Berlin

"Es muss hip sein, für Sauberkeit einzutreten"

Initiative „Alles im Fluss“ will etwas gegen die vermüllten Gewässer tun

Spree, Wannsee, Tegeler See – Gewässer gibt es reichlich in Berlin. An schönen Tagen verbringen viele Menschen dort gern ihre Freizeit. Das hat Folgen: Jedes Jahr sammeln die Schiffe der Berliner Senatsverwaltung zwölf Zugwagenladungen voll Müll aus den Gewässern – und das nur von der Oberfläche. Über die Flusssysteme gelangt der Müll irgendwann in die Nordsee, mit den bekannten Folgen: Es entstehen Müllteppiche auf den Meeren, Tiere fressen kleine Plastikteile und verenden. Zum Teil gelangt so auch Plastik in unsere Nahrung.

Zwei Berliner Vereine wollen ihren Beitrag leisten und die Müllsituation im Wasser in den Griff bekommen: "wirBERLIN", der bürgerschaftliches Engagement für ein attraktiveres Stadtbild organisiert und "Flussbad Berlin", der eine nicht kommerzielle Schwimmzone in der Spree zwischen Fischerinsel und Bodemuseum anstrebt. Die beiden haben sich jetzt zu der neuen Initiative "Alles im Fluss" zusammengeschlossen. Am Dienstag fiel der Startschuss auf einer Veranstaltung. Gemeinsam mit Vertretern aus Politik, Gesellschaft, Behörden und anderen Initiativen, von denen verschiedene anwesend waren, will "Alles im Fluss" in den kommenden Monaten einen Dialog beginnen und neue Lösungsstrategien entwickeln. Sie fordern "mehr moderne Kreativität im Umgang mit dem Problem und letztendlich ein Umdenken jedes Einzelnen".

Als konkrete Maßnahme stellen sich die Initiatoren zum Beispiel eine interaktive Karte vor, in der engagierte Bürger besonders vermüllte Stellen markieren können. Vor acht Wochen hatte "wirBERLIN" bereits auf Facebook dazu aufgerufen, Bilder von vermüllten Stellen zu posten. Die Resonanz war groß. In den Kommentaren äußerten Bürger auch deutlich ihren Unmut über die Situation.

Die anwesenden Vertreter möchten außerdem das "gefühlte Kompetenzgerangel" zwischen Behörden, Bezirken und Land entwirren, um einer Resignation bei den Bürgern entgegenzuwirken. Auch gesellschaftliche Anerkennung sei wichtig: "Es muss mal wieder hip sein, für Sauberkeit einzutreten." Damit Berliner auch in Zukunft den Sommer am Wasser genießen können – vielleicht auch mit einem Sprung ins neue Flussbad.

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