Standesämter

Elf Wochen Warten auf eine Geburtsurkunde

Im Bezirk Mitte dauert die Bearbeitung einer Geburtsurkunde elf Wochen - im Durchschnitt. Senat trifft Sonderregelung.

Wartenummer für die Wartenummer zum Beantragen einer Geburtsurkunde im Standesamt Mitte (Archivaufnahme vom Juni 2017)

Wartenummer für die Wartenummer zum Beantragen einer Geburtsurkunde im Standesamt Mitte (Archivaufnahme vom Juni 2017)

Foto: Uta Keseling

Berlin.  Im Bezirk Mitte müssen Eltern durchschnittlich elf Wochen auf die Geburtsurkunde ihres Kindes warten. Am Standesamt Treptow-Köpenick und Marzahn-Hellersdorf dauert die Bearbeitungszeit hingegen nur ein bis zwei Tage, sofern alle notwendigen Nachweise vorliegen. Am Standesamt Reinickendorf sind es neun bis zehn Werktage, in Steglitz-Zehlendorf ein bis zwei Wochen, in Charlottenburg-Wilmersdorf zehn Tage.

Dies teilte die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie in ihrer, Antwort auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Marcel Luthe mit. Eine Mutter hatte sich an ihn gewandt, berichtet Luthe. Sie wollte Kinder- und Elterngeld beantragen und schilderte ihm eine Behörden-Odyssee: Zuerst hatte sie die Geburtsurkunde ihres Kindes über das Standesamt der Klinik beantragt. Der Kindergeldantrag wurden wegen fehlender Steueridentifikationsnummer abgelehnt. Als die Mutter die Nummer beim Bundeszentralamt erfragen wollte, hieß es dort: Das Kind existiert noch gar nicht. Das läge an der Nichtbearbeitung bei der Meldestelle.

Der Anruf beim Standesamt Mitte blieb erfolglos, es ging niemand ans Telefon. Bei der Servicehotline sei sie beschimpft worden, sie solle sich an die Sprechzeiten halten. Der zweite Anruf habe ebenfalls mit Beschimpfungen geendet. Eine Computerstimme bei der Elternstelle in Mitte teilte ihr mit, dass man derzeit aufgrund der Antragsfülle überlastet sei. Das Bezirksamt Mitte bestätigte laut Senatsverwaltung, dass die Geburtenabteilung des Standesamtes Mitte während der telefonischen Sprechzeiten von 9 bis 10 Uhr von August bis Oktober nicht erreichbar war. „Aufgrund personeller Engpässe“ sei vom 5. Oktober bis zum 13. Oktober eine Bandansage geschaltet gewesen.

Laut Senatsverwaltung ist eine Regelung für das Standesamt Mitte getroffen worden. Damit trotz der verzögerten Bearbeitung Elterngeld gezahlt werden könne, reiche eine Kopie der Geburtenanzeige durch die Klinik und eine Erklärung der Eltern, dass sie nirgendwo anders Elterngeld beantragen. Sie müssen die Unterlagen nachreichen. Der FDP-Abgeordnete Luthe: „Wenn ein Bezirk die Bearbeitung binnen eines Tages schafft und ein anderer fast drei Monate braucht, ist das ein Versagen der Aufsicht, also des Senats.“