Weniger schwere Unfälle

Studie zur Fahrradpolizei zieht positive Bilanz

Die Anzahl schwerer Unfälle im Einsatzgebiet ist zurückgegangen. Die Studie rät zu einer Ausweitung der Radstaffel.

Im Einsatz: Oberkommissarin Andrea Barthels und Hauptkommissar Carsten Baß

Im Einsatz: Oberkommissarin Andrea Barthels und Hauptkommissar Carsten Baß

Foto: Erik Baumgärtel

Polizeihauptkommissar Carsten Baß muss fit sein. Wenn er in die Pedale tritt und Verkehrssünder auf dem Zweirad stellt, scheinen viele überrascht. Der 51-Jährige steht dann in leuchtfarbener Polizeimontur vor ihnen, denn er ist einer von 20 Beamten der Fahrradstaffel der Polizei. Seit 2014 gibt es Deutschlands einzige Polizeieinheit, der ausschließlich als Zweiradteam eingesetzt wird.

Von Anfang an begleitet werden sie dabei von der Unfallforschung der Versicherer. Nach Ende eines dreijährigen Projektzeitraumes (2014 bis 2017), stellte die Forschungsgruppe am Mittwoch die Ergebnisse ihrer Studie vor. Mitarbeiter befragten an den drei Unfallschwerpunkten, jeweils in Mitte und Neukölln, den beiden Einsatzbezirken der Fahrrad-Beamten, verschiedene Verkehrsteilnehmer. Vor allem Ecken, an denen es immer wieder schwere Unfälle mit Radfahrern gibt, standen im Mittelpunkt. Insgesamt wurden 640 Verkehrsteilnehmer befragt und das Verhalten von etwa 20.000 Radfahrern beobachtet. Während des Untersuchungszeitraums nahm die Fahrradstaffel knapp 54.000 Ordnungswidrigkeiten auf. Die Forschungsgruppe stelle fest, dass die Beamten sich keineswegs auf Radfahrer fokussierten, sondern auf alle Verkehrsteilnehmer. Spitzenreiter der Ordnungswidrigkeiten bei Autofahrern war dabei der ruhende Verkehr, also Parken auf dem Fahrradweg oder in zweiter Reihe. Bei den Radfahrern fielen viele Verstöße gegen das Halten an roten Ampeln auf.

Außerdem haben die Forscher zwei Ergebnisse verglichen: Zahlen von Unfällen und Ordnungswidrigkeiten 2011 bis 2014 – als es die Fahrradstaffel noch nicht gab – und von 2014 bis 2017. Positivstes Ergebnis: Unfälle mit schweren Personenschaden sind in Neukölln um 7,7 Prozent und in Mitte sogar um 12,4 Prozent zurückgegangen. Insgesamt hat sich die Zahl der Unfälle in diesen beiden Bezirken in den vergangenen drei Jahren zwar nicht verringert, aber schwere Unfälle mit Beteiligung von Radfahrern haben sich fast halbiert.

Auf Streife mit der Fahrradstaffel

Aus Sicht der Radpolizei geht es bei ihrem Einsatz weniger um Bestrafung, sondern um Aufklärung und Prävention. So wurden 70 Prozent der Verstöße geahndet, in 30 Prozent der Falle blieb es bei einer Ermahnung. Aus Sicht der Forschungsgruppe sei durch den Einsatz nicht nur das Verständnis für Verkehrsicherheit unter den Berlinern gestiegen, sondern auch die Akzeptanz der Fahrradstaffel. So lag zu Beginn des Einsatzes die Zustimmung bei 43 Prozent, mittlerweile ist sie laut Studie auf 70 Prozent gestiegen. Den Grund höherer Akzeptanz glaubt Oberkommissarin Andrea Barthels, die Leiterin der Fahrradstaffel, zu kennen: „Auf einem Fahrrad sind wir als Polizei für die Leute näher und direkt ansprechbar.“

Studienleiter Siegfried Brockmann fordert nun einen raschen Ausbau der Staffel und deren Einsatz auch in anderen Bezirken. Die Polizei will zumindest die Pilot-Staffel als zentrale Einheit weiter bestehen zu lassen. Bis 2019/20 sollen feste Planstellen eingerichtet werden, denn die Beamten sind bislang anderen Dienststellen „entliehen“.

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