Prozess in Berlin

Rockermord - Polizistin will Aussage verweigern

Die LKA-Beamtin soll gewusst haben, dass die Hells Angels den Aufenthaltsort eines Mannes kannten, an dem sie sich rächen wollten.

Ein Angeklagter sitzt im Kriminalgericht auf der Anklagebank

Ein Angeklagter sitzt im Kriminalgericht auf der Anklagebank

Foto: dpa

Der schon seit drei Jahren im Moabiter Kriminalgericht laufende Prozess gegen den Rockerboss Kadir Padir sorgt immer wieder für Überraschungen. Aktuell geht es um eine Beamtin des Landeskriminalamtes, die vor Gericht nicht aussagen will. Justizsprecherin Lisa Jani hat der Berliner Morgenpost bestätigt, dass der Anwalt der Oberkommissarin dem Schwurgericht am vergangenen Freitag ein Fax zukommen ließ, in dem er erklärte, dass seine Mandantin ein Aussageverweigerungsrecht habe und davon auch Gebrauch machen wolle.

In dem Prozess geht es um Mord im Rockermilieu, der sich am 10. Januar 2014 in einem Wettbüro in Reinickendorf abgespielt hatte. Es gab damals Hinweise, dass die Rockervereinigung Hells Angels einen Racheakt gegen den später erschossenen Tahir Özbek plante, weil dieser zwei Hells Angels mit einem Messer niedergestochen haben soll. Das LKA hatte von den Racheplänen gewusst und dennoch nicht reagiert.

Information offenbar nicht weitergegeben

Einem Bericht von "Spiegel Online" zufolge soll die Oberkommissarin drei Tage vor dem Mord durch abgehörte Telefonate erfahren haben, dass sich Özbek in Reinickendorf aufhielt und die Hells Angels davon wussten. Es gebe in den Akten jedoch keinen Vermerk, nach dem die Beamtin darüber ihren Vorgesetzten informiert habe. Interne Ermittlungen gegen die Oberkommissarin sollen erfolglos geblieben sein.

Wie das Gericht ein eventuelles Aussageverweigerungsrecht der Beamtin einschätzt, ist bislang offen. Die Zeugenaussage der Beamtin, so Sprecherin Jani, sei derzeit aber noch für den 23. November geplant.

Auftakt in einem neuen Prozess gegen Hells Angel

Gegen einen der Angeklagten aus dem bislang größten Verfahren gegen Rocker der Hells Angels in Berlin hat der Prozess am Dienstag neu begonnen.

Der 34-Jährige, der fast drei Jahre als einer von elf Verdächtigen vor dem Landgericht saß, war im Sommer 2017 wegen gesundheitlicher Probleme nicht verhandlungsfähig. Sein Verfahren wurde deshalb abgetrennt und nun neu aufgerollt. Seine Anwälte stellten zu Prozessbeginn Befangenheitsanträge gegen die drei Berufsrichter und eine Schöffin. Die Entscheidungen darüber stehen noch aus.

Der Angeklagte soll Mitglied der Hells Angels gewesen sein und muss sich wegen gemeinschaftlichen Mordes verantworten. Er soll im Januar 2014 an der Tötung des 26 Jahre alten Özbek beteiligt gewesen sein. Den Ermittlungen zufolge gehörte er zu den vermummten Männern, die damals in das Reinickendorfer Wettspielcafé marschierten. Der Mann an der Spitze des Trupps feuerte ohne Vorwarnung auf das Opfer.

Der erste Prozess begann am 4. November 2014. Beide Verhandlungen laufen nun parallel vor der 15. Großen Strafkammer des Landgerichts. Die Verhandlung gegen den 34-Jährigen geht am 13. November weiter.

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