Prozessauftakt

U-Bahn-Schubser vom Alex gesteht - und soll in Psychiatrie

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 Michael Mielke
Der 39-Jährige bei der Gewalttat im Juni im U-Bahnhof Alexanderplatz

Der 39-Jährige bei der Gewalttat im Juni im U-Bahnhof Alexanderplatz

Foto: ---- / dpa

Ein Mann soll einen Passanten im U-Bahnhof Alexanderplatz von hinten eine Treppe hinuntergestoßen haben. Nun begann der Prozess.

Berlin. Igor B. ist psychisch krank und offenbar schwer einzuschätzen. Mehrfach attestierten Experten, dass er medikamentös eingestellt und deswegen nicht mehr gefährlich sei. Mehrfach irrten sie sich.

Seit Montag überprüft eine Moabiter Strafkammer, ob der 39-Jährige dauerhaft in den Maßregelvollzug (Gefängnispsychiatrie) eingewiesen werden muss. Es ist ein sogenanntes Sicherungsverfahren. Igor B. beging im Zustand der Schuldunfähigkeit mehrere Gewaltstraftaten. Die schwerste ereignete sich am 11. Juni 2017 im U-Bahnhof Alexanderplatz.

Gegen 1.45 Uhr gab Igor B. einem arglosen Passanten auf einer U-Bahntreppe einen wuchtigen Stoß in den Rücken. Der 38-Jährige stürzte 14 Stufen herunter, stieß dabei mehrfach gegen ein Eisengeländer, erlitt eine schwere Kopfverletzung und zahlreiche Prellungen.

Angeklagter hat langes Strafregister

Igor B. wurde zwei Tage später festgenommen. Wie schon bei ähnlichen Fällen standen die Aufzeichnungen von Überwachungskameras zur Verfügung. Vor Gericht kann sich der kräftig wirkende Mann an die Tat auch noch erinnern. „Der ist mir ein bisschen nahe gekommen, da wurde ich aggressiv wegen der Drogen“, sagte er.

Die anderen Taten spielten sich im Mai 2016 ab. Igor B. schlug mehrfach grundlos Passanten mit der Faust. Am 10. Juli 2016 lief er morgens nackt auf der Moabiter Turmstraße. Er habe ihn nur gemustert, sagte am Montag ein Zeuge. Das war für Igor B. Grund genug, zu versuchen, auf den 70-Jährigen einzuschlagen. Kurze Zeit darauf attackierte er ein älteres Ehepaar, das an einer Bushaltestelle stand. Der Mann versuchte, seine Frau zu schützen und wurde niedergeschlagen. Auch die Frau, von einem Faustschlag am Ohr getroffen, ging zu Boden. Anwohner alarmierten die Polizei. Die Beamten hatten große Mühe, Igor B. festzuhalten. Sogar Pfefferspray blieb auf den unter Drogen stehenden Igor B. ohne Wirkung. Es gelang ihm sogar noch, einem Beamten die Dienstwaffe zu entreißen, anschließend schoss er sich selbst in den Bauch.

Igor B. kam zunächst in Gewahrsam, wurde aber wenig später wieder auf freien Fuß gesetzt. Eine Psychiaterin hatte festgestellt, dass von ihm „keine Selbst- oder Fremdgefährdung“ zu erwarten sei. Das Sicherungsverfahren wird am 24. November fortgesetzt.

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