Steglitz

Weniger Hilfe für Kinder: Charité in der Kritik

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Regina Köhler
Die Rettungsstelle der Charité

Die Rettungsstelle der Charité

Foto: imago stock / imago stock&people

Politiker fordern, dass die Kinder-Rettungsstelle am Standort Benjamin Franklin bald wieder rund um die Uhr geöffnet sein muss.

Berlin.  Die Entscheidung der Charité, die Rettungsstelle für Kinder am Standort Benjamin Franklin in Steglitz-Zehlendorf wegen Ärztemangels nur noch eingeschränkt zu öffnen, stößt auf heftige Kritik. Oliver Friederici, CDU-Wahlkreisabgeordneter im Bezirk, sagte der Berliner Morgenpost, dass die Personalplanung der Charité in diesem Bereich versagt habe. Es sei bereits ein großer Fehler gewesen, die Kinderklinik an diesem Standort zu schließen. Wie berichtet, ist die Rettungsstelle am Klinikum Benjamin Franklin vom gestrigen Freitag an für zwei Monate nur noch eingeschränkt in Betrieb.

„Die Charité ist aufgerufen, sofort dafür zu sorgen, dass die Rettungsstelle für Kinder weiter wie bisher rund um die Uhr geöffnet ist“, forderte er. Selbst wenn dort täglich nur etwa zehn Kinder behandelt würden, in einem Jahr seien das immerhin mehr als 3600 Patienten.

Krankenhäuser müssen besser finanziert werden

Kritik kommt auch von der Gesundheitsverwaltung. Christoph Lang, Sprecher von Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD), sagte der Morgenpost: „Wir erwarten, dass die Charité schnell ein tragfähiges Konzept vorlegt, wie die kinderärztliche Notversorgung grundsätzlich und insbesondere an den Feiertagen geregelt werden kann.“ Die Einschränkung der Versorgung am Standort Steglitz-Zehlendorf sei nicht mit der Gesundheitsverwaltung abgesprochen, sagte Lang, sondern einseitig von der Charité entschieden worden. Das sei nicht hinnehmbar, so Lang.

Der Ärztliche Direktor der Charité, Ulrich Frei, sagte der Morgenpost, dass der Grund für die Einschränkungen ein zeitlich begrenzter Personalengpass bedingt durch einen hohen Anteil schwangerer Fachärztinnen sei. Am Standort werde aber auf jeden Fall ein Kinderarzt zur Verfügung stehen, an Werktagen von 8 bis 16 Uhr und am Wochenende von 11 bis 19 Uhr . „Kinder und Eltern, die sich außerhalb dieser Zeiten vorstellen, werden an Kinderarzt-Praxen in der Umgebung sowie auf Krankenhäuser mit Kindernotfallversorgung wie dem Helios Klinikum Emil von Behring oder dem Sankt Josef Krankenhaus verwiesen.“ Dringliche Fälle würden mit dem hauseignen Krankentransport an den Campus Virchow-Klinikum gebracht, dort ist der kindermedizinische Schwerpunkt der Charité angesiedelt. „An den Weihnachts- und Neujahrsfeiertagen, vom 23. Dezember bis 2. Januar, ist der ärztliche Dienst aber rund um die Uhr vertreten“, so Frei.

Wolfgang Albers, gesundheitspolitischer Sprecher der Linken, forderte, die Krankenhäuser besser zu finanzieren und sie somit in die Lage zu versetzen, die ambulante Versorgung zu übernehmen, wenn es die niedergelassenen Ärzte nicht schaffen würden, was in Berlin der Fall sei. „Abends und am Wochenende kommt die Kassenärztliche Vereinigung seit Jahren ihrem Versorgungsauftrag nicht nach“, so Albers. Die Rettungsstellen müssten die Versorgung der Patienten übernehmen, würden dafür aber deutlich weniger Geld bekommen als niedergelassene Ärzte. Das müsse geändert werden.

Kassenärztliche Vereinigung weist Vorwürfe zurück

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) verweist hingegen auf vier Erste-Hilfe-Stellen des kinderärztlichen Bereitschaftsdienstes der KV Berlin. Diese könnten Eltern in Anspruch nehmen, wenn außerhalb der Praxisöffnungszeiten sowie an den Wochenenden und Feiertagen ein Notfall eintritt. Tagsüber werde die kinderärztliche Versorgung durch die niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte sichergestellt. Die vier kinderärztlichen Erste-Hilfe-Stellen seien am Sana Klinikum Lichtenberg, an den DRK Kliniken Westend sowie Mitte und am St. Joseph-Krankenhaus in Tempelhof angesiedelt, heißt es weiter. „Diese Rettungsstellen sind Mittwoch und Freitag außerhalb der Praxisöffnungszeiten bis etwa 22 Uhr sowie an den Wochenenden und Feiertagen von morgens bis abends erreichbar “, sagte KV-Sprecherin Ronja Witt der Berliner Morgenpost.

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