Museum im Südwesten

Der Weg der Samurai führt jetzt bis Zehlendorf

Ein Privatsammler eröffnet in einer Seniorenresidenz ein Museum über die faszinierende Welt der japanischen Krieger.

Peter Janssen ist Sammler und Initiator der Ausstellung in Zehlendorf

Peter Janssen ist Sammler und Initiator der Ausstellung in Zehlendorf

Foto: Samurai Art Museum

Wenn Peter Janssen die Tür zu seinem Reich öffnet, scheint einem der Glanz der Samurai, Japans sagenumwobener Kriegerkaste, entgegenzuleuchten. Es ist nur ein einziger Raum in nüchternem Hellgrau, von dem sich Rüstungen, Helme, Masken und Schwerter abheben. Die neue Ausstellung in Berlins Museumslandschaft, sei einzigartig außerhalb von Japan, findet Initiator Janssen. Kein anderes Museum beschäftige sich so explizit mit der Kunst der Samurai.

Eine Reise weckte in seiner Jugend die Faszination für Japan. Er lernte Karate und beschäftigte sich mit der Philosophie der Samurai, dem „Bushido“ (übersetzt: „Der Weg des Kriegers“). Vor rund 30 Jahren entdeckte der Unternehmer die Leidenschaft fürs Sammeln: Mit einer Rüstung begann er, mittlerweile sind es über 550 Objekte.

In Janssen wuchs der Traum vom eigenen Museum, den er sich jetzt erfüllt hat: Als Bauherr der Seniorenresidenz „Villa Clay“ an der Zehlendorfer Clayallee hat er im Untergeschoss entsprechende Räumlichkeiten errichten lassen. Hier stellt er sein Lebenswerk dauerhaft für die interessierte Öffentlichkeit aus. Über den Wert seiner Sammlung könne er nichts sagen, die Preise habe er nicht vermerkt. Für ihn ist es keine Kapitalanlage, ihm gehe es um „die Schönheit der Dinge, ihre Form und die handwerkliche Perfektion. Jeder Gegenstand ist einmalig, keiner gleicht je dem anderen“, sagt er.

Die Samurai, ursprünglich Soldaten von Kaiser und Adel, stiegen nach der Entstehung einer Militäraristokratie im zwölften Jahrhundert zur regierenden Schicht auf. Von diesem Zeitpunkt an beeinflussten sie sowohl Politik als auch Kunst und Kultur. Im alten Japan begann so ein Krieger- und Waffenkult, der seinesgleichen sucht.

Die Ausstellung zeigt nun Samurai-Kunst aus 700 Jahren: Die ältesten Exponate sind 1200 Jahre alt und reichen somit in die Zeit vor dem gesellschaftlichen Aufstieg der Samurai zurück. Die jüngsten sind auf das 19. Jahrhundert datiert.

Eine Rüstung mit Yak-Haaren und Bärenfell

Samurai-Rüstungen sind im Gegensatz zu europäischen flexibel. Sie wurden aus einem komplexen Gefüge aus edel bearbeiteten Metallteilen, robustem Leder, feiner Seide und präzisen Lackarbeiten gefertigt. Die Kunsthandwerker verzierten sie mit geometrischen oder floralen Mustern, manchmal auch mit Yak-Haaren oder Bärenfell. Besonders die Helme sollten die Individualität des Kriegers betonen: Sowohl die Formen als auch die fantasievollen Applikationen könnten unterschiedlicher nicht sein: Naturalistische Elemente wie vergoldete Blätter, Tierfiguren oder echte Hörner findet man ebenso wie abstrakte Symbolik.

Peter Janssens Lieblingsstück ist eine Rüstung auf der rechten Seite des Ausstellungsraumes, gekrönt von einem Helm mit gigantischen Hörnern. Sie symbolisieren „den Mond, der die Sonne verdeckt“, erklärt der Kunstsammler.

Als Visier trugen die Samurai-Krieger ebenso individuelle Masken mit einschüchternden menschlichen Gesichtszügen, einige samt angebrachtem Schnurrbart. Auch die minuziöse Detailgenauigkeit der ausgestellten Schwerter ist eine Augenweide. Besucher sehen dort filigran bearbeitetes Metall, Intarsien oder Schnitzereien, die Landschaften oder mythische Szenen zeigen, so fein gearbeitet, dass man eine Lupe bräuchte, um sie genau zu erkennen.

Die Kunstwerke wurden über Jahrhunderte in japanischen Familien weitergegeben, gepflegt und zum Teil auch dem Zeitgeist angepasst. So lässt sich auch der hervorragende Zustand der Exponate erklären, meint Janssen. Zudem waren vor der Ausstellung Experten wie der Brite David Thatcher, Spezialist für japanische Waffenrestaurierung, am Werk. Acht Tage brauchte er, um in die prächtige Rüstung 120 Meter Seidenband einzuweben.

Da aus Platzgründen im Museum nicht die vollständige Sammlung ausgestellt werden kann, darf sich der Besucher auf immer wieder wechselnde Ausstellungsstücke freuen: Ungewöhnliches, bisweilen Kurioses und immer Sehenswertes.

Samurai Art Museum, Clayallee 225d, Zehlendorf, Mi., Fr., So. 14.–18 Uhr. Eintritt 10/7,50 Euro, bis 12 Jahre frei