Niveau des Vorjahres."

Mehr als 6000 Geschäfte in ganz Berlin hatten die Gelegenheit des verkaufsoffenen Sonntags genutzt und ihre Türen geöffnet. Nahezu alle Kauf- und Warenhäuser, Einkaufscenter, Fach- und Baumärkte, Möbel- und Einrichtungshäuser waren von 13 bis 18 Uhr oder gar bis 20 Uhr geöffnet. Dazu zählten die Wilmersdorfer Arcaden, die Arkaden am Potsdamer Platz, die Mall of Berlin, das Schloss in Steglitz oder das KaDeWe.

"Das ist für uns wie ein Familienausflug"

Familie Trautwein aus Spandau nutzte den Tag, um erste Weihnachtsgeschenke zu besorgen. "Für uns sind die verkaufsoffenen Sonntage eine gute Gelegenheit, um entspannt zusammen einzukaufen", sagte Mutter Angela Trautwein, die mit ihren beiden Kindern und Mann Bernd ein paar Stunden im KaDeWe unterwegs war. "In der Woche haben wir oft gar nicht die Zeit, so etwas mal zusammen zu machen – das ist für uns heute wie ein Familienausflug", sagte die 43 Jahre alte Spandauerin. Das Ergebnis ihrer Shopping-Tour kann sich sehen lassen: Sechs Tüten mit allerlei Geschenken für Verwandte haben sie gekauft. "An so einem Tag schaut man dann auch nicht so ganz genau auf den Preis", sagte sie. Für ihren Neffen kaufte sie eine kleine Playmobil-Ritterburg, außerdem DVDs für die Schwester und einen warmen Norweger-Pullover für ihren Mann.

Dass der Geldbeutel bei einem Einkaufsbummel mit der Familie oft lockerer sitzt, bestätigte auch Einzelhandelsexperte Busch-Petersen: "Gerade größere Investitionen werden oft gemacht, wenn man mit der Familie unterwegs ist." Der Vorteil der verkaufsoffenen Sonntage sei deshalb, dass sowohl Kunden als auch Verkäufer meist entspannter seien. "In vorweihnachtlicher Atmosphäre kauft es sich natürlich auch angenehmer ein", sagte er. Verantwortlich dafür, wie hoch die Umsätze der Geschäfte am Ende sind, sei aber auch das Wetter, erklärte Busch-Petersen. Der Sonntag sei ein guter Einkaufstag gewesen: "Am Morgen war es sonnig und später wurde das Wetter ungemütlicher, so dass die Menschen in die warmen Geschäfte geströmt sind."

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Auch Maren Bürger und ihre Schwester, zu Besuch in Berlin, wollten sich eigentlich nur den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz anschauen. "Das Wetter war aber so ungemütlich, dass wir in ein Geschäft hineingegangen sind und spontan noch ein bisschen Weihnachtsdeko gekauft haben", erzählte die 28-jährige Frau aus Schwerin.

Verkaufsoffene Sonntage besonders wichtig für den Einzelhandel

Busch-Petersen erklärte, wie wichtig die verkaufsoffenen Sonntage gerade für den Einzelhandel sind: "Die bis zu zehn Tage generieren so viel zusätzlichen Umsatz, dass dieser dem Einzelhandel 2000 bis 3000 zusätzliche Vollzeitarbeitsplätze garantiert." Forderungen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, alle verkaufsoffenen Sonntage im Advent abzuschaffen, bezeichnete er deshalb als realitätsfremd. "Ich habe das Gefühl, die haben den Kontakt zu ihrer Basis, zu den Verkäufern verloren." 2010 hatten die Kirchen vor dem Bundesverfassungsgericht erreicht, dass Berlins Geschäfte im Advent nur noch an zwei statt an vier Sonntagen öffnen dürfen.

Der nächste und letzte verkaufsoffene Sonntag des Jahres wird am 17. Dezember stattfinden. Anlass sind das Louis Lewandowski Festival, ein Festival für jüdische Synagogenmusik, und die zahlreich geöffneten Weihnachtsmärkte. Die teilnehmenden Geschäfte öffnen in der Regel von 13 bis 18 Uhr, einige haben auch bis 20 Uhr geöffnet. Übrigens: Auch der 24. Dezember ist in diesem Jahr ein Sonntag. Es gibt zwar die gesetzliche Möglichkeit für Geschäfte trotzdem zu öffnen, wenn sie zum Beispiel überwiegend Lebensmittel verkaufen. Die meisten großen Handelsketten wie Rewe und Edeka werden ihre Filialen aber dennoch geschlossen halten.

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