Nach offenem Brief

Eurowings weist Vorwürfe um kranke Piloten im Cockpit zurück

Nach der Warnung vor den Arbeitsbedingungen bei Eurowings an die Air-Berlin-Kollegen wird über die Sicherheit diskutiert.

Ein Flugzeug der Eurowings (Archivbild)

Ein Flugzeug der Eurowings (Archivbild)

Foto: Federico Gambarini / dpa

Wegen möglicher Gehaltskürzungen fliegen Piloten der Airline Eurowings Europe offenbar Flugzeuge, obwohl sie krank sind. Das befürchtet zumindest die österreichische Gewerkschaft Vida.

Auslöser ist ein offener Brief, der offenbar von Mitarbeitern von Eurowings Europe verfasst wurde. Darin werden die Kollegen der insolventen Airline Air Berlin davor gewarnt, sich bei Eurowings zu bewerben – das Unternehmen sucht rund 1300 neue Mitarbeiter. Grund für die Warnung sind die Arbeitsbedingungen bei der Station in Palma. „Wenn ein Mitarbeiter der Eurowings Europe Station Palma, sei es Kabine oder Cockpit, krank ist, bekommt er an diesen Tagen kein Geld“, heißt es in dem offenen Brief. Viele würden deshalb trotzdem zum Dienst erscheinen. Die Passagiere erwarte „eine Crew, bei der man nicht sicher davon auszugehen kann, dass niemand krank zum Dienst erscheint“.

Die Gewerkschaft Vida bestätigt, dass die Mitarbeiter trotz Krankheit arbeiten würden. „Dadurch leidet die Sicherheit. Kranke Piloten, die womöglich auch noch unter Medikamenteneinfluss stehen, haben eine schlechtere Reaktionsfähigkeit“, sagte der Vorstand im Fachbereich Luftverkehr, Johannes Schwarcz, der Berliner Morgenpost.

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Eurowings weist darauf hin, man übertreffe die gesetzlichen Vorgaben

Eurowings wies den Vorwurf schlechter Arbeitsbedingungen bei der österreichischen Schwestergesellschaft Eurowings Europe zurück. Es entspreche nicht der Wahrheit, dass die auf der Basis in Palma de Mallorca stationierten Piloten im Krankheitsfall kein Gehalt bekämen, sagte ein Sprecher der Berliner Morgenpost. Tatsächlich würden 60 bis 70 Prozent ausbezahlt und die gesetzlichen Vorgaben für die etwa zwei Dutzend Piloten in Palma sogar übertroffen.

Laut spanischem Arbeitsrecht steht Angestellten in den ersten drei Krankheitstagen überhaupt kein Gehalt zu. Eurowings hingegen zahle 60 bis 70 Prozent. Dass Piloten krank zur Arbeit erscheinen, kann aber auch Eurowings nicht ausschließen. Für die Air-Berlin-Mitarbeiter hat das Problem zunächst keine Relevanz, sie sollen bei Eurowings Europe in München oder Eurowings Deutschland angestellt werden, wo deutsches Arbeitsrecht gilt. Dass sie später aber an eine andere Basis wechseln, ist hingegen möglich.

Kranke Piloten sind offenbar auch bei anderen Airlines ein Thema. Wie der SWR berichtete, arbeiten viele Piloten bei Ryanair freiberuflich und erhalten im Krankheitsfall keinen Lohn. Die Pilotengewerkschaft Cockpit hält das für ein nicht hinnehmbares Sicherheitsrisiko.

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