Berlins gefährliche Orte

Für eine Handvoll Gras: Welche Strategie wirkt gegen Dealer?

Der Dialog mit Dealern soll den Görlitzer Park sicherer machen. Das klappt, sagen Anwohner. Aber die Gewalt gegen Polizisten nimmt zu.

Mit ihren Signalwesten wollen die Polizisten normalen Parkbesuchern Sicherheit geben, den Dealern dagegen zeigen: Wir haben euch im Auge

Mit ihren Signalwesten wollen die Polizisten normalen Parkbesuchern Sicherheit geben, den Dealern dagegen zeigen: Wir haben euch im Auge

Foto: DAVIDS/Darmer

Als die Mannschaftsbusreifen über den sandigen Weg im Görlitzer Park knirschen, sind die Dealer längst gewarnt. Späher drehen auf rostigen Mountainbikes ihre Runde. Wer der Brennpunktstreife an diesem Mittag nicht begegnen will, der schlendert in eine Seitengasse. Zehn Polizisten steigen aus den Wagen, streifen signalgelbe Westen über. Eine Beamtin sagt halblaut: "Jetzt kann die große Polizei-Show ja beginnen."

14.45 Uhr. Ein junger Kommissar stapft durchs Gestrüpp, schiebt einen Busch beiseite, vermeldet den ersten Fahndungserfolg. "Darf ich die ausreißen?", fragt er und zeigt auf eine hüfthohe Pflanze. Cannabis. Einsatzleiter Boris Koskov lächelt müde – und nickt. Ein großer Erfolg sei das nicht, berlinert der Oberkommissar mit den trainierten Oberarmen und der gescheitelten Kurzhaarfrisur. "Kontrollierter Anbau sieht anders aus", sagt Koskov. Aber dem jungen Kollegen lässt er das Erfolgserlebnis – denn die sind rar im Kampf gegen das Drogenproblem im Park. Koskov sagt: "Wir wissen, dass wir das hier nicht drogenfrei kriegen." Die Show lohnt sich trotzdem, davon ist er überzeugt.

Showbühne Görlitzer Park: 14 grün-braune Hektar zwischen Skalitzer Straße und Landwehrkanal. Täglich wird hier ein Stück namens Kreuzberg aufgeführt, das deutschlandweit Berühmtheit erlangt hat. Hier kreuzen sich die Kulturen, vertrödeln Patchworkfamilien und Alkoholiker den Nachmittag, paffen Touristen süßliche Cannabiswolken in den Himmel, sprühen Linke "All Cops are Bastards" an Mauern. Hier kippt abends der Rausch von Euphorie ins Delirium um, zeigen Drogendealer dem deutschen Rechtsstaat deutlich seine Grenzen auf.

Symbolträchtige Orte wie der Görli sind auch eine gute Bühne für die Politik. Ex-Innensenator Frank Henkel (CDU) wollte im Park seine Handlungsstärke beweisen. Und: dass gegen Drogen und Gewalt nur Repression hilft. Im April 2015 führte er die Null-Toleranz-Strategie ein. Damit durften Polizisten auch gegen Menschen vorgehen, die weniger als die in Berlin als Eigenbedarf geltenden 15 Gramm Marihuana mit sich tragen. Die Polizisten sollten mit harter Hand gegen die Dealer vorgehen.

An Tag eins nach Inkrafttreten der neuen Regeln trafen sich Hunderte zum Protest-Kiffen in der Null-Toleranz-Zone. Heute gilt Henkels Plan als gescheitert, und die rot-rot-grüne Regierung schrieb sich in den Koalitionsvertrag: Schluss mit Null Toleranz. Senat und Bezirk setzen jetzt auf Dialog. Sogenannte Parkläufer und ein Parkmanager sollen Konflikte vermeiden. Wenn man die Dealer schon nicht vertreiben kann, sollen sie wenigstens niemanden belästigen. Der Görli ist für alle da, sagen die einen. Der Rechtsstaat hat kapituliert, sagen die anderen.

Ein Sommer ist vergangen, seit die Toleranz in den Park zurückgekehrt ist. Die Berliner Morgenpost war über Wochen immer wieder vor Ort, hat mit Anwohnern, Polizisten, dem Parkmanager, Parkläufern, Politikern und Dealern gesprochen. Was hat die neue Strategie bewirkt?

