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Mehr Gewalt gegen Polizeibeamte in Berlin

Ein interner Bericht zeigt: Beamte werden häufig attackiert – besonders an der Hermannstraße in Neukölln.

Polizisten werden immer häufiger Opfer von Gewalt

Polizisten werden immer häufiger Opfer von Gewalt

Foto: dpa Picture-Alliance / Carsten Rehder / picture alliance / dpa

Berlin. An vielen kriminalitätsbelasteten Orten werden Polizisten immer häufiger Opfer von Gewalt. Die Zahlen liegen deutlich über denen des Vorjahres. Das geht aus einem internen Lagebericht der Direktion 5 hervor, die für die Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln zuständig ist.

Vor allem am Görlitzer Park, dem Kottbusser Tor und der Warschauer Brücke gingen die Zahlen nach oben. Intern werden diese drei Orte wegen ihrer vielen Straftaten als "Achse des Bösen" bezeichnet. Auch an der Hermannstraße ging die Zahl der Angriffe rasant nach oben. Das Lagebild zeigt aber auch, dass sich der massive Einsatz der Polizei zu lohnen scheint. In vielen Bereichen gehen die Fallzahlen für Raub, Taschendiebstahl, Drogendelikte und Körperverletzungen zurück.

Gewalt gegen Polizisten

Im Görlitzer Park stiegen die Zahlen in diesem Jahr (Stand 13.11.) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 30 auf 51 und damit um 70 Prozent, an der Warschauer Brücke von 23 auf 31 (35 Prozent) und am Kottbusser Tor von 40 auf 46 (15 Prozent). Den stärksten Anstieg gab es allerdings an der Hermannstraße. Dort stieg die Fallzahl von 18 auf 40 und damit um 122 Prozent. Zurück gingen die Zahlen hingegen an der Rigaer Straße von 29 auf 14 (-52 Prozent) und am Hermannplatz von 17 auf 16 (-6 Prozent). Das spiegelt sich auch in den erfassten Körperverletzungen wieder, die sich nicht nur gegen Polizisten, sondern auch gegen unbeteiligte Dritte richteten. Bis auf den Bereich am Kottbusser Tor stiegen oder stagnierten die Zahlen an allen Orten.

Rückgang bei Straftaten

Die gestiegenen Zahlen von Gewalt gegen Polizisten hängen aber auch direkt mit dem Druck zusammen, der durch eine steigende Anzahl von Polizeikontrollen entsteht. Das heißt: Wo mehr Personen überprüft werden, kann die Situation auch schneller eskalieren. Die Statistik scheint der Polizei mit ihrer Taktik aber auch Recht zu geben. So gingen im Görlitzer Park etwa die Raubtaten um 40 Prozent zurück, der Taschendiebstahl um 53 Prozent. Ähnlich sieht es an den anderen gefährlichen Orten aus. Auch an der Wahrschauer Brücke (-42 Prozent), am Kottbusser Tor (-41 Prozent), am Hermannplatz (-25 Prozent) und an der Hermannstraße (-39 Prozent) gingen die Taschendiebstähle massiv zurück. Ein Trend, der sich bereits im vergangenen Jahr andeutete, setzt sich damit fort. Ähnlich sieht es beim Raub aus. Auch hier gingen bis auf den Bereich Hermannplatz die Zahlen an allen gefährlichen Orten im Bereich der Direktion 5 zurück.

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Mit der Flasche bedroht

Statistiken zeigen aber nur ungenügend, was die Beamten jeden Tag auf der Straße erleben. Eine dieser Geschichten, die in der Direktion 5 gerade die Runde macht, ereignete sich am vergangenen Sonntag an der Sonnenallee. Polizisten wollten dort eine Personengruppe kontrollieren, weil es rund um den Hermannplatz zu mehreren Schlägereien gekommen war. Sie hatten die jungen Männer dabei beobachtet, wie sie ihre Unterarme bandagierten und offenbar weitere Attacken planten.

Als die Beamten einschritten, wurden sie von einem 32 Jahre alten Syrer attackiert. Es gelang ihnen dennoch, den jungen Mann zu fixieren. In seiner Hosentasche fanden sie ein Cuttermesser mit Blutanhaftungen. Sie nahmen die Personalien des jungen Mannes auf und sprachen einen Platzverweis aus.

Nur wenige Minuten später trafen die Beamten nur ein paar Straßen weiter laut Einsatzprotokoll auf denselben jungen Mann. Sie sahen wie er mit einer Glasflasche und bandagierten Armen eine Person in einem Lokal bedrohte. Als der 32-Jährige die Polizisten sah, bedroht er sie mit der Flasche in der Hand erneut. Erst als ein Beamter seine Waffe zog, ließ der junge Mann von seiner Handlung ab. Die Beamten nahmen ihn erneut fest – ließen ihn aber nicht sofort wieder laufen, sondern nahmen ihn mit auf die Gefangenensammelstelle am Tempelhofer Damm.

Warnung vor Abzug der Polizisten

"Überall dort, wo die Polizei präsent ist, treffen wir auch auf Leute, die sich nicht auf die Polizei freuen", sagte der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Benjamin Jendro. Die Statistik aus der Direktion 5 zeige Licht und Schatten. "Der Rückgang an Delikten in vielen Bereichen ist vor allem das Resultat konzentrierter Polizeiarbeit", sagte Jendro. Allerdings betrachte man mit Sorge, dass, wie am Kleinen Tiergarten, Kräfte aufgrund positiver Fallzahlentwicklungen abgezogen werden. "Dann kommt die Kriminalität zurück", so Jendro.

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