Kriminalität

Jugendgewalt ist in Berlin wieder gestiegen

Die Jugendgewalt ist in Berlin wieder leicht angestiegen. Einen deutlichen Anteil daran haben junge Flüchtlinge und Einwanderer.

Die Jugendgewalt steigt wieder

Die Jugendgewalt steigt wieder

Foto: MARTIN RUETSCHI / KEYSTONE

Berlin. Seit 2007 war die Jugendgewalt in Berlin zurückgegangen - 2016 ist sie wieder leicht angestiegen. Die Zahlen der Gewalttaten wie Körperverletzungen sowie der Verdächtigen nahmen etwas zu. Einen deutlichen Anteil daran haben junge Flüchtlinge und Einwanderer. Das zeigt der vierte Jahresbericht der Arbeitsstelle Jugendgewaltprävention, der am Dienstag bei einer Tagung vorgestellt wurde. Die meisten der Gewalttaten waren allerdings leichte Körperverletzungen, schwere Taten kamen nur in der Minderzahl vor.

Von 8892 Verdächtigen im Alter zwischen 8 und 21 Jahren waren 4467 Deutsche, 1638 Deutsche mit Migrationshintergrund und 2464 nichtdeutsche junge Menschen. Außerdem gab es rund 300 Verdächtige mit unklarer Herkunft. Die Zahl der nichtdeutschen Verdächtigen lag 2015 noch bei 1851 und stieg dann deutlich auf den Wert von 2464.

Zahl der Gewalttaten von jungen Flüchtlingen auffällig

In dem Bericht wurde auch die Gruppe der jungen Verdächtigen mit unsicherem Aufenthaltsstatus, also vor allem der Asylbewerber, thematisiert. Bei dieser Untergruppe hat sich nach den vorliegenden Daten die Zahl von 2015 (392) auf 2016 (817) mehr als verdoppelt.

Berlins gefährliche Orte: Der Alexanderplatz

Serie Berlins Orte höchster Kriminalität: Wie sicher ist der Alexanderplatz? Als Konsequenz des Gewaltexzesses und der gestiegenen Kriminalität wurde die Polizeipräsenz am Alexanderplatz verstärkt. Wir fragten Passanten ob Videoüberwachung hilft?
Berlins gefährliche Orte: Der Alexanderplatz

Innen-Staatssekretär Christian Gaebler (SPD), der auch die Berliner Landeskommission gegen Gewalt leitet, sagte, es sei unklar, ob es bei dem leichten Anstieg um eine Trendwende oder nur eine Schwankung gehe. Es handle sich aber „immer noch um eine erschreckend hohe Zahl“ jugendlicher Gewalttäter. Besorgniserregend sei auch, dass die ausgeübte Gewalt stärker werde, weil offenbar die Hemmschwellen sänken. Zudem seien rund 500 sogenannte Intensiv- oder Mehrfachtäter mit mehr als 10 Straftaten in Berlin registriert.

Mit Blick auf die auffallend vielen Gewalttaten von jungen Flüchtlingen und Einwanderern sagte Gaebler, Gründe könnten „archaische Vorstellungen von Ehre“ und die „hohe Akzeptanz von Gewalt in der Gesellschaft“ sein. Bei den zahlreichen Präventionsmaßnahmen müsste man diese Gruppe besonders im Blick haben, empfahlen auch die Autoren des Berichts. Es gebe einen „besonderen Bedarf an Handlungsstrategien“.

Gewalt an Schulen steigt erheblich

Auch von den Schulen werden mehr Angriffe, Bedrohungen, Beleidigungen und ähnliche Taten gemeldet. Die Zahlen seien „ganz erheblich angestiegen“: Von 2061 im Jahr 2014 auf 3377 Fälle im vergangenen Jahr.

Die Jugendgewalt ist völlig unterschiedlich auf die Bezirke verteilt. Hohe Zahlen haben Mitte, Marzahn-Hellersdorf, Reinickendorf und Spandau. Im Mittelfeld liegen Neukölln, Friedrichshain-Kreuzberg, Lichtenberg und Tempelhof-Schöneberg. Meist sind es aber bestimmte Viertel, die auffällig sind: Hochhaussiedlungen am Stadtrand, Partymeilen und große Umsteigebahnhöfe. Genannt werden bei den 35 Problemgebieten etwa Hellersdorf Nord, Tiergarten Süd, Kurfürstendamm, Marzahn Nord, Hellersdorf Ost, Charlottenburg Nord und der Alexanderplatz.

Mehr zum Thema:

Alexanderplatz: Kinder attackieren die Polizei

Jetzt gehen am Alexanderplatz schon Kinder aufeinander los

Die Zahl schwerer Straftaten am Alexanderplatz steigt

Junge Flüchtlinge sollen am Alex ihre "Freizeit gestalten"

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.