Spitzberg Partners

Guttenbergs Firma ist weltweit präsent - aber kaum zu finden

Laut Karl-Theodor zu Guttenberg sind Büros seiner Firma „da, wo die Mitarbeiter sind“. Er verweist auf „Betriebsinterna“

Laut Karl-Theodor zu Guttenberg sind Büros seiner Firma „da, wo die Mitarbeiter sind“. Er verweist auf „Betriebsinterna“

Foto: Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Guttenberg verweist bei Comeback-Spekulationen auf seine expandierende Firma. Stellt man dazu Fragen, kommt Post vom Anwalt.

Seit Wochen wird über ein politisches Comeback von Karl-Theodor zu Guttenberg spekuliert. Doch dieser will seine Wahlkampfauftritte für die CSU nur als kurzzeitige „Hilfe“ verstanden wissen und verweist auf Verpflichtungen durch seine Investment- und Beratungsfirma „Spitzberg Partners“ in New York. Am Rande einer Wahlkampfrede erklärt ein Zuhörer sich das so: „Er kann ja auch nicht sagen: Ich will jetzt wiederkommen. Er muss gerufen werden.“ Und gerufen wird er. CSU-Chef Horst Seehofer kann sich Guttenberg sogar wieder als Bundesminister vorstellen. Doch der weist solche Gedankenspiele zurück. Der 45-Jährige, der 2011 wegen seiner plagiierten Doktorarbeit als Minister zurücktrat, will zwar eine Rückkehr nicht ausschließen. Er sagt aber, die „Expansion“ seines Unternehmen fülle ihn „gänzlich aus“.

Laut „Spitzberg Partners“-Homepage gibt es neben dem Hauptsitz in New York inzwischen „Büros und Personal“ in Toronto, Washington, Zagreb und Berlin. Will man sich vor Ort aber einmal umsehen, wird man enttäuscht. Adressen und Telefonnummern dieser Standorte führt die Seite nicht auf, „Spitzberg“-Mitarbeiter reagieren sehr zurückhaltend. Mehrere E-Mail-Anfragen der Berliner Morgenpost beim Hauptsitz in den USA, wo genau sich die Berliner Dependance befindet, bleiben zunächst unbeantwortet. Nach weiteren Nachfragen im Zuge der Recherche kommt letztlich Post von Anwalt Christian Schertz. Der Experte für Persönlichkeitsrecht von Prominenten schreibt von „Betriebsinterna“, „warnt“ vor „Falschberichterstattung“ und will „notfalls“ Gegendarstellung und Unterlassung durchsetzen.

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Der Guttenberg-Vertraute Gartzke will vertraulich sprechen

Die erste Rückmeldung kommt aus der „Spitzberg Partners“-Leitungsebene, von Geschäftsführer Ulf Gartzke. Der Guttenberg-Vertraute und einstige Chef der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