Sicherheit

Polizei für generelles Alkoholverbot bei Hertha-Heimspielen

Der Innenausschuss arbeitet die Ausschreitungen vom Februar auf. Die Polizei wünscht sich einen Alkoholverzicht der Fans.

Fussball Bundesliga Berlin 19.08.2017 Olympiastadion Berlin Saison 2017 / 2018 Erster Spieltag Hertha BSC geg VfB Stuttgart 2 : 0 HERTHA FAN BLOCK OSTRIBUENE CHOREOGRAPHIE Football Bundesliga Berlin 19 08 2017 Olympic Stadium Berlin Season 2017 2018 first Matchday Hertha BSC geg VfB Stuttgart 2 0 Hertha supporter Block Choreography

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Foto: imago sport / imago/Camera 4

Berlin. Die Berliner Polizeiführung würde ein Alkoholverbot bei allen Heimspielen von Hertha BSC begrüßen. Das kam bei einer Sitzung des Innenausschusses zur Aufarbeitung der Ausschreitungen Anfang dieses Jahres in Moabit zwischen Anhängern von Eintracht Frankfurt und Hertha BSC zum Ausdruck. Damals hatten sich Hooligan-Gruppierungen beider Mannschaften vor der Partie eine Straßenschlacht geliefert.

Generell wäre es von Vorteil, wenn es eine Anordnung gäbe, die Alkohol auf dem Stadiongelände vor und während aller Heimspiele verbieten würde, sagte Einsatzleiterin Anja Röder von der Polizeidirektion 2. Bislang gibt es ein Alkoholverbot nur bei Risikospielen und Partien der Europa-League. Auch das Spiel gegen Eintracht Frankfurt im Februar dieses Jahres war ein solches Risikospiel, bei dem es keinen Alkohol gab.

"Derzeit gibt es keine Überlegungen, die gültige Handhabung zu verändern"

Doch die Kritik der Berliner Polizeiführung kommt nicht von ungefähr. Tatsächlich gibt es zum Thema Alkohol in Stadien Sicherheitsrichtlinien des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), die den Verkauf und die öffentliche Abgabe von alkoholischen Getränken grundsätzlich untersagen. Nur mit ausdrücklicher Einwilligung der Sicherheitsorgane und der zuständigen Polizeibehörde kann alkoholreduziertes Bier ausgeschenkt werden. In der Realität ist aus der Ausnahme aber inzwischen die Regel geworden. "Das ärgert mich persönlich", sagte Röder im Innenausschuss. Man würde es begrüßen, wenn der DFB aus der Richtlinie eine bindende Anordnung machen würde.

Bei Hertha BSC stößt das auf Ablehnung. "Derzeit gibt es keine Überlegungen, die gültige Handhabung zu verändern. Das bedeutet, dass wir auch weiterhin alle Ausnahmegenehmigungen mit der Polizei besprechen", sagte Thomas E. Herrich, Mitglied der Hertha-Geschäftsleitung.

Polizei wurde von den Ausschreitungen überrascht

Die Berliner Polizeiführung gab auch weitere Details zu der Massenschlägerei in Moabit bekannt. Damals hatten 200 Eintracht-Hooligans einen Hertha-Fantreff angegriffen. Insgesamt waren 88 Anhänger beider Mannschaften festgesetzt worden, darunter 65 Frankfurter. "Wir wurden von den Ausschreitungen überrascht", sagte Röder, die den Einsatz damals leitete. Die Sicherheitsbehörden hätten im Vorfeld keinerlei Erkenntnisse gehabt, dass es zu Auseinandersetzungen kommen könnte. In der Vergangenheit war es in Frankfurt zu ähnlichen Schlägereien gekommen. Die Attacke in Berlin war wohl eine Vergeltungsaktion.

Der Spielbeginn war damals auf 18.30 Uhr festgelegt worden. Beamte der Direktion 3 meldeten bereits um 12.45 Uhr 80 bis 100 mit Eisenstangen bewaffnete und vermummte Personen, die über die Perleberger Straße in Richtung Beusselstraße unterwegs waren. In der Beusselstraße befindet sich ein Hertha-Treff. Die Polizei folgte den Personen und wurde unmittelbar Zeuge der Massenschlägerei. Bereits um 12.57 Uhr wurde über Funk um Unterstützung gebeten. "Unsere Abschnittskräfte waren innerhalb kürzester Zeit in Bedrängnis geraten", sagt Röder. Ein Polizeiführer berichtete, dass 50 Hooligans auf die Polizisten losgehen wollten. Als die Beamten ihre Schusswaffen zogen, ließen die Hooligans von ihrem Plan ab. Bei der Massenschlägerei wurden damals sechs Personen verletzt.

Nun erwartet die Polizeiführung das nächste Heimspiel gegen Frankfurt

Alle Festgenommenen erhielten für den Tag ein Stadion-Hausverbot. Allerdings scheiterte die Vorführung bei einem Ermittlungsrichter aufgrund einer Kommunikationspanne, wie sich jetzt beim Innenausschuss herausstellte. Für einen Unterbindungsgewahrsam hätten die Fans einzeln vorgeführt werden müssen – logistisch und zeitlich ein enormer Aufwand, den die Polizei aber auf sich genommen hätte. Allerdings kam bei der Polizei damals an, dass der Ermittlungsrichter ein Gewahrsam generell ablehnen würde. Die Polizei entschied sich daraufhin kurzerhand, die 65 Frankfurt-Fans zum Stadion zu begleiteten und in einer Hertha-Kneipe am Olympiastadion unterzubringen, wo sie das Spiel unter Polizeibegleitung schauen durften.

Die Frankfurter verließen die Kneipe sehr zum Verdruss des Wirtes erst nach Mitternacht. Der Grund war, dass ein Frankfurt-Banner von der Polizei konfisziert wurde, aber nicht mehr auffindbar war. Inzwischen wurde dieses Banner an die Fans wieder zurückgegeben. Nun erwartet die Polizeiführung mit Spannung das nächste Hertha-Heimspiel gegen Frankfurt am 3. Dezember, welches auch wieder als Risikospiel eingestuft wurde. Wenn man in die Statistik schaut, ist das allerdings eine Ausnahme. Von 181 Fußballspielen der Saison 2016/17 mit Polizeieinsatz seien mehr als 100 störungsfrei verlaufen, bei 34 habe es nennenswerte Vorkommnisse gegeben. 79 Menschen wurden verletzt, darunter 27 Einsatzkräfte. In der vergangenen Saison kamen aber auch rund 17.500 Polizisten bei sportlichen Großveranstaltungen auf über 116.000 Einsatzstunden – ein Plus von sechs Prozent zur Vorsaison.

Hier ist die zweite Folge unseres Immer-Hertha-Podcasts

"Immer Hertha - Der Podcast" - Teil 2 hat Nachspielzeit

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