Nach Insolvenz

Wie das Land Berlin um Air-Berlin-Mitarbeiter wirbt

Viele Mitarbeiter der Airline suchen noch einen neuen Job. Nun stellt sich die Stadtverwaltung vor.

Andrang bei der dritten Jobmesse im Gebäude von Air Berlin. Die Berliner Verwaltung und viele Firmen stellen sich vor

Andrang bei der dritten Jobmesse im Gebäude von Air Berlin. Die Berliner Verwaltung und viele Firmen stellen sich vor

Foto: Massimo Rodari

Am Donnerstag fand in der Zentrale der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin erneut eine Jobbörse statt. Dieses Mal mit dem Land Berlin. Personalverantwortliche diverser Bezirksämter und nahezu aller Senatsverwaltungen waren in der Zeit von 15 Uhr bis 17 Uhr am Saatwinkler Damm in Charlottenburg vertreten.

„Ziel ist es, den Beschäftigten von Air Berlin das Land Berlin als Arbeitgeber vorzustellen“, sagte Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD). „Wir erläutern die Rahmenbedingungen des öffentlichen Dienstes und informieren über aktuelle Stellenausschreibungen.“ Konkret ging es um freie Stellen in der Berliner Verwaltung, bei Polizei und Feuerwehr, den Bürgerämtern, bei Schule und Bildung, im Landesflüchtlingsamt, beim Justizdienst und dem landesweiten IT-Dienstleister ITDZ. Mit ungefähr 140 verschiedenen Berufsbildern biete die Landesverwaltung ein breites und attraktives Arbeitsspektrum, hieß es.

"Es tut schon sehr weh, wenn man sieht, wie hier alles auseinanderbricht"

„Ich arbeite jetzt seit 22 Jahren in der Luftfahrt, und habe noch keine konkreten Pläne für einen anderen Beruf“, sagte eine 39-jährige Frau, die im Bodenbetrieb bei Air Berlin am Flughafen Tegel gearbeitet hat. „Selbstverständlich würde ich auch in eine andere Branche wechseln, aber noch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben, weiter für eine andere Fluggesellschaft zu arbeiten.“ Dafür in eine andere Stadt zu ziehen, käme für sie aber nicht infrage. „Ich bin eine alleinerziehende Mutter und auf mein soziales Umfeld in Berlin angewiesen.“

Auch die Kollegen der Frau wollten sich am Donnerstag in erster Linie informieren. Das Interesse war so groß, dass die Räume von Air Berlin nahezu überfüllt waren. Auskünfte wollten sie ausschließlich anonym machen, da sie Sanktionen ihres Arbeitgebers befürchten, wie sie sagten. „Ich bin sicher, dass ich eine andere Arbeit finden werde“, sagte ein Mitarbeiter, „aber es tut schon sehr weh, wenn man sieht, wie hier alles auseinanderbricht.“

Air-Berlin-Pilot dreht Ehrenrunde in Düsseldorf

Der Pilot der Flugs AB7001 aus Miami drehte bei der Landung in Düsseldorf noch eine Ehrenrunde. Die Maschine startete in 30 Metern Höhe noch mal durch und drehte eine Schleife. Es war die letzte Landung eines Langstreckenflugs der Air Berlin.
Air-Berlin-Pilot dreht Ehrenrunde in Düsseldorf

An Spitzentagen wechseln bis zu 50 Mitarbeiter in neue Jobs

„Die Jobangebote des Senats bieten ein gutes und breites Spektrum“, sagte Air-Berlin-Sprecher Ralf Kunkel. „Unsere Verwaltungsmitarbeiter zeigen ein großes Interesse an den Stellen beim Senat.“ Air Berlin habe gute Leute und viele von ihnen seien sehr aktiv in der Arbeitssuche. „Seit Beginn der Insolvenz Mitte August haben ungefähr 600 Mitarbeiter schon einen neuen Arbeitsplatz gefunden“, sagte er. An Spitzentagen würden bis zu 50 Mitarbeiter in neue Jobs wechseln.

Am vergangenen Montag hatte auch die Bundesagentur für Arbeit in der Zentrale von Air Berlin ein Büro eröffnet und von den etwa 8000 Air-Berlin-Mitarbeitern können offenbar bis zu 3000 zur Lufthansa wechseln. Man werde die Mitarbeiter auch weiter aktiv bei der Jobsuche unterstützen, sagte Kunkel. Am Montag, 23. Oktober, wird sich die Deutsche Bahn als Arbeitgeber präsentieren, am Dienstag, 24. Oktober, stellen sich mehrere Firmen vor.

Informationen zu Stellen in der Berliner Verwaltung unter www.berlin.de/karriereportal

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