"Was willst du? Bei mir gibt's alles. Was willst du?"

Wer sich in einer milden Nacht am Wochenende dem Park vom Spreewaldplatz her nähert, bekommt schnell den Eindruck: Hier ist alles beim Alten. Am Kinderzirkus Cabuwazi die ersten Angebote: "Hey Digger! What do you want? Weed?" Reggae scheppert aus Smartphones, drum herum stehen junge Männer mit schwarzer Haut und grellen Basecaps. Eine Frau in Sommerkleid tanzt zu Bongorhythmen rund um die Kuhle in der Mitte des Parks. Im engen Seitendurchgang zur Falckensteinstraße werden die Angebote aufdringlicher. Ein Dealer mit glasigen Augen, vielleicht 16 Jahre alt, sagt: "Was willst du? Bei mir gibt's alles. Was willst du? Ecstasy, Amphetamine, Gras, LSD. Was willst du?"

Ein Partyzug wummert vorbei. Angeführt wird er von einem Lastenfahrrad, in dem sich ein DJ hinter mächtigen Bassboxen verschanzt hat, dahinter kreisen rosa fluoreszierende Hula-Hoop-Reifen durch die Dunkelheit.

Ein Dealer spricht einen Mittdreißiger an. Er nickt. Wie viel? Zwei Gramm. Verächtliches Abwinken. Der Dealer greift trotzdem in einen der verkümmerten Sträucher, raschelt ein durchsichtiges Tütchen hervor. Dann geht alles ganz schnell. Sechs Männer umzingeln den Dealer. Es sind keine Polizisten. Die sind in dieser Nacht nicht im Park zu sehen – auch keine Parkläufer. Die Männer sind auch Dealer, sie bellen sich gegenseitig in einer afrikanischen Sprache an, einer reißt das Tütchen an sich. "Ich will keinen Stress", sagt der Mittdreißiger. "Kein Stress", sagt der neue Tütchenbesitzer und dann irgendwas von Warteschlangen. Er nimmt 20 Euro, gibt das Tütchen weiter. Der Käufer verschwindet, die Verkäufer streiten weiter.

Was sich nach der "Null-Toleranz-Strategie" geändert hat

Seit Anfang 2016 hat die Polizei ihre Präsenz im Görlitzer Park enorm zurückgefahren. Die Parkbesucher reagieren unterschiedlich darauf.
Was sich nach der "Null-Toleranz-Strategie" geändert hat
M. Bidian & M. Boenke

Dass das Drogenproblem im Park schnell in ein Gewaltproblem eskalieren kann, das hat die Vergangenheit gezeigt. Mit dem Aufstieg des Partytourismus in Kreuzberg hat sich die Drogennachfrage in den letzten Jahren deutlich erhöht. Neue Dealergruppen wollten vom Geschäft profitieren, irgendwann waren bis zu 200 Dealer im Park unterwegs, das Revier wurde neu aufgeteilt.

Schreckensnachrichten folgten: So wird 2012 die Leiche einer jungen Frau im Landwehrkanal gefunden. Sie hatte im Park Drogen gekauft. 2014 sticht der Betreiber einer Shisha-Bar zwei Dealer nieder. Ein Rachekommando zündete seinen Laden an. Alleine im März 2015 – also einen Monat vor Einführung der Null-Toleranz-Zone – verzeichnete die Polizei in ihrer Statistik zum kriminalitätsbelasteten Ort Görlitzer Park: 161 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, dazu 60 Diebstähle, sechs Raubüberfälle, zwei Sexualdelikte, ein Tötungsversuch.

Der Blick auf die Statistiken zeigt. So eindeutig wie es die rot-rot-grüne Koalition darstellt, ist die Null-Toleranz-Strategie gar nicht gescheitert. Im Park ging wenige Monate später die Gewaltkriminalität zurück, es wurde weniger gestohlen, weniger überfallen. Sogar der Drogenhandel ging zurück. Aber: Es wurden auch schnell weniger Polizisten auf Streife geschickt. Und bei der Drogenkriminalität gilt: Wenn weniger Polizisten patrouillieren, bleibt mehr Drogenhandel unbemerkt.

