Gerichtsprozess

Rettungskräfte bei Einsatz attackiert: Freiheitsstrafe

Sanitäter blockierten bei einem Rettungseinsatz die Straße - und wurden von einem Autofahrer angefahren. Nun wurde er verurteilt.

Ein 25-Jähriger Autofahrer hat Rettungskräfte im Einsatz angefahren. Nun wurde er zu zehn Monaten Freiheitsstrafe verurteilt (Archiv)

Ein 25-Jähriger Autofahrer hat Rettungskräfte im Einsatz angefahren. Nun wurde er zu zehn Monaten Freiheitsstrafe verurteilt (Archiv)

Foto: David-Wolfgang Ebener / dpa

Berlin. In Moabit werden Rettungssanitäter von einem Autofahrer attackiert, während sie ein Kind reanimieren – dieser Fall sorgte vor wenigen Wochen für Schlagzeilen. Dass derartige Übergriffe in Berlin eher die Regel denn die Ausnahme sind, zeigt auch ein Prozess am Mittwoch vor dem Amtsgericht Tiergarten.

Dabei ging es um eine Attacke auf Rettungskräfte, mit dem Unterschied, dass in dem Fall ein Sanitäter verletzt wurde. Für den Täter wurde sein rabiates Verhalten nach dem Urteil des Gerichts zu einer teuren Angelegenheit.

"Geh zur Seite du Idiot, ich hab's eilig"

Am 8. November 2016 wurden Rettungssanitäter Norbert G. und ein Kollege zu einer Seniorin in Siemensstadt gerufen. Als der Zustand der Frau sich weiter verschlechterte, wurde sie in das Rettungsfahrzeug gebracht und ein Notarzt alarmiert.

Gerade als G. in das Fahrzeug einsteigen wollte, versuchte Bathyar Ö. mit seinem Wagen durch eine Lücke vorbeizufahren. Dabei stand ihm G. im Weg. "Geh zur Seite du Idiot, ich hab's eilig", herrschte Ö. den Sanitäter an. Auf dessen Hinweis auf den laufenden Einsatz entgegnete er nur: "Ist mir sch…egal".

Statt zurückzusetzen, fuhr der 25-Jährige vorwärts und traf G. am Knie. Als der Sanitäter am Boden lag, sagte Ö., er solle sich nicht so anstellen. Norbert G. ist bis heute dienstunfähig, nicht nur aufgrund der Knieverletzung, auch psychisch hat ihm der Vorfall zugesetzt.

Angeklagter begeht weiteren Unfall

Quasi als Zugabe enthielt die Anklage noch einen weiteren Vorwurf. Sechs Wochen nach dem Vorfall in Siemensstadt wurde Ö. in Staaken in einen Unfall verwickelt. Seine erste Reaktion bestand darin, dem Unfallgegner einen Faustschlag ins Gesicht zu versetzen. In der Verhandlung räumte Ö. die Taten ein. Das Geschehene tue ihm "sehr sehr leid", sagte der 25-Jährige. In Siemensstadt sei er wegen seines Kindes aufgeregt gewesen und in Staaken habe er nach dem Unfall unter Schock gestanden, begründete er seine Ausraster.

Das Urteil nach vierstündiger Verhandlung: Zehn Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung und acht Monate Führerscheinentzug. Zusätzlich muss Ö. dem Rettungssanitäter 3000 Euro Schmerzensgeld zahlen (200 Euro brachte er gleich zur Verhandlung mit) und für alle Behandlungskosten des Verletzten aufkommen, die nicht durch Versicherungen abgedeckt sind.

Befremdlich nannte die Richterin das Verhalten von Ö.: "Sie sorgen sich um ihre kranke Tochter und attackieren ausgerechnet die, die man in solchen Fällen häufig braucht". Befremdlich waren auch noch andere Reaktionen des Angeklagten. Als der am Boden liegende Sanitäter sich aufzurichten versuchte, stützte er sich am Auto von Ö. ab. Das nahm der zum Anlass, G wegen Sachbe-schädigung anzuzeigen. Und die alarmierten Polizeibeamten soll er Zeugen zufolge mit dem Hinweis begrüßt haben, er habe sich gerade selbst bei der Polizei beworben.

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