Tempelhof

Flüchtlinge ziehen vom Hangar ins Containerdorf

Die Gemeinschaftsunterkunft auf dem Tempelhofer Feld ist fertig. 400 Flüchtlinge ziehen bis Jahresende ein. 1024 Plätze entstehen.

Die Tempohomes für Flüchtlinge am ehemaligen Flughafen Tempelhof

Die Tempohomes für Flüchtlinge am ehemaligen Flughafen Tempelhof

Foto: Reto Klar

Berlin.  Die Tempohomes auf dem Tempelhofer Feld sind bezugsfähig. Rund 770 kleine Container bilden die neue Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge. Am Montag ziehen die ersten Bewohner ein. Es sind etwa 150 Menschen, die vor allem aus Syrien, Afghanistan und dem Irak stammen und bislang in den Hangars auf dem Flughafengelände gelebt haben – ohne Privatsphäre. Auch Menschen aus der Notunterkunft an der Paulsternstraße werden künftig am Columbiadamm leben. Das Containerdorf wird insgesamt 1024 Plätze haben. Bis zum Jahresende sind rund 650 fertig, die restlichen entstehen bis zum Frühjahr. Zunächst werden jedoch nur 400 Plätze belegt. Grund ist der hohe Verwaltungsaufwand, der mit dem Umzug einhergeht. Denn die Flüchtlinge, die bislang komplett versorgt wurden, sollen sich künftig selbst versorgen und bekommen dafür mehr Geld.

Im Hangar entsteht ein öffentliches Freizeitareal

Sie freue sich über den Start der neuen Gemeinschaftsunterkunft, sagte Tempelhof-Schönebergs Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) am Freitag bei einem Rundgang über das Gelände. „Die Situation in den Hangars war für alle Beteiligten durchaus prekär.“ Man habe viele Anstrengungen unternehmen müssen, um die Lage halbwegs erträglich zu machen. „Ich bin froh, dass sich die Rahmenbedingungen und Möglichkeiten absolut verbessern und dass wir eine Notunterkunft schließen.“ Hangar 1 solle jedoch als öffentliches Freizeitareal erhalten bleiben. „Auch die Anwohner freuen sich, hier im Winter einen sportlichen Anlaufpunkt zu haben.“ Im Hangar 4 sind 100 Schlafplätze für Obdachlose vorbereitet.

Auch die freiwilligen Helfer sollen zur neuen Unterkunft wechseln. „Damit die persönlichen Beziehungen bleiben.“ Das Ehrenamt in den Hangars sei gut aufgestellt gewesen, so Schöttler. „Denn das Wohnen ist nur das eine. Das andere ist die Teilhabe, das Deutschlernen, das Ankommen in Schule, Kita und auf dem Arbeitsmarkt.“ Das Gesundheitsamt habe die neue Gemeinschaftsunterkunft genehmigt. „Damit kommen wir aus der jahrelangen Duldung der Unterkunft in den Hangars heraus.“ Die Flüchtlingskinder aus den Hangars könnten weiterhin in Tempelhof-Schöneberg zur Schule gehen. „Die ersten lernen bereits in Regelklassen.“

Das neue Zuhause der Asylbewerber sind Apartments mit zwei Zimmern, einer kleinen Küche und Sanitärbereich. Auf dem Gelände werden auch Gemeinschaftsräume eingerichtet, etwa für Schulungen, für ein Jugendzen­trum oder für ein Bewohner-Café.

Bau der Unterkunft kostete rund 17 Millionen Euro

Rund 17 Millionen Euro hat der Bau der Unterkunft gekostet. Sie erstreckt sich auf einer Fläche von etwa 74.000 Quadratmetern. Im Freien sind Holzterrassen mit Bänken, Liegen und Sonnenschutz aufgebaut. Es gibt Spielplätze und Flächen für Freizeitsport. Betreiber ist die Tamaja Berlin GmbH, die bereits die Notunterkunft in den Hangars betreute. „Wir sind froh, dass die Bewohner dort nicht noch einmal Weihnachten verleben müssen“, sagte Tamaja-Sprecher Matthias Nowak am Freitag. Auf dem Gelände der Gemeinschaftsunterkunft werde ein Wegeleitsystem installiert. „Jeder Container ist eine eigene Wohnung. Die Familien können dort Besuch bekommen.“ Aufgabe von Tamaja sei es, die Menschen, die lange in Notunterkünften gelebt hätten, auf dem Weg in die Selbstständigkeit zu begleiten.

Derzeit leben rund 26.500 Menschen in landeseigenen Unterkünften in Berlin. Die Zahl der Asylbewerber, die nach Berlin kommen, ist im Vergleich zu den Vorjahren gesunken. Von Januar bis Ende November 2017 waren es rund 7200, im vergangenen Jahr knapp 17.000 und rund 55.000 im Jahr 2015. „Es kann aber niemand sagen, wie sich diese Zahlen künftig entwickeln“, so Claudia Langeheine, Präsidentin des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten. „Denn die Krisenherde in der Welt sind nicht verschwunden.“

Das Containerdorf am Columbiadamm wird jedoch nur eineinhalb Jahre bestehen. Im Sommer 2019 muss es wieder abgebaut werden. So verlangt es das Tempelhof-Gesetz, das keine dauerhafte Bebauung zulässt. Auch der Kinder- und Jugendzirkus Cabuwazi darf nur bis Mitte 2019 auf dem Tempelhofer Gelände stehen. Bis dahin können in den Zelten auch die Kinder aus den Flüchtlingsfamilien Artistik und Jonglage erlernen. Nachbarn und Anwohner können die Gemeinschaftsunterkunft am Sonntag, 3. Dezember, 13-16 Uhr, kennenlernen. Zugang ist am Columbiadamm 84.

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