Wohnungsmangel

Studie: Vielen Berliner Senioren sind ihre Wohnungen zu groß

Könnten Senioren in kleinere Wohnungen ziehen, würden über 200.000 große Wohnungen in Berlin frei. Die werden händeringend gesucht.

Viele Senioren würden gerne in kleineren Wohnungen leben (Archiv)

Viele Senioren würden gerne in kleineren Wohnungen leben (Archiv)

Foto: pa

Berlin. Die gute Nachricht zuerst: Berlins Senioren sind mit ihrer Wohnsituation sehr zufrieden. Die nicht ganz so gute Nachricht: Noch zufriedener wären sie, wenn ihre Wohnung kleiner wäre – im Durchschnitt 23 Quadratmeter. Könnten sie ihrem Wunsch folgen und in eine kleinere Wohnung ziehen, könnten hochgerechnet mehr als 200.000 Wohnungen ab 100 Quadratmeter in Berlin frei werden – Wohnungen, die insbesondere junge Familien in der Hauptstadt dringend brauchen.

Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage zu den Wohnbedürfnissen und -wünschen der älteren Berliner, die das Institut Arbeit und Technik (IAT) und die InWIS Forschung & Beratung GmbH im Auftrag des landeseigenen Immobilienunternehmens Berlinovo durchgeführt hat.

Viele Wohnungen für Ältere nicht problemlos zugänglich

"Wir haben die Studie in Auftrag gegeben, um eine fundierte Grundlage für Investitionsentscheidungen zu haben, um unser bestehendes Angebot für Senioren zu optimieren und mit Projektentwicklungen zu erweitern", sagte Roland Stauber, Sprecher der Berlinovo-Geschäftsführung, am Dienstag. Befragt wurden Menschen ab 50 Jahren, das Durchschnittsalter lag bei 65,5 Jahren. Zudem wolle man auch anderen wohnungs- und sozialwirtschaftlichen Akteuren in Berlin wertvolles Material zur Verfügung stellen.

Laut Studie sind 92 Prozent der Befragten mit ihrer Wohnung zufrieden und hegen keine Umzugsabsichten in den kommenden drei Jahren. Allerdings geben mehr als 40 Prozent der Befragten an, dass ihre Wohnung für ältere Menschen nicht problemlos zugänglich ist. Soweit überhaupt eine Umzugs­absicht besteht, wollen mehr als 80 Prozent der Befragten auf jeden Fall in Berlin und auch in ihrem Kiez bleiben.

Mikroapartments für 335 Euro Monatsmiete

Bei aller generellen Zufriedenheit mit der eigenen Wohnung offenbart jedoch die Gegenüberstellung der momentanen und gewünschten Wohnungsgrößen massive Abweichungen. So gaben gut 60 Prozent der Befragten an, dass sie gern eine geringere Wohnfläche hätten als in ihrer aktuellen Wohnung. Demnach bewohnen Berlins Senioren durchschnittlich eine 90 Quadratmeter große Wohnung, wünschen sich aber 67 Qua­dratmeter. "Es zeigt sich, dass die älteren Berliner im Durchschnitt in 23 Quadratmeter kleineren Wohnungen leben möchten", folgert die Studie.

Erschwert wird der Umzug in eine kleinere Wohnung jedoch durch den Umstand, dass das Angebot insbesondere an preiswerten Wohnungen klein ist und sich der Umzug in eine kleine Wohnung daher für viele Ältere finanziell nicht lohnt. Aktuell zahlen die meisten älteren Berliner durchschnittlich 530 Euro Nettokaltmiete. Zwar sind sie bereit, für ihre Wunschwohnung mit 525 Euro nahezu die gleiche Summe zu zahlen. Doch auf dem Markt sind gut ausgestattete und barrierearme Wohnungen für diesen Preis inzwischen selten.

Berlinovo überlegt, Seniorenwohnungen zu bauen

"Die Berlinovo ist unser Unternehmen für besondere Wohnraumbedarfe", sagte Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD), der zugleich auch Aufsichtsratsvorsitzender des Immobilienunternehmens ist. Neben der Errichtung von Mikroapartments für Studenten und dem Bau von Flüchtlingsunterkünften werde der Aufsichtsrat in den kommenden Monaten entscheiden, ob sich das Unternehmen auch im Bereich preiswerter Seniorenwohnungen engagieren soll. "Die Ergebnisse der Studie legen dies zumindest nahe."

Er gehe deshalb von einem positiven Votum des Aufsichtsrates aus. Bislang, ergänzte Berlinovo-Geschäftsführer Stauber, biete man erst rund 400 Wohnungen unter der Marke "SenioAktiv" an drei Standorten in Berlin an. "Uns ist klar, dass es eine sportliche Herausforderung ist, gerade auch preiswerte Seniorenwohnungen neu zu bauen", sagte Stauber.

Allerdings habe man ja im Bereich studentisches Wohnen bewiesen, dass man deutlich unter dem sonst in Berlin üblichen Marktpreis Apartments anbieten könne. Durchschnittlich koste eine Studentenunterkunft bei der Berlinovo 335 Euro Monatsmiete. "Dasselbe Segment streben wir auch bei den Seniorenwohnungen an", versprach Stauber.

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