Bahnhöfe in Berlin

Die Berliner S-Bahn kapituliert vor den Rauchern

Weitere Berliner Bahnhöfe sollen Raucherinseln bekommen - weil Kontrollen und Verbote laut S-Bahn nicht wirken.

Das Rauchverbot an Berliner S-Bahnhöfen wird weiter aufgeweicht

Das Rauchverbot an Berliner S-Bahnhöfen wird weiter aufgeweicht

Foto: pa

Berlin. Die Berliner S-Bahn will weitere Raucherinseln auf ihren Bahnhöfen einrichten. Bahn-Sprecher Burkhard Ahlert sagte der Berliner Morgenpost, dass es bald auf insgesamt 51 S-Bahnhöfen Inseln für Raucher geben soll. „Allerdings am Ende der Bahnsteige, wo die Rauchschwaden niemanden stören“, so Ahlert. „Und nur auf Freiluftbahnhöfen, keinesfalls aber in den Nord-Süd-Tunnelbahnhöfen.“

Im Frühjahr 2016 hatte die S-Bahn einen Test gestartet und auf elf Bahnhöfen, darunter Hermannstraße, Tempelhof, Wannsee und Westkreuz, Raucherinseln eingerichtet. Der Test sei erfolgreich gewesen, so Ahlert. „Es gab deutlich weniger Beschwerden von nichtrauchenden Fahrgästen.“

Deshalb wolle man im Laufe des kommenden Jahres 40 weitere S-Bahnhöfe mit Raucherbereichen ausstatten. „Vorgesehen sind Bahnhöfe von Ahrensfelde bis Zehlendorf“, sagte Ahlert. Er betonte zugleich, dass das Rauchverbot auf übrigen Bahnsteigbereichen bestehen bleibt. „Das werden wir auch künftig durchsetzen und Verstöße dagegen mit Bußgeld bestrafen.“ 2016 habe es 3700 Bußgeldfälle gegeben. In diesem Jahr seien es bislang ebenso viele Fälle. 15 Euro werden fällig, wenn jemand beim Rauchen auf dem Bahnsteig ertappt wird, es sei denn, er nutzt eine Raucherinsel.

„Wir werden auch weiterhin kontrollieren, ob sich unsere Fahrgäste an dieses Gebot halten“, sagte Ahlert. Im kommenden Jahr werde es sogar noch mehr Kontrollen geben. Das Sicherheitspersonal kontrolliere das Einhalten des Rauchverbots. „Unsere Mitarbeiter sind mit einem mobilen Terminal ausgerüstet, sodass sie vor Ort Bußgeldbescheide ausstellen können.“ Die neuen Raucherinseln sollen farblich markiert und mit einem großen Aschenbecher ausgestattet werden. Außerdem soll es eine entsprechende Ausschilderung auf den Bahnhöfen geben. Mit dieser Reglung, so Bahn-Sprecher Ahlert, wolle man beiden Gruppen entgegenkommen. „Wir wollen die Nichtraucher schützen, die Raucher aber nicht bevormunden.“

Pro Rauchfrei e.V. sieht die Sache anders. Sprecher Siegfried Ermer sagte der Berliner Morgenpost: „Es ist ein Skandal, dass die Hauptstadt Deutschlands nicht einmal beim Nichtraucherschutz in der Lage ist, für Gesetz und Ordnung zu sorgen, während dies in anderen Städten wie München oder in vielen europäischen Metropolen, wie Paris und London funktioniert.“ Er fordert strenge Kontrollen mit spürbaren Bußgeldern , etwa 100 Euro, je Erstverstoß.

Gefährlicher Vandalismus im Gleisbett
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