Bauarbeiten

An diesen Stellen wird die S-Bahn 2018 gesperrt

S-Bahn-Fahrgäste müssen sich in den kommenden Monaten auf Sperrungen einstellen. Fortschritte gibt es beim Bau der neuen Linie S21.

Bei der Berliner S-Bahn gibt es 2018 eine Reihe von Sperrungen (Archiv)

Bei der Berliner S-Bahn gibt es 2018 eine Reihe von Sperrungen (Archiv)

Foto: dpa

Berlin. Wenn die Vertreter der Deutschen Bahn zur Vorstellung ihrer neuesten Bauvorhaben laden, beginnen sie ihre Ansprache immer auf dieselbe Art: mit einer Entschuldigung, der Bitte um Verständnis, aber auch einem Lob ihrer bisherigen Arbeit.

So kam es dann auch am Donnerstag in einem Baucontainer am Hauptbahnhof. "Wir bauen nicht um unser selbst willen", sagte Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der Bahn für Berlin und damit auch Herr über die S-Bahn. Natürlich fahre man viel lieber, sei doch klar.

Arbeiten am Ostkreuz bald abgeschlossen

Dann das Lob: Nach mehr als einem Jahrzehnt Bauzeit werden die Arbeiten am einst als "Rostkreuz" verschmähten Ostkreuz abgeschlossen sein. Dann fahren die Züge der Linie S9 wieder ins Stadtzentrum, und es halten täglich rund 180 Regionalzüge am meistgenutzten Bahnhof der Hauptstadt. "2018 folgen nur noch einige Ergänzungen", so Kaczmarek. Auch beim Ausbau der Verbindung nach Dresden, der die Reisezeit von derzeit knapp zwei Stunden um etwa eine halbe Stunde verkürzen soll, sei mit der Aufhebung der Vollsperrung zwischen Wünsdorf und Hohenleipisch ein "wichtiger Meilenstein" erreicht.

Der Wiederaufbau der Dresdner Bahn auf Berliner Gebiet, wodurch ab 2024 dann Passagiere auch zum Flughafen BER transportiert werden sollen, läuft seit Anfang des Monats. Zuvor hatte es einen langwierigen Rechtsstreit gegeben, den die Bahn schließlich für sich entscheiden konnte. Anwohner hatten gegen den ebenerdigen Bau der Trasse durch ihre Ortschaft geklagt und einen Tunnel gefordert – vergeblich. Die Hauptarbeiten bei der Dresdner Bahn starten aber erst 2019.

S-Bahn in Pankow wird zweigleisig ausgebaut

Wirklich akut wird es bei der Berliner S-Bahn. Für dieses und nächstes Jahr stehen etliche Baumaßnahmen auf dem Programm, die den Fahrgästen einiges an Geduld abverlangen werden (siehe Grafik). Insgesamt investiert die Bahn bis zu einer halben Milliarde Euro.

Besonders rund um das Karower Kreuz in Pankow wird im großen Stil gewerkelt. Bis November 2018 werden diverse Abschnitte immer wieder gesperrt und stattdessen Ersatzbusse fahren. Grund ist der zweigleisige Ausbau der Strecke zwischen Karow und Blankenburg. Dies werde die Pünktlichkeit der S-Bahn verbessern, wovon täglich rund 100.000 Fahrgäste profitieren würden, so Kacz­marek.

Immer wieder Sperrungen auf dem S-Bahn-Ring geplant

Für weitere Sperrungen sorgt der Einbau des Zugbeeinflussungssystems ZBS. Es kontrolliert die Geschwindigkeit der Züge und verhindert, dass diese ungewollt ein Haltesignal übersehen und weiterfahren. In diesem Jahr kommt es deshalb zu – überwiegend kurzen – Sperrungen auf der Ringbahn in Schöneberg, der S1 im Süden, auf der nördlichen Ringbahn oder auch in Charlottenburg und Spandau. "Das Thema ZBS und der Bau elektronischer Stellwerke wird sich durch die nächsten Jahre ziehen", sagt Jens Hebbe, oberster Betriebsplaner bei der S-Bahn.

Wegen der Erneuerung von Weichen und Gleisen oder des Weiterbaus der Autobahn A 100 kommt es in Sommer und Herbst zu weiteren Sperrungen zwischen Südkreuz und Tempelhof beziehungsweise Treptower Park und Neukölln. Wegen Bauarbeiten auf der Strecke Berlin–Hannover müssen Fahrgäste von Berlin aus längere Reisezeiten nach Köln, Frankfurt am Main und München einplanen. Damit bei der S-Bahn auch jeder Fahrgast über die Sperrungen informiert wird, schickt das Unternehmen in den Hauptverkehrszeiten Promoter mit roten Jacken in die Züge, die entsprechende Flyer verteilen.

Bei der S21 kommt ein Tauchbagger zum Einsatz

Entwicklungen kann die Bahn auch beim Bau der Linie S21 vermelden. Sie soll zunächst auf zwei Kilometer Länge den nördlichen Ring mit dem Hauptbahnhof verbinden und später auch über Brandenburger Tor und Potsdamer Platz bis zum Bahnhof Yorckstraße führen. Die S21 soll die von S1, S2 und S25 befahrene Nord-Süd-Trasse entlasten, die sich bereits am Ende ihrer Leistungsfähigkeit befindet.

Ursprünglich anvisiert war die Inbetriebnahme für 2018, jetzt wird es frühestens Ende 2020 so weit sein. Denn in der Baugrube kurz vor dem Hauptbahnhof haben die Ingenieure schon lange mit eindringendem Grundwasser zu kämpfen, es kam zum Baustopp. Zusätzliche Bohrungen für einen Abfluss des Wassers halfen nicht, auch war unklar, an welcher Stelle die Grube undicht war.

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Bahn baut Eisenbahnbrüce über Spandauer Schifffahrtskanal

Jetzt scheint die Lösung gefunden: Ein Tauchbagger soll die Sohle abdichten und die Grube weiter ausheben. Das Gerät, das zum Beispiel bei Unterwasserarbeiten an Offshore-Windkraftanlagen oder Bohrinseln Verwendung findet, setzt die norwegische Firma Scanmudring ein. Um die verlorene Zeit aufzuholen, will die Bahn fortan an 24 Stunden und sieben Tagen in der Woche arbeiten. Dafür muss aber noch der nötige Lärmschutz mit den Anwohner abgestimmt werden.

Parallel bereitet die Bahn den Bau der Eisenbahnbrücke über den Spandauer Schifffahrtskanal vor und setzt die Arbeiten am "Interimsbahnhof" Invalidenstraße fort. Er ist nötig, da wegen Planungsmängeln beim Bau des Hauptbahnhofes eine S-Bahn-Haltestelle an selbigem nicht so schnell realisiert werden kann. Über dem Interimsbahnhof sollen Fahrgäste aber direkten Zugang zur U-Bahn haben.

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