Anzeige
Berlin

Sexismus-Vorfall: DIG wirft Chebli Ungereimtheiten vor

Eine Vertreterin der Deutsch-Indischen Gesellschaft widerspricht der Politikerin in Teilen – und wirft ihr nun ihrerseits Sexismus vor.

Sawsan Chebli ärgerte sich über einen Kommentar eines ehemaligen Botschafters

Foto: Hannibal Hanschke / dpa

Anzeige

Zwei Tage, nachdem sie einen ihrer Meinung nach sexistischen Vorfall während einer Tagung in Berlin öffentlich gemacht hatte, häuft sich die Kritik an der Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli. Eine Teilnehmerin der Veranstaltung hatte sich am Sonntag an die Berliner Morgenpost gewandt und ihre Sicht der Ereignisse geschildert, die der Version der SPD-Politikerin in Teilen widerspricht.

Sawsan Chebli hatte am Sonnabend unter der Überschrift "Unter Schock – Sexismus" in einem Facebook-Beitrag über einen ihrer Ansicht nach unangemessenen Kommentar auf einer Versammlung der Deutsch-Indischen Gesellschaft (DIG) in Tiergarten berichtet.

Der ehemalige Botschafter Hans-Joachim Kiderlen soll unmittelbar vor ihrem Grußwort gesagt haben: "Ich habe keine so junge Frau erwartet. Und dann sind Sie auch so schön." "Klar, ich erlebe immer wieder Sexismus", schrieb Chebli kurz danach auf Facebook und Twitter. "Aber so etwas wie heute habe auch ich noch nicht erlebt."

Zuvor, schreibt Chebli, habe sie auf einem für sie reservierten Stuhl in der ersten Reihe Platz genommen und sei von vier Männern nicht als Staatsekretärin erkannt worden. Später habe sie dann ihre Rede frei vorgetragen.

Hier widerspricht Cornelia von Oheimb von der DIG. Auch sie habe auf dem Podium gesessen. "Ich frage mich nun zu recht, wie sexistisch ist Frau Chebli mir gegenüber, da sie doch in der ersten Reihe saß und mich als Frau nicht wahrgenommen hat", schreibt sie in einer E-Mail an die Berliner Morgenpost. Die Grußrednerin Chebli sei zu spät gekommen und habe sich auf einen Stuhl gesetzt, der kein Reservierungsschild hatte.

"Die dann gefallenen Worte des Vorsitzenden halte ich für zutreffend." Der Kommentar des ehemaligen Botschafters sei "gut gemeint" gewesen. Ihre Rede habe die Staatssekretärin allerdings nicht frei gehalten, sondern vom Blatt abgelesen. Sie könne Frau Chebli "nur empfehlen, bei künftigen Veranstaltungen pünktlich zu kommen und sich wie üblich mit dem Veranstalter vor Beginn der Veranstaltung bekannt zu machen", schreibt von Oheimb.

Chebli: "Ich wollte eine Debatte anstoßen"

Sawsan Chebli sagt auf Anfrage der Morgenpost: "Es ist durchaus möglich, dass ich in dieser Situation als Gast so vor den Kopf gestoßen wurde, dass ich die Zusammensetzung des Panels falsch wahrgenommen habe. Sollte dies so sein, tut es mir leid." Sie würde sich wünschen, dass jeder Frau selbst überlassen werde, was sie als Kompliment wahrnehme und was nicht. Dem ehemaligen Botschafter sei selbst bewusst gewesen, dass er sich ihr gegenüber nicht anständig verhalten habe.

Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa hatte sich Chebli zuvor am Montag ebenfalls zu der Sache geäußert. "Es ging mir darum, eine Debatte weiter anzustoßen, die noch nicht ausgefochten ist." Die vielen Reaktionen, auch von Frauen mit ähnlichen Erfahrungen, zeigten ihr, dass dies der richtige Weg gewesen sei.

Mehr zum Thema:

Staatssekretärin Sawsan Chebli prangert Sexismus-Vorfall an