Bericht

Bandkollegen von BVG-Finanzchef im Unternehmen beschäftigt

Bei der BVG gibt es laut eines Berichtes Kritik an der Besetzung von Führungspositionen mit Bandkollegen des Finanzchefs.

Die BVG-Zentrale an der Holzmarktstraße

Die BVG-Zentrale an der Holzmarktstraße

Foto: dapd / dapd/DAPD

Berlin. "Moxy" ist gefragt in Clubs und bei Hochzeiten. Die Musik der Berliner Band: eine Berg- und Talfahrt aus Stilen, Stimmungen und Rhythmen. Die fünf Musiker bieten eine Mischung aus Pop, Rock, Oldies und Disco. Mittlerweile spielt ihre Musik aber nicht nur in der Freizeit, sondern auch in der Führung der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), wie „Bild“ berichtet.

„Henrik am Bass“ ist bei dem Landesunternehmen seit August 2016 als Finanzvorstand die Nummer zwei hinter Chefin Sigrid Nikutta. Im Januar 2017 kam Schlagzeuger Burkhard als Einkaufsdirektor hinzu. Keyboarder Daniel folgte im August dieses Jahres als Leiter des Vorstandsstabs für alternative Infrastruktur wie Elektrobusse. Damit ist mehr als die halbe Band bei der BVG in hohen Positionen. In der Belegschaft sorgt dies dem Bericht zufolge für Misstöne. Von Vetternwirtschaft ist die Rede. Nun fordern Abgeordnete Aufklärung.

„Wir erwarten von der BVG, dass sie das Bewerbungs- und Auswahlverfahren im Parlament ausführlich darlegt“, sagte der CDU-Haushaltsexperte Christian Goiny. Es sei schon ein eigentümlicher Vorgang, wie bei der BVG wichtige Positionen besetzt werden: „Indem man dort quasi im Freundeskreis nach geeignetem Personal sucht.“ Der Wirtschafts- und Haushaltsexperte der FDP, Florian Swyter, sagte am Sonnabend auf Anfrage: „Dass eine halbe Boygroup eingestellt wird, ist fragwürdig und verlangt nach Aufklärung.“

Mit Fachkräftemangel könne dies kaum mehr begründet werden. Der Verkehrsexperte der Grünen, Stefan Gelbhaar, betonte: „Jeder darf sich bewerben und dabei auch Netzwerke nutzen, doch muss das Verfahren transparent gestaltet werden.“ Die Frage sei, ob Finanzvorstand Henrik Haenecke vor der Personalauswahl kenntlich machte, dass er in die Suche mit einbezogen war. Der AfD-Abgeordnete Christian Buchholz warnte vor Vorverurteilungen: „Dem Verdacht auf Begünstigung muss aber nachgegangen werden. Die BVG wird Gelegenheit haben, diese Fälle im Ausschuss für Wirtschaft und Betriebe darzulegen.“

Aufsichtsratschefin Pop inzwischen informiert

Die BVG-Aufsichtsratsvorsitzende Ramona Pop (Grüne) hielt sich mit einer Bewertung zurück. „Ich bin vom Vorstand informiert worden, dass die Besetzung transparent gelaufen ist“, sagte die Wirtschaftssenatorin auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Sie kündigte an: „Wenn es darüber noch Besprechungsbedarf gibt, wird das in den Gremien stattfinden.“

Der 45 Jahre alte Finanzvorstand Haenecke verteidigt die umstrittenen Personalien aus dem Freundeskreis. „Wir haben händeringend nach einem Verkaufsleiter gesucht“, sagte der „Moxy“-Bassist der „Bild“. Schlagzeuger Burkhard Schlede sei zuerst nicht frei gewesen. Deshalb habe man weiter nach einem Verkaufsleiter gesucht, allerdings ohne Erfolg. Als Schlede sich dann doch beworben habe, sei er „durch einen Prozess gegangen, der so was von transparent war“, versichert Haenecke. Er selbst sei bei den Auswahlgesprächen nicht dabei gewesen, nur am Ende. Auf anderem Weg sei der Keyboarder Daniel Hesse zu seinem Job als Leiter des Vorstandsstabs Elektro-Mobility bei Deutschlands größtem Nahverkehrsunternehmen gekommen.

„Wir hatten einen Personalberater eingeschaltet. Ich hatte ihn gar nicht auf dem Radarschirm“, beteuert Haenecke. Männer im Proberaum würden nicht so viel miteinander reden. Irgendwann habe ihn Hesse auf die Stelle angesprochen. Er räumt ein: „Ich kann nachvollziehen, dass es für Menschen, die an diesem Prozess nicht beteiligt waren, Fragen aufwirft.“ Auch BVG-Sprecherin Petra Reetz weist den Vorwurf der Vetternwirtschaft zurück. Auf Anfrage sagte sie: „ Es gibt im Unternehmen sogar die Aufforderung an die Mitarbeiter, auf freie Stellen hinzuweisen.“ Die BVG zahle Prämien bis 500 Euro, wenn Mitarbeiter erfolgreich Personal vermitteln. Finanzvorstand Haenecke habe keine Prämie bekommen.

Dass die musikalische gemeinsame Reise von drei der fünf Bandmitglieder bei der BVG endete, sollte wohl doch nicht für jeden Interessierten sofort offensichtlich sein. Im Internet war die Homepage der Band zwischenzeitlich gelöscht worden. Angeblich aus Versehen. Mittlerweile ist sie wieder da. „Endlich wieder online“, heißt es auf der Website. Die Kritik ist ohnehin nicht mehr aufzuhalten.