Neubau

Berlin bekommt ein neues Herzzentrum

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Andreas Abel
Sandfarbene Betonteile und ein Hubschrauberlandeplatz, der über das Dach hinausragt: So könnte das Herzzentrum aussehen  (Simulation)

Sandfarbene Betonteile und ein Hubschrauberlandeplatz, der über das Dach hinausragt: So könnte das Herzzentrum aussehen (Simulation)

Foto: Charité

Die Einrichtung in Wedding soll die Versorgung der Patienten verbessern und die Forschung stärken. 188 Betten stehen zur Verfügung.

Berlin. 2019 soll mit dem Bau einer weiteren medizinischen Leuchtturmeinrichtung in Berlin begonnen werden, dem Universitären Herzzentrum. In dem Neubau auf dem Campus des Virchow-Klinikums in Wedding sollen die herzmedizinischen Einrichtungen der Charité und des Deutschen Herzzentrums Berlin (DHZB) zusammengeführt werden.

Das Gesamtprojekt gliedert sich in zwei Bauabschnitte. Zunächst wird ein Herz-Kreislauf-Zentrum errichtet, in dem die jetzige Kardiologie des Virchow-Klinikums der Charité (CVK) einschließlich einer Erweiterung sowie eine Station der Herzchirurgie des DHZB auf insgesamt rund 9500 Qua­dratmeter Nutzfläche gebündelt werden. In dem Gebäude soll auch die neue Zentrale Notaufnahme des CVK mit etwa 2000 Quadratmeter Nutzfläche untergebracht werden. Auf dem Dach ist ein Landeplatz für Rettungshubschrauber geplant. Nach der aktuellen Finanzplanung sind für diesen Neubau 110 Millionen Euro vorgesehen und bereits gedeckt. Ein Teil der Mittel stammt aus dem Investitionsfonds des Landes Berlin für die wachsende Stadt („Siwa“), 20 Millionen Euro steuert das Herzzentrum aus Eigenmitteln bei. Der erste Bauabschnitt wird voraussichtlich bis 2021 dauern.

Im zweiten Bauabschnitt soll der gesamte aktuelle Bestand des Deutschen Herzzentrums vom Standort Augustenburger Platz 1 an einen neuen Standort verlagert werden. Dazu soll der Neubau des Herz-Kreislauf-Zen­trums durch ein oder mehrere Gebäudeteile mit insgesamt rund 11.500 Quadratmeter Nutzfläche ergänzt werden. Das betrifft vor allem Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie sowie Kardiologie und Chirurgie für Kinder mit angeborenen Herzfehlern. Der Finanzbedarf für den zweiten Abschnitt wird auf etwa 98 Millionen Euro geschätzt.

Pro Jahr fallen in Berlin rund 700 Herz-OPs an

Charité und Herzzentrum sind mehr als nur räumliche Nachbarn in Wedding. So sind etwa klinische Führungspositionen gemeinsam besetzt, DHZB-Chef Volkmar Falk zum Beispiel ist zugleich Direktor einer herzchirurgischen Klinik am Campus Mitte der Charité. Es gibt auch gemeinsame wissenschaftliche Projekte. Bereits 2015 hatten die beiden Institutionen vereinbart, künftig noch enger zusammenzuarbeiten und ihre Expertise im Bereich der Herzmedizin zu bündeln.

Der Plan: Die Leistungen der beiden Partner sollen sich ergänzen und kostenintensive Doppelstrukturen im Bereich der Kardiologie sowie in der Herzchirurgie abgebaut werden. 2016 erkannten die beiden Partner „nach gründlichen Analysen“, dass sich die angestrebten Ziele in den vorhandenen baulichen und rechtlichen Strukturen nicht verwirklichen lassen. Sie beschlossen, nicht nur zu kooperieren, sondern eine wissenschaftliche, klinische, rechtliche und wirtschaftliche Einheit zu schaffen, eben das Universitäre Herzzentrum Berlin. Offiziell heißt diese Fusion „Vollintegration“. 2026 soll dann der Aufbau des Universitären Herzzentrums Berlin (UHZB) unter strategischer Führung der Charité abgeschlossen sein.

Der Senat stimmte dem Plan vor einem Jahr zu, hatte bereits zuvor im Krankenhausplan festgelegt, die herzchirurgische Versorgung im Land Berlin am Herzzentrum zu konzentrieren. Damit würden der Standort für Wissenschaft, Lehre und Krankenversorgung gestärkt, kostenintensive Doppelstrukturen vermieden und Forschungskompetenz ausgebaut, hieß es. Die Landesregierung erwartet ein Zentrum mit internationaler Strahlkraft. Auch die beiden Partner erklärten im Sommer 2016 in einem „Letter of Intent“, „eine herausragende und internationale Spitzenstellung“ Berlins auf dem Gebiet der Herz-Kreislauf-Medizin „und die bestmögliche Versorgung für seine Bürgerinnen und Bürger“ anzustreben.

Bettenzahl wird deutlich erhöht

Im Universitären Herzzentrum sollen 188 Patientenbetten zur Verfügung stehen, 141 in der Kardiologie (Charité) und 47 in der Herzchirurgie (DHZB). Hinzu kommen 18 Betten in der Zentralen Notaufnahme. Das sind insgesamt deutlich mehr als derzeit, allerdings ist auch eine Verlagerung von Kardiologie-Betten vom Charité-Campus Mitte nach Wedding vorgesehen. Der tatsächliche Aufwuchs am UHZB wird mit 57 Betten angegeben, auch um den sogenannten Eigenversorgungsgrad Berlins in der Herzchirurgie zu erhöhen. Der ist im Vergleich etwa zu Hamburg oder Bayern stark unterdurchschnittlich. 32 zusätzliche Betten sollen sicherstellen, künftig allen Berlinern, die sich einer Herz-OP unterziehen müssen, den Eingriff in Berlin zu ermöglichen. Pro Jahr fallen rund 700 solcher Eingriffe an.

Das Universitäre Herzzentrum war am Montagnachmittag auch erneut Tagesordnungspunkt der Sitzung des Baukollegiums in der Stadtentwicklungsverwaltung. Dort ging es vor allem um die Gestaltung des Baukörpers und der Fassade. Die Architekten des Berliner Büros HDR sehen einen kompakten Bau vor, der teilweise sieben, teilweise vier Stockwerke hoch ist. Der Hubschrauberlandeplatz wird wegen rechtlicher Vorgaben aufgeständert und soll etwas über das Dach hinausragen. Die Fassade könnte aus sandfarbenen Betonfertigteilen bestehen, noch ist aber nichts entschieden.