Berlin

Industriegebiet will weiter wachsen

Unternehmensnetzwerk Motzener Straße in Marienfelde stellt seine Pläne vor. Regionalbahnhof gefordert

Berlin. Sie bauen Solaranlagen, pflanzen Hecken, beziehen Grünstrom, kaufen gemeinsam ein und bilden gemeinsam aus – doch das reicht den Mitgliedern des Unternehmensnetzwerkes Motzener Straße nicht. Sie wollen das 50 Jahre alte, gut funktionierende Industriegebiet in Marienfelde weiter voranbringen. Deshalb haben sie den früheren Wista-Manager Hardy Schmitz, unter dessen Führung sich Adlershof zu einem führenden Standort entwickelt hat, mit einer Studie beauftragt, die Potenziale des Areals herauszuarbeiten – aber auch die Defizite.

200 Betriebe mit rund 5000 Beschäftigten haben ihren Sitz im Gewerbe- und Industriegebiet Motzener Straße im Süden Berlins. 60 Betriebe arbeiten seit 2005 als Standortinitiative gemeinsam an Verbesserungen. Dazu gehört jetzt, dass das Gebiet größer werden soll. Momentan umfasst es laut Studie 156 Hektar, doch die Nachfrage ist groß. So besteht nicht nur bei den ansässigen Firmen der Wunsch zu expandieren. Die Wirtschaftsförderung des Bezirkes erhält auch zunehmend Anfragen von Firmen, die sich dort niederlassen wollen. In der Studie haben Hardy Schmitz und die "Freie Planungsgruppe Berlin" Wachstumsflächen von fast 50 Hektar im Blick: am Nahmitzer Damm (früheres IBM-Gelände), an der Säntis­straße (ehemals Kleingärten), der Buckower Chaussee (alte Hallen) und am Schichauweg (Eigentümer: Wasserbetriebe). Bis zu 4000 Arbeitsplätze könnten dort geschaffen werden. Bis auf den Schichauweg sind es alles Industrie- und Gewerbestandorte, die laut Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) auch als solche entwickelt werden sollen. Das Areal am Schichauweg allerdings sei Naturgebiet, und es gebe unterschiedliche Diskussion darüber.

Auch auf die Verkehrssituation geht die Studie ein. Das Gebiet sei gut erschlossen, habe aber Verbesserungsbedarf, auch bei den Rad- und Fußwegen. So kommen nach Auskunft von Ulrich Misgeld, dem Vorsitzenden des Netzwerkes, 4000 der 5000 Beschäftigten mit dem Auto zur Arbeit. Deshalb sei es wichtig, bei den Bauarbeiten für den Ausbau der Dresdner Bahn an den S-Bahnhöfen für moderne Infrastruktur zu sorgen.

Der S-Bahnhof Buckower Chaussee sollte zudem Regionalbahnhof werden, was jetzt jedoch bislang nicht Teil der Planungen sei. Aber 30 Prozent der Mitarbeiter kämen aus Regionalbahngebieten. "Mit der Inbetriebnahme des BER wird die Lagegunst des Gebiets erkannt werden. Wenn man nicht jetzt buddelt, wäre das sträflich", mahnt Hardy Schmitz die Planer.

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