Nach Insolvenz

"Das Etihad Erlebnis" – Ein Erfahrungsbericht

Die Air-Berlin-Pleite sorgt mitunter für wunderliche Umbuchungen. Unsere Autorin erzählt, wie sie versuchte, nach Japan zu reisen.

Ein Flugzeug der Etihad Airways

Ein Flugzeug der Etihad Airways

Foto: dpa Picture-Alliance / Arno Burgi

An diesem Wochenende beginnen die Herbstferien, und wer eine Flugreise gebucht hat, sollte unbedingt noch mal die Verbindungen checken, vor allem wenn auf einer Strecke doch irgendwie Air Berlin beteiligt sein könnte. Wer wie ich zum Beispiel einen Flug bei Etihad gebucht hat, ist noch lange nicht auf der sicheren Seite.

Für die Herbstferien haben wir ein ausgefallenes Ziel gewählt: Japan. Das günstigste Angebot bei der Buchung im Juli war ein Mix aus Air Berlin und Alitalia. Bloß nicht, schon vor der Insolvenzverkündung sah die Zukunft beider Airlines düster aus. Also Etihad. Kleingedruckt stand zwar im Buchungsbeleg, dass Air Berlin den Teilflug nach und von Abu Dhabi ausführen wird. Aber schiefgehen konnte doch nichts. Schließlich muss Etihad in jedem Fall einspringen, notfalls selbst fliegen. Dachte ich zumindest, und erst sah auch alles danach aus.

Nach der Insolvenz blieb es beim Flugplan, und es gab in den folgenden Wochen auch keine Mail von Etihad mit Änderungen. Sicherheitshalber bin ich jetzt aber doch einmal in die Buchung gegangen. Schon in wenigen Tagen soll es ja losgehen. Und ich stellte mit Staunen fest, dass auf einmal aus vier Flügen sechs geworden sind. Statt Berlin–Abu Dhabi–Tokio und zurück ebenso, hieß es nun: Berlin–Düsseldorf–Abu Dhabi–Tokio, und zurück: Tokio–Abu Dhabi–München–Berlin. Wirklich erstaunlich waren dabei der erste und letzte Flug: Abflug 7 Uhr von Berlin, Ankunft 8 Uhr in Düsseldorf, die Fluggesellschaft hat den IATA-Code 9B und sitzt in Kanada, ausgeführt wird das Ganze aber von der Deutschen Bahn, Transportmittel: alle Züge, Buchungsstatus: Ok to fly. Merkwürdig nur, dass es nicht von TXL, sondern von QYG losgehen sollte. Bitte wo? Zurück war entsprechend eine Stunde von München nach Berlin eingeplant. Wie geht das? In einer Stunde? Mit dem Zug? Können Züge jetzt schon fliegen?

"Wir passen die Reisezeiten auf dem Ticket an" – bitte?

Ein Telefonat bei Etihad nach geraumer Zeit in der Warteschleife zu orientalischen Klängen bringt zumindest eine Teilaufklärung. Der Flug 9B 3104 ist eine Bahnfahrt der Kategorie Rail & Fly. Ich könne es einfach bei der Deutschen Bahn einlösen, sagt der Mitarbeiter. Dafür gibt er mir einen siebenstelligen Code, mit dem bekäme ich dann ein Ticket. Gültig für den Tag des Abflugs oder einen Tag davor. Wieso ich über die Änderungen nicht informiert wurde, kann er mir nicht sagen, und was es mit der angegebenen "Flugzeit" auf sich hat, noch weniger. Er muss aber lachen, das gehe doch gar nicht.

Ich finde das zwar weniger witzig, aber statt mich zu ärgern, versuche ich, mit dem neuen Code bei der Bahn in die Buchung zu kommen. Geht aber nicht, die Bahn erlaubt nur sechsstellige Codes, meiner aber hat ja sieben Stellen. Also ein Anruf bei der gut genutzten Bahn-Servicenummer. Nein, Bahn.de sei ja auch falsch. ,, Sie müssen sich bei Accesrail anmelden." Noch nie gehört, aber tatsächlich, da bin ich zumindest schon mal drin, also in meiner Buchung. Doch auch hier dauert die Bahnfahrt nur jeweils eine Stunde. Ein Ticket kann ich allerdings nicht ausdrucken. Check-in ist noch nicht offen.

Noch ein Versuch beim Schalter der Deutschen Bahn. Aber auch dort werde ich gleich abgewimmelt. Erst 72 Stunden vor Abflug sei Check-in und dann bekäme ich Klarheit. Ob das denn öfter vorkomme, dass Fahrtzeiten angegeben werden, die gar nicht möglich sind? "Wissen wir nicht." Wir sind da nicht zuständig.

Balkonien statt Japan

Also zurück auf Anfang, zurück zu Etihad. Dort gibt es dann die Erklärung: "Diese Zeiten sind nicht die echten Reisezeiten, wir passen die Zeiten auf dem Ticket an unsere Bedürfnisse an." Wenn ich dann einchecke, würden die Zeitangaben wegfallen. Etihad tut also erst einmal so, als würde man trotzdem fliegen. Die Überraschung, dass die Reisezeit nach Düsseldorf tatsächlich viermal so lang und von München siebenmal so lang ist und dass AB 1304 kein Flug, sondern eine Bahnfahrt ist, gibt es dann erst später.

Für manchen Reisenden vielleicht sogar zu spät. Ich bin ja schließlich nicht die einzige Reisende, die von Etihad umgebucht wurde. Hätte ich dem angezeigten Reiseplan vertraut und würde erst am Montagfrüh am Flughafen feststellen, dass es keinen Flug 9B 3104 nach Düsseldorf gibt, hätte ich keine Chance mehr, meine Anschlussflüge zu erreichen. Dann gebe es in den Herbstferien nur Balkonien statt Japan.

Auf der Etihad-Website gibt es übrigens einen Reiter namens "Das Etihad Erlebnis" – das habe ich schon vor dem Abflug gehabt. Bin ich gespannt, was ich auf der Reise noch so erlebe.

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