Patricia Schlesinger

RBB-Intendantin: „Es gibt hier keine Traumgehälter“

Patricia Schlesinger, Intendantin des RBB, spricht im Interview über die Entlohnung in der ARD und den Wahlerfolg der AfD.

Patricia Schlesinger, Intendantin des RBB

Patricia Schlesinger, Intendantin des RBB

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Seit gut einem Jahr ist Patricia Schlesinger Intendantin des Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB). Angetreten ist sie mit dem Ziel, das Fernsehprogramm zu verbessern – mehr Eigenproduktionen, mehr eigene Formate im Abendprogramm, höhere Quote.

Frau Schlesinger, es war zu lesen, dass Sie 257.000 Euro Gehalt im Jahr verdienen …

Patricia Schlesinger: ... schön, dass Sie das Interview damit anfangen …

… fühlen Sie sich angemessen bezahlt?

Ja, denn sonst hätte ich den Job nicht angetreten.

WDR-Intendant Tom Buhrow erhält 399.000 Euro. Finden Sie das ungerecht?

Sie erwarten doch nicht, dass ich über die Gehälter meiner Kollegen diskutiere?

Hilft es der Öffentlichkeit, wenn sie die Entlohnung der Intendanten kennt?

Der Beitragszahler soll wissen, dass bei uns keine Mammutgehälter gezahlt werden. Ich finde es eine gute Initiative, um klarzumachen: Wir zahlen gute Gehälter, aber sie liegen viel niedriger als in der freien Wirtschaft. Wer exorbitant reich werden will, muss woanders hingehen.

Eine viertel Million Euro verdienen die wenigsten in diesem Land.

Ich sage auch nicht, dass es wenig Geld ist. Aber es gibt beim RBB keine Traumgehälter. Wir zahlen angemessen und liegen im ARD-Vergleich im unteren Bereich.

Kann ein Außenstehender einordnen, welche Summe der Intendantin zusteht?

Man sollte zumindest die Umstände kennen. Mit einer 40-Stunden-Woche kommen Sie hier nicht ansatzweise hin, wirklich Urlaub machen geht auch nicht. Wer so einen Posten übernimmt, weiß das vorher.

Vor wenigen Wochen ist Ihre ambitionierteste Sendung, das Magazin „Abendshow“, gestartet. Sind Sie zufrieden?

Wir sind auf dem richtigen Weg, jetzt erfolgt die Feinabstimmung. Die Redaktion bekommt von mir Geduld; nicht unbedingt meine Haupttugend. Die „Abendshow” ist nicht in erster Linie dafür da, Quote zu machen. Sondern um zu zeigen: So etwas können wir beim RBB.

Was muss doch noch anders werden?

Nichts Grundlegendes. Beide Moderatoren finden sich allmählich, sowohl zueinander als auch in ihre jeweilige Rolle. Wenn man selbst moderiert hat, weiß man, dass man erstens nicht immer gleich gut ist, und sich zweitens vor der Kamera immer erst finden muss.

In diesem Jahr erlebt der RBB ein sanftes Quotenhoch. Wer ist dafür verantwortlich?

Die kluge Planung des Programmdirektors und seines Teams. Wir betrachten Vorabend, Hauptabend und Spätabend: An einem der drei Zeitpunkte müssen wir den Zuschauer begeistern. Interessant und erfreulich finde ich, dass auch die Nachrichten am frühen Nachmittag sehr gut angenommen werden. Auch der Montagabend, an dem wir unsere Ratgebersendung „Super.Markt“ ausstrahlen, entwickelt sich gut. Letztens hatten wir eine Quote von 7,2 Prozent – der beste Montagswert seit drei Jahren.

2018 wollen Sie die „Abendschau” reformieren. Warum machen Sie das bei einer Sendung mit einer Quote von 25 Prozent?

Wir werden die Sendung sanft anfassen, denn sie ist beliebt und wird gern gesehen. Wir machen uns zum Beispiel Gedanken über das Studiodesign.

Ist Ihnen die Sendung zu bieder?

Nein. Aber es gibt Elemente, die sich verändern lassen, ohne dass wir die Zuschauer verschrecken. Die „Abendschau” gehört den Berlinerinnen und Berlinern.

Ist das Arbeiten beim RBB anders als bei ihrem früheren Arbeitgeber, dem NDR?

Natürlich. Wir sind in Berlin-Brandenburg, das ist Hauptstadt-Region, allein das ist ein großer Unterschied. Ich treffe hier außerdem viele Mitarbeiter, die Lust darauf haben, etwas zu verändern. Am Wochenende bin ich im Supermarkt von einem RBB-Mitarbeiter angesprochen worden. Er hat gesagt: „Sie kennen mich nicht, aber Sie sind meine Intendantin. Ich wollte Ihnen nur sagen: Es ist toll, dass etwas passiert. Wir sind dabei.“ Das ist ein beglückendes Erlebnis. Natürlich gibt es immer auch welche, die Schwierigkeiten mit Veränderungen haben. Aber offenbar sind auch viele froh darüber, dass etwas passiert.

Und das war vorher nicht so?

Die Menschen wollen stolz darauf sein, für den RBB zu arbeiten. Wann sind wir stolz auf unseren Arbeitgeber? Wenn das Produkt stimmt. Das ist bei uns das Programm – egal, ob für die Sekretärin, den Postboten oder die Kamerafrau. Dafür müssen die Voraussetzungen für den Sender stimmen, vor allem finanziell. Das war nicht immer so.

Was verändert sich für den RBB durch den Einzug der AfD in den Bundestag?

Jedenfalls nicht unser Selbstbewusstsein. Gleichzeitig müssen wir es ernst nehmen, wenn eine politische Gruppe klagt: „Wir kommen nicht vor, wir werden nicht ordentlich behandelt.“

Verändert sich die Arbeit des RBB?

Nein, unser Kerngeschäft bleibt dasselbe: recherchieren, berichten, Meinung von Bericht trennen, gleiche Distanz wahren zu allen politischen Parteien und Strömungen. Wir werden die AfD im Bundestag nach denselben professionellen journalistischen Kriterien behandeln.

Hat das Fernsehen die AfD groß gemacht?

Derselbe Vorwurf ist uns damals gemacht worden, als die Grünen aufkamen. Und die AfD selbst behauptet heute, wir berichteten zu wenig über sie. Journalismus hat die Aufgabe, zu zeigen was ist. Groß gemacht haben wir die AfD nicht. Aber wir müssen sie einordnen, ohne jede Provokation, ohne jede verbale Entgleisung zu verstärken.

Ist es vielleicht gut für die Medien, dass die Zeiten in Deutschland wieder politischer, wieder kontroverser werden?

Unser Inforadio wird heute öfter eingeschaltet, es ist mittlerweile das viert-erfolgreichste Radio in Berlin. Nur Wort, keine Musik. Denselben Trend beobachten wir bei der „Tagesschau”: Mehr als zehn Millionen Menschen schauen jeden Abend zu. Das Informationsbedürfnis der Menschen ist größer geworden. Für uns ist das eine gute Nachricht, denn politische Informationen und Berichte sind und bleiben unser Kerngeschäft.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.