ADAC-Studie

Der Berliner Verkehr nervt alle

Autofahrer, Radfahrer, Fußgänger: Laut Umfrage sind alle im Berliner Verkehr genervt. ADAC und FDP sehen Autofahrer schlecht gestellt.

Verkehr am  Theodor-Heuss-Platz in Berlin

Verkehr am Theodor-Heuss-Platz in Berlin

Foto: Paul Zinken / dpa

Bei Umfragen zum Thema Verkehr nimmt Berlin fast schon traditionell einen der hintere Ränge ein. Die Studie "Mobil in der Stadt" des ADAC bildet da keine Ausnahme: Unter den 15 größten deutschen Metropolen belegt Berlin den drittletzten Platz (siehe Grafik). Nur in Köln und Duisburg wird die Mobilität noch schlechter bewertet.

Damit kann Berlin mit den anderen Großstädten im Osten nicht mithalten: Dresden und Leipzig führen das Ranking an, gefolgt von Hannover. Für die Studie ließ der ADAC fast 10.000 Einwohner, Pendler und Besucher befragen, rund 600 in jeder Stadt, getrennt nach ihrer Rolle als Autofahrer, Radfahrer, Fußgänger oder Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs.

Insgesamt bewertet nicht mal jeder Dritte den Verkehr in der Hauptstadt als gut. Am schlechtesten fällt das Urteil der Autofahrer aus, hier sind sogar nur 17 Prozent zufrieden, was den vorletzten Platz im Bundesvergleich bedeutet. Eines der größten Ärgernisse ist laut Studie die Höhe der Parkgebühren. "Hier hat Berlin in den vergangenen Jahren kräftig angezogen", sagt Jörg Becker vom ADAC Berlin-Brandenburg. Verglichen mit anderen Großstädten liege man bereits im "oberen Drittel".

Noch mehr Parkplätze werden wegfallen

Eine Entlastung in diese Richtung können die Autofahrer aber nicht erwarten, im Gegenteil: Die Bezirke, allen voran Friedrichshain-Kreuzberg, wollen die Parkraumbewirtschaftung ausweiten. Auch wegen des Baus von Radwegen wird in Zukunft der eine oder andere Parkplatz wegfallen.

Becker fordert hier mehr Transparenz, anfallende Einschränkungen müssten frühzeitig kommuniziert werden, damit sich Bewohner, die auf ihr Auto angewiesen sind, besser darauf einstellen könnten. Zudem müssten Alternativen geboten werden, etwa in Form von Tiefgaragen oder der Möglichkeit der Mitbenutzung von Supermarktparkplätzen.

Immerhin: Eine deutliche Verteuerung der Anwohnerparkausweise, wie im Frühjahr von Verkehrsstaatssekretär Jens-Holger Kirchner (Grüne) angeregt, wird es laut Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) nicht geben.

Baustellen sorgen für Ärger

Für Unmut sorgt bei den Autofahrern auch das Baustellenmanagement: zu viele Baustellen mit zu langer Bauzeit. Die immer wieder heftig kritisierte Verkehrslenkung Berlin (VLB) hat in der letzten Zeit zwar personell nachgerüstet, dennoch ist laut Umfrageergebnis offenbar noch ausreichend Luft nach oben.

Problematisch ist zudem, dass die Bauträger ihre Vorhaben nicht optimal abstimmen. Als die Bauarbeiten für den Neubau der Straßenbahn auf der Invalidenstraße in Mitte abgeschlossen waren, wurde dort ein halbes Jahr später wieder die Fahrbahn aufgerissen, weil neue Stromkabel verlegt werden mussten. Dabei hätte dies auch im Zuge des Straßenbahnbaus geschehen können.

Kritik: Fahrrad, Bus und Bahn werden bevorzugt

Für die Autofahrerlobby ist der Schuldige schnell gefunden: "Die durchgehend autofeindliche Politik des Senats schlägt sich in der besonderen Unzufriedenheit der Berliner Autofahrer nieder", sagt der verkehrspolitische Sprecher der FDP, Henner Schmidt, und fordert, dass der Ausbau der Stadtautobahn A 100 sowie der Tangentialverbindung Ost vorangetrieben werden muss.

ADAC-Experte Becker formuliert es etwas diplomatischer: Es sei bedenklich, dass das geplante Mobilitätsgesetzes dem Autoverkehr kaum Aufmerksam widme. In dem Gesetz, das wohl nicht wie geplant noch in diesem Jahr, sondern erst im Frühjahr verabschiedet wird, gibt es kein eigenes Kapitel für den Autoverkehr.

Der sei bereits in der Straßenverkehrsordnung, im Berliner Straßengesetz und in bundesweit geltenden Richtlinien geregelt, lautet die Begründung der Verkehrsverwaltung. Vielmehr sollen Rad- und öffentlicher Nahverkehr gefördert werden, damit mehr Einwohner auf diese umweltfreundlichen Verkehrsmittel umsteigen.

Auch Radfahrer sind nicht zufrieden

Mit dem Status quo sind aber auch die Radfahrer nicht glücklich, sie sind hinter den Autofahrern am unzufriedensten. Sie ärgern sich vor allem über Zustand und Breite der Radwege. Auch bei den Fußgängern landet Berlin im Bundesvergleich auf den hinteren Plätzen. Etwas besser sieht es beim öffentlichen Nahverkehr aus, wo immerhin Platz neun herausspringt.

"Die Stimmung im Verkehr ist gereizt", resümiert Becker und bestätigt damit alle jene, die immer öfter von einem "Krieg" auf den Straßen sprechen. Am deutlichsten spiegelt sich die Situation in diesem Umfrageergebnis wieder: Am meisten ärgern sich die Autofahrer und Fußgänger über das Verhalten der Radfahrer. Und umgekehrt genauso.

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