Universitätsklinik

Berliner Charité wächst und braucht 1,4 Milliarden Euro

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Joachim Fahrun
Bettenhaus der Charité in Mitte

Bettenhaus der Charité in Mitte

Foto: Jens Kalaene / dpa

Mehr Patienten, mehr Forscher, mehr Personal: Berlins Uniklinik wächst. Neubauten und Sanierungen sind eingeplant.

Berlin.  Die Charité wächst stärker als bislang angenommen. Diese Entwicklung der Berliner Universitätsklinik kostet auch mehr Geld. Senat und Charité-Aufsichtsrat schätzen den Investitionsbedarf an den Standorten in Mitte, Wedding und Steglitz für die nächsten Jahre auf 1,43 Milliarden Euro. Rund eine Milliarde davon sind noch nicht im derzeit beratenen Doppelhaushalt 2018/2019, in der bis 2021 reichenden Finanzplanung des Senats oder im Etat der Charité finanziert. Wie das Geld aufgebracht werden soll, muss in späteren Jahren entschieden werden.

Um die 22 größeren Neubau- oder Sanierungsvorhaben umzusetzen, die der Senat im aktualisierten Gesamtentwicklungsplan auflistet, müsste Berlin der Charité bis 2030 jährlich 90 Millionen Euro überweisen. Hinzu kommen Zuschüsse des Bundes und anderer Geldgeber. Nach den Worten von Wissenschafts-Staatssekretär Steffen Krach (SPD) ließen sich diese Projekte auch mit mehr Geld kaum schneller umsetzen: „100 Millionen Euro pro Jahr zu verbauen, ist schon ziemlich ambitioniert“, sagte Krach. Die Bauabteilung der Charité gilt als leistungsfähig, obwohl ihr Chef Christian Kilz Berlin verlassen hat.

Neue Gebäude mit 70.000 Quadratmetern Fläche

Die renommierte Universitätsklinik, die vom Magazin „Focus“ gerade zum siebten Mal in Folge zu Deutschlands bestem Krankenhaus gekürt wurde, entwickelt sich auf vielen Feldern deutlich besser als in früheren Planungen angenommen.

Der Senat billigte der Charité im Krankenhausplan 300 zusätzliche Betten zu, die Kapazität steigt damit auf 3001 Betten. 2016 wurden 139.443 Patienten stationär und fast 700.000 ambulant behandelt, jeweils deutlich mehr als im Vorjahr. Fast 7000 Studierende lernen an der Charité, noch vor wenigen Jahren war man von einem erheblichen Rückgang ausgegangen. Die Forscher warben 153 Millionen Euro Drittmittel von verschiedenen Geldgebern für ihre Projekte ein, ältere Planungen sahen 130 Millionen vor.

Um all dem Rechnung zu tragen, sollen neue Gebäude mit zusammen 70.000 Quadratmetern Fläche gebaut werden. Das entspricht in etwa der Dimension des gerade erneuerten Bettenhochhauses in Mitte.

Zudem will die Charité gut ein Fünftel ihrer Flächen sanieren. Dabei sollen auch Krankenstationen und Operationssäle an den Standorten Virchow in Wedding und Benjamin Franklin in Steglitz erneuert werden. Außerdem modernisiert die Charité ab dem kommenden Jahr an allen Standorten Sicherheitstechnik, IT-Infrastruktur, Heizungs- und Kältezentralen. Am Klinikum Benjamin Franklin in Steglitz entsteht ab 2020 auch eine neue Notaufnahme. Die charakteristische Fassade soll von 2021 an repariert werden.

Charité-Chef Einhäupl muss scharf kalkulieren

Größere Neubauten sollen vor allem der Forschung dienen. Ausnahme ist der mit fast 100 Millionen Euro veranschlagte Neubau des Herzzentrums inklusive zentraler Notaufnahme auf dem Virchow-Campus, der 2019 beginnt. Ebenfalls auf dem Virchow-Gelände wird das Berlin Center for Advanced Therapies für knapp 30 Millionen Euro errichtet. Hier werden neuartige Arzneimittel für innovative Therapieansätze entwickelt. Der Wissenschaftsrat hatte das Projekt im Mai empfohlen, der Bund bezahlt die Hälfte der Kosten. Ebenfalls der Forschung nahe am Patienten dient ein Neubau für das Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIG), der von nächstem Jahr an für 74 Millionen Euro neben dem Bettenhochhaus in Mitte geplant ist.

Damit die Charité die laufenden Kosten für die Patientenversorgung tragen kann, setzt der Senat auf den Bund, der die Universitätskliniken mit stärker fördern müsse. Denn allein der neue Tarifvertrag, der mehr Pflegekräfte pro Station vorsieht, kostet die Charité zwölf Millionen Euro für 270 zusätzliche Mitarbeiter.

Wenn die Charité, wie vom Senat beschlossen, die privaten Anteile der Dienstleistungstochter CFM zurückkauft und die Grundlöhne zunächst von 9,15 auf elf Euro anhebt, kostet das noch einmal mehr als vier Millionen Euro. Charité-Chef Karl Max Einhäupl muss weiter scharf kalkulieren, um rote Zahlen zu vermeiden. Der Aufsichtsrat wird den Vertrag des 70 Jahre alten Neurologen am Freitag wohl bis 2020 verlängern.

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