Die unsichtbare Null-Toleranz-Strategie

Einsatzleiter Koskov sagt: "Diese Strategie hat nicht funktioniert, weil die Öffentlichkeit gar nicht gesehen hat, was wir hier leisten." Denn auch wenn es gelang, einen Dealer hinter Gitter zu bringen – am nächsten Tag nahm ein anderer seinen Platz ein. Die Anwohner sahen immer das Gleiche: einen schwarzen Dealer. Ein Ex-Kollege von Koskov, der lieber nicht mit Namen genannt werden will, benennt Probleme der Null-Toleranz-Strategie deutlicher: "Das muss schon politisch gewollt sein, und das war es anscheinend nicht."

Wenn man das Dealen wirklich beenden wolle, bräuchte man mehr Personal, ein Bereitschaftsgericht, das schnelle Urteile fällt. Denn die Festnahmen seien oft so abgelaufen: Personalien aufnehmen, Drogen abnehmen, vor Ort entlassen. Die Justiz sei oft nicht tätig geworden, der Dealer zwei Stunde später wieder im Park. Koskov sagt: "Die Leute hier haben sich gewundert, wenn plötzlich sechs Zivilpolizisten einen Schwarzen zu Boden geworfen haben. Die haben ja nicht gesehen, was der fünf Minuten vorher gemacht hat." Und so hatte die Null-Toleranz-Strategie eine paradoxe Nebenwirkung: Viele Parkbesucher habe sie verunsichert.

Martin Heuß (62), Stoppelbart, weites Karohemd, sitzt auf der Terrasse des Café Edelweiß und blickt auf einen bunten Bauwagen. Dort hat der Parkmanager Anfang des Jahres sein Büro bezogen hat. Heuß lebt seit 40 Jahren im Kiez, erinnert sich daran, wie er mit seiner inzwischen erwachsenen Tochter zum Spielen in den Park ging. Er mag den Görli, die wilde Mischung, wie er es nennt. Er sagt, der Park sei ein anfälliges Ökosystem, und das müsse im Gleichgewicht gehalten werden. "Gedealt wurde hier immer schon", sagt Heuß. Aber irgendwann wurde es zu viel, das Gleichgewicht kippte, die Dealer und die Schreckensnachrichten gewannen die Oberhand. Viele Anwohner hätten sich nicht mehr reingetraut.

Heuß ist Gründer der "Anwohnerinitiative Görlitzer Park", seit April Mitglied im Parkrat. Ziel der neuen Strategie sei es nicht, rechtsfreie Räume zu schaffen. "Es geht darum, die Aufenthaltsqualität zu verbessern", sagt Heuß. Und da sei man auf einem guten Weg. Die Dealer seien weniger aggressiv, weniger Anwohner verängstigt. Das sei auch ein Verdienst des Parkmanagers und der Parkläufer. Der Kampf gegen die Drogen, das bleibe Aufgabe der Polizei.

Und die hat im Görlitzer Park weiter freie Hand. Denn Innensenator Andreas Geisel (SPD) hat zwar im März angekündigt, die Null-Toleranz-Regel werde in wenigen Wochen aufgehoben. Aber die Regelung gilt bis heute. Aus der Innenverwaltung heißt es: Es sei an der Justizsenatsverwaltung, die entsprechende Verordnung zu streichen. Ein Sprecher der Justizverwaltung aber sagt, man befände sich in Abstimmungen zwischen den Senatsressorts Justiz, Inneres und Gesundheit. "Wir wollen das umsetzen, aber das dauert", sagt der Sprecher. Wieder scheint der Görlitzer Park vor allem für die politischen Symbole herhalten zu müssen – ein entschlossener Kurswechsel sieht anders aus. Aber wie viel Gramm nun als Eigenbedarf toleriert werden, das ist nicht das Hauptproblem Brennpunktstreife Görlitzer Park.

