Berlin

Umstrittenes Bus-Mahnmal steht vor dem Brandenburger Tor

In Berlins Mitte stehen seit Freitag drei aufgerichtete Busse aus Aleppo. Sie erinnern an Kriegsopfer.

„Monument“ heißt

„Monument“ heißt

Foto: Reto Klar

Bedrohlich ragen sie in den Himmel, recken ihre Unterseite der Straße des 17. Juni entgegen. Die ist schwarz vom Ruß und Schmutz der Straße, eine treffende Analogie: Man könnte es auch als Spuren eines Brandes umdeuten, entstanden in der Hölle Aleppos. Denn dafür sollen sie stehen, die drei senkrecht aufgerichteten Busse, die in Dresden im Frühjahr bereits für Diskussionen sorgten. Seit Freitag Mittag erheben sie sich vor dem Brandenburger Tor. „Monument“ heißt die Installation des deutsch-syrischen Künstlers Manaf Halbouni schlicht. Verantwortlich ist das Gorki-Theater, das die drei Fahrzeuge im Rahmen des Berliner Herbstsalons ausstellt.

Sie sollen ein Mahnmal sein für Frieden und Solidarität mit Kriegsopfern aus aller Welt, indem sie „stumm in das öffentliche Leben der Stadt ragen“, so heißt es in einer Pressemitteilung des Gorki-Theaters. Im Krieg um Aleppo bauten Zivilisten aus drei Buswracks eine Barrikade, um sich vor Heckschützen zu schützen. Die drei Busse vor dem Brandenburger Tor sind allerdings ausrangierte Linienbusse aus Deutschland, die der Künstler bei einem Gebrauchtwagenhändler erworben hat.

Frieden ist nicht selbstverständlich

„Ich kann mir kaum einen besseren Ort für das Monument von Manaf Halbouni vorstellen, als den Platz des 18. März“, sagt Klaus Lederer (Linke), Senator für Kultur und Europa. Er ist Schirmherr der Kunstaktion. Die Stelle, der die Quadriga den Rücken zuwendet, stehe für freiheitliche demokratische Tradition und friedlich errungene Freiheitsrechte. Der 18. März vereint Freiheitsbestrebungen in der deutschen Geschichte: An diesem Tag schaffte König Friedrich Wilhelm IV. im Zuge der Revolution 1848 die Zensur ab, 1793 wurde die erste deutsche Republik in Mainz ausgerufen, am 18. März 1990 durfte die DDR zum ersten Mal die Volkskammer frei wählen. Das Gorki-Theater hat zum 18. März 1848 noch eine eigene Verbindung: Im Gebäude, in dem sich heute des Theater befindet, arbeitete die Preußische Nationalversammlung 1848 eine erste preussische Verfassung aus. „Das Monument soll uns mahnen, dass all das nicht selbstverständlich ist“, erläutert Lederer die Intention des Kunstwerks.

Fast ein halbes Jahr hatte es gedauert, bis die Genehmigung für die Installation vorlag. Letztendlich erteilte das Bezirksamt Mitte das Sondernutzungsrecht „entsprechend der gesetzlichen Regelungen“, so ein Sprecher. Die Bundeswehr übernahm den Schwertransport der Busse von Dresden nach Berlin. Am Freitagmorgen um 6 Uhr begannen die Aufbauarbeiten: Mithilfe dreier Kräne wurden die Busse hochgewuchtet. Statiker überprüften die Standsicherheit der Stahlgerüste, die die Fahrzeuge fixieren und mit einem Betonfundament verbunden sind. Die ganze Kunstaktion kostet 50.000 Euro, die vom Theater – und damit aus Landesmitteln – bezahlt werden.

In Berlin soll nun die in Dresden begonnene Auseinandersetzung fortgeführt werden. Dort hatten Kritiker den Vorwurf erhoben, es handle sich bei den Bussen um ein „Islamisten-Denkmal“, da die Busse in Syrien vermeintlich von Terroristen zu Propagandazwecken missbraucht wurden. Verschiedene Kriegskorrespondenten bezeugten aber, dass die Barrikaden in Aleppo nicht von Terroristen, sondern von der Zivilbevölkerung errichtet wurden. Im Kassenfoyer des Gorki-Theaters wird eine Auswahl der Reaktionen zu den Bussen in Dresden gezeigt. Viele, so Intendantin Shermin Langhoff, waren positiv. Auf der anderen Seite hätte es aber auch „ekelhafte Begleiterscheinungen“, so Lederer, gegeben, die bis zu Morddrohungen an den Künstler und den Dresdner Bürgermeister reichten. Das „Monument“ wird am Sonnabend um 16.30 Uhr eröffnet – und damit auch der Herbstsalon.

Das Theaterfestival bildet den Rahmen zu der Kunstaktion. Rund 100 Künstler werden sich kritisch mit Konstruktionen von Identität und Einheit auseinandersetzen. Zu der Bus-Skulptur soll es ein Künstlergespräch und ein Bürgerforum geben. Noch bis zum 26. November kann man das monumentale Kunstwerk besichtigen. Senator Lederer wünscht sich, dass die Menschen sich die Zeit nehmen, sich mit der Thematik, an die man sich schon gewöhnt habe, auseinanderzusetzen.

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