Gutachten

Trinkwasser in Dienststellen der Berliner Polizei belastet

Tiefbraune Brühe statt Trinkwasser, erhöhte Bleiwerte, kranke Polizisten: Die Zustände in einigen Dienstellen sind laut GdP dramatisch.

Verschmutztes Trinkwasser bei der Polizei in der Friesenstraße

Verschmutztes Trinkwasser bei der Polizei in der Friesenstraße

Foto: GdP

Berlin. Am Mittwoch veröffentlichte die Gewerkschaft der Polizei (GdP) ein Gutachten über verunreinigtes Trinkwasser in den Dienststellen der Berliner Polizei. So fließe etwa im Gebäude der Polizeidirektion 5, Friesenstraße 16 in Kreuzberg, aus jedem Wasserhahn tiefbraunes Wasser – ein Zustand, über den sich die Beamten angeblich bereits seit Jahren beklagen.

Erschwerend hinzu kommt, dass Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) als auch Polizeipräsident Klaus Kandt und Vizechefin Margarete Koppers nicht nur alle Personalvertretungen nach Trinkwasseruntersuchungen über die Ergebnisse im Unklaren gelassen haben sollen, sondern auch behauptet hätten, alles sei unbedenklich. Die GdP sieht darin den Versuch, "unsere Kolleginnen und Kollegen für doof zu verkaufen". Die Fürsorgepflicht werde mit Füßen getreten, heißt es weiter.

Polizeibeamte an Legionellen erkrankt

Das Problem sei "extrem drastisch", meint Benjamin Jendro, Sprecher der GdP. So sehr, dass der Personalrat der Polizei letztlich selbst "unter Zeugen" eine Wasserprobe entnommen und zur Analyse den Berliner Wasserbetrieben übergeben hat.

Das Ergebnis: Die Grenzwerte für Blei sind um ein 46-Faches, für Eisen um ein 195-Faches und für Mangan um ein 6,8-Faches überschritten. Nach Informationen der Berliner Morgenpost waren außerdem bereits einzelne Polizeibeamte an Legionellen erkrankt. "Ein hausgemachtes Problem", sagt Jendro, denn der marode Zustand vieler Gebäude des öffentlichen Dienstes ist seit Langem bekannt.

Der Sanierungsstau belaufe sich bei der Polizei auf eine Milliarde Euro. Der Senat stelle jedoch nur 40 Millionen Euro an Mitteln für die nächsten fünf Jahre zur Verfügung , kritisiert Jendro.

Jendros Kollege, das GdP-Vorstandsmitglied Stephan Kelm, wird noch deutlicher: Wenn nicht unverzüglich gehandelt werde, "dann offenbart sich eine schwerwiegende Untauglichkeit auf oberster Ebene". Eine deutliche Spitze in Richtung Innensenator Geisel, Polizeipräsident Kandt und Vizepräsidentin Koppers.

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