Berlin

Berliner Alliiertenmuseum: Zwischen zwei Standorten

Für den Umzug des Alliiertenmuseums von der Clayallee zum Flughafen Tempelhof gibt es weder Zeitplan noch Mietvertrag.

Foto: Joerg Krauthoefer

Seit 2012 steht fest, dass das Alliiertenmuseum von der Dahlemer Clayallee auf das Gelände des Flughafens Tempelhof zieht. Nach den Dahlemer Museen ist es ein weiterer kultureller Standort, der dem Südwesten verloren geht. Umso wichtiger ist auch hier die Frage, wie es an der Clayallee weitergehen soll.

„Doch bis heute ist nichts geschehen“, sagt Sabine Bangert (Grüne), Vorsitzende des Kulturausschusses im Abgeordnetenhaus. Sie habe mit einer Anfrage im Abgeordnetenhaus einen Zeitplan erfahren wollen, doch keine Antwort erhalten. Eine Nachnutzung für einen Standort müsse jahrelang im Voraus geplant werden und nicht spontan nach dem Auszug. Sie erwarte ein Konzept und „dass die Debatte über die Nachnutzung nicht auf die lange Bank geschoben wird“, sagt Bangert. Denn spätestens 2020/21 soll das Museum in Tempelhof eröffnen.

Das fast 12.000 Quadratmeter große Grundstück, auf dem sich das Alliiertenmuseum noch befindet, ist im Eigentum der Bundesrepublik Deutschland und wird von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) verwaltet. Folglich entscheidet der Bund, was mit dem Areal passiert. Für die Bima ist die weitere Entwicklung des Geländes jedoch noch kein Thema. „Das Vertragsverhältnis mit dem Alliiertenmuseum in der Clayallee 135 wurde weder vom Nutzer noch von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gekündigt“, sagt Thorsten Grützner von der Bima-Pressestelle. Die Frage nach einer Nachnutzung stelle sich zurzeit nicht.

Das Museum gehöre zu den Projekten, die in den nächsten Jahren umgesetzt werden sollen

Auf dem ehemaligen Flughafengelände sind die Pläne aber bereits gemacht. „Der Tower THF und die Geschichtsgalerie werden mit dem Alliiertenmuseum gemeinsam erschlossen“, sagt Irina Dähne, Sprecherin der Tempelhof Projekt GmbH, die das Flughafengelände im Auftrag des Landes entwickelt. Der Zugang werde über einen barrierefreien Eingangsbereich erfolgen.

Einige Rückbauarbeiten am Tower hätten bereits begonnen. Das Alliiertenmuseum wird künftig im Hangar 7 und im Bauteil 7 sowie im Kopfbau West insgesamt eine Fläche von 11.500 Quadratmetern haben. „Gegenwärtig wird der Mietvertrag mit dem Nutzer, der Bundesrepublik Deutschland, verhandelt“, sagt Irina Dähne. Das Alliiertenmuseum gehöre zu den Öffnungsprojekten, die in den nächsten Jahren umgesetzt werden sollen.

Alliiertenmuseum übernimmt Innenausbau in Tempelhof

Die Übergabe an den Nutzer ist nach Auskunft der Tempelhof Projekt GmbH im Sommer 2018 geplant. Bis dahin erfolgt die Schadstoffsanierung durch den Eigentümer und das Land.

Den Innenausbau und die Einrichtung soll das Alliiertenmuseum übernehmen. Doch dafür können keine Pläne gemacht werden. „Ich warte seit Februar auf einen Entwurf – wohlgemerkt auf einen Entwurf – eines Mietvertrags“, sagt der kommissarische Leiter des Alliiertenmuseums Bernd von Kostka. Solange der nicht vorliege, bekomme er keinen einzigen Euro für die Planungen am neuen Standort. Daher passiere im Moment gar nichts. „Niemand zieht in eine Wohnung ohne einen Mietvertrag“, sagt von Kostka.

Die Ausstellungsstücke werden künftig im Humboldt Forum in Mitte gezeigt

Unruhig wird man auch im Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf. „Man kann nicht erst nach dem Auszug überlegen, was an dem Standort passieren soll“, sagt Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU). Anfragen gäbe es heute schon von Kulturvereinen und Konzertveranstaltern. So könnte das denkmalgeschützte Kino Outpost zum Beispiel wieder ein Kinobetreiber übernehmen. Die Bezirksbürgermeisterin will sich für eine kulturelle Nutzung einsetzen. Die ist in den Plänen jedoch nicht festgeschrieben. Die Fläche ist im Baunutzungsplan als Allgemeines Wohngebiet ausgewiesen.

Der Bezirk ist derzeit auch noch mit der Nachnutzung der Dahlemer Museen beschäftigt. Die Gebäude in Dahlem sind geschlossen und ausgeräumt, die Ausstellungsstücke werden künftig im Humboldt Forum in Mitte gezeigt. Noch immer ist nicht klar, was am alten Standort passieren soll.

Der Bezirk hat jetzt mit seinem Regionalmanagement Südwest eine „Ideenwerkstatt Museen der Zukunft“ gegründet – eine Workshopreihe, die im Dezember beginnen soll. „Wir wollen uns in den Diskussionen von dem Thema der Nachnutzung der Museen lösen, um uns mehr um die Frage zu kümmern, was Museen künftig leisten müssen“, sagt Cerstin Richter-Kotowski. Sind Dauerausstellungen noch gefragt? Oder Sonderausstellungen bevorzugt? Wie digital müssen Museen sein? Das seien Fragen, die in den Workshops geklärt werden sollen.

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