Zurück zur "Polizei-Show": Oberkommissar Koskov baut sich mit zwei Kollegen vor einer Parkbank auf. Darauf eine junge Frau und drei polizeibekannte Dealer. Ausweiskontrolle, Abtasten. In einer beigefarbenen Jacke, die neben einem Mann aus Guinea über der Bank hängt, wird Koskov fündig, zieht einen Plastiksack aus der Tasche. Eine Handvoll Gras, portioniert in kleinen Tüten. 20 Gramm, schätzt Koskov. Nicht meine Jacke, gibt der Guineer mit Händen und Füßen zu verstehen. Augenrollen bei den Polizisten. Wenn sie ihn nicht als Jackenbesitzer überführen, müssen sie Anzeige gegen unbekannt stellen. Und den Mann ziehen lassen.

Die Dealer wissen recht gut, wo das deutsche Strafgesetz seine Grenzen hat. Noch immer wird im Park vor allem Marihuana verkauft. Längst aber auch Partydrogen, Crystal, sogar Heroin – wo es Nachfrage gibt, gibt es auch ein Angebot. Die Kunden: viele Touristen, aber auch Familienväter oder Anwälte, die morgens auf dem Weg zur Arbeit einkaufen, Jugendliche aus den Außenbezirken, Partygänger am Wochenende. Kaum ein Dealer trägt die Drogen mit sich herum. Gebunkert wird in Sträuchern, Erdlöchern, Mülleimern, Hauseingängen. Kurierfahrer sorgen für den Transport, Späher warnen vor Razzien. Die meisten dealen nur ein paar Monate im Park, über internationale Strukturen wird beständig für Dealer-Nachwuchs gesorgt. Die meisten kommen aus Gambia, Guinea-Bissau, Mali.

Mit Drogen sollten Parkläufer nichts zu tun haben – eigentlich

Der Plastiksack mit den grünen Blüten baumelt in der Hand von Oberkommissar Koskov. Eine Weile herrscht Sprachlosigkeit an der Parkbank. Der Guineer sitzt da, die Arme zu beiden Seiten auf die Lehne ausgestreckt, die Augen rot, der Blick leer. Dann greift ein Mann ein, den hier alle Solo nennen. Souleymane Sow: einer der sechs Parkläufer. Ihr Metier ist das Grünanlagengesetz. Sie sollen Streit zwischen Parkbesuchern schlichten, an Regeln erinnern: Hunde anleinen, keinen Müll machen, nicht zu laut feiern. Drogenkriminalität gehört nicht zu ihren Aufgaben. Eigentlich. Solo ist selbst gebürtiger Guineer, spricht so gut wie alle Sprachen, die im Park gesprochen werden. Viele Dealer vertrauen ihm – im Gegensatz zur Polizei.

Solo setzt sich neben seinen Landsmann auf die Bank, erklärt ihm auf Französisch seine Rechte, übersetzt für Koskov, versucht dem Dealer deutlich zu machen, dass es besser sei für ihn, jetzt die Wahrheit zu sagen. Man glaubt nicht, dass das klappen kann, dass der Mann allein durch die vertraute Sprache einknickt und gesteht. Doch er tut es. Koskov lächelt. Dann die Personalien des Mannes: Gemeldet ist er in Halle, in einer Flüchtlingsunterkunft, hat keinen geregelten Aufenthaltsstatus – wie so viele der Dealer. Die Polizisten kennen das Problem: Der Mann wird das Belehrungsschreiben niemals erhalten, das ihm ein Sachbearbeiter der Polizei an seine Meldeadresse zustellt. Abschiebehaft gibt es in Berlin nicht, das Abschiebegefängnis hatte Ex-Innensenator Henkel Ende 2015 geschlossen. Der Mann wird wahrscheinlich in ein paar Tagen wieder auf einer der Parkbänke sitzen.

Ist die Brennpunktstreife also pure Show? Nein. Denn die Statistiken zeigen in die richtige Richtung: weniger Antänzer, weniger Taschendiebstahl, weniger Körperverletzung. Und hin und wieder kommen die Beamten mit Spürhunden, heben Drogenverstecke aus. Die Idee: Den Hintermännern das Geschäft erschweren, statt die Dealer in Seitenstraßen zu verdrängen.

Aber das führt auch zu einer anderen Entwicklung: Die Dealer wehren sich. 2017 gab es deutlich mehr Widerstandshandlungen gegen Polizisten. Bis Ende September wurden 16 Beamte im Einsatz verletzt.

Aber der Showeffekt ist Koskov sehr wohl wichtig. Darum die signalgelben Westen, darum die drei Mannschaftswagen. Koskov will gesehen werden. Von Parkbesuchern und Dealern. Die einen sollen keine Angst mehr haben, in den Park zu gehen. Die anderen sollen denken: Wir können uns hier nicht alles erlauben. Ein multikultureller Park, in dem sich alle sicher fühlen, das ist das Ziel, sagt Koskov. Sein zweites Ziel ist in weiter Ferne: "Wir wollen, dass nicht mehr in aller Öffentlichkeit gedealt wird." Noch während Koskov Streife läuft, gehen die Geschäfte am anderen Ende des Parks weiter.

Und so sieht im Görli immer noch jeder das, was er in Kreuzberg gern sehen möchte: Einen bunten Kiez, störrisch, aber liebenswürdig – oder einen gefährlichen Ort, an dem der Rechtsstaat versagt hat. Da ist zum Beispiel Janine Hintze (28), Bedienung in der Kneipe Madonna am Spreewaldplatz: "Die sind aufdringlich. Wenn die vor der Bar dealen, muss ich sie wegjagen. Dann werde ich als Rassistin, als Hure beschimpft. Nachts laufe ich 15 Minuten Umweg, bloß nicht durch den Park."

Gonzalo Campos (37), spaziert mit seinen zwei Kindern am Görli. Er sagt: "Die stören nicht. Wenn sie die Kinder sehen, lassen sie mich in Ruhe." Kurt Wansner (69), Kreisvorsitzender der CDU Friedrichshain-Kreuzberg, sagt hingegen: "Den Anwohnern wurde der Park weggenommen. Man muss ihn besser beleuchten, nachts abschließen und die Zugänge kontrollieren." Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (53) sieht erste Erfolge: "Die Dealer sind nun mal da, wo die Nachfrage ist. Aber unsere Maßnahmen zeigen Wirkung. Sie sind zurückhaltender geworden." Und was sagen die, über die hier alle sprechen?

Ingwer-Kartoffelsuppe statt Cannabis

Baturu, ein 25-Jähriger aus Gambia, lächelt schüchtern und heißt eigentlich anders. Das mit dem Dealen, das war mal, sagt er. Jetzt verkauft er Ingwer-Kartoffelsuppe und Cappuccino. Er macht ein Praktikum bei Bantabaa. In der westafrikanischen Sprache Mandinka heißt das Treffpunkt und ist eine Initiative, die den Dealern aus dem Park Ausbildungsplätze, Arbeit im Café oder Rechtsberatung bietet.

Baturu, so erzählt er es heute, hat erst in Libyen versucht, Geld für seine Familie zu verdienen, dann kam der Krieg. Er ließ sich nach Italien schleusen, bekam Asyl, wurde obdachlos. Weiter nach Deutschland, neuer Asylantrag. Abgelehnt. Er sollte zurück nach Italien.

Irgendwann ist er im Görli gelandet. Geschlafen hat er bei Bekannten oder im Park. "Ich wusste immer: Das ist nicht das, was du hier machen willst", sagt er. Er wurde beim Dealen erwischt: zwei Wochen Untersuchungshaft, drei Jahre Bewährung. Baturu sagt, er habe einen Platzverweis, setze keinen Fuß mehr in den Park.

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An die 15 Afrikaner betreut Bantabaa zurzeit. Nicht für alle gelingt es, eine Arbeitsgenehmigung zu bekommen – Vorstrafen wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz können ein Grund sein. Dann gehen manche zurück in den Park. Bantabaa-Gründerin Brigitte Varadinek sagt: "Fakt ist, sie sind hier, gehen nicht weg und werden nicht abgeschoben. Wir sollten ihnen Alternativen zum Park bieten."

Baturu ist immer noch illegal in Deutschland, arbeitet manchmal schwarz, schickt hin und wieder Geld an die Familie in Gambia. Er macht einen Deutschkurs. Und dann? Baturu hebt die Augenbrauen. Dann muss er weiter, steigt auf sein Rad. Er fährt die Falcken-steinstraße runter. Richtung Görli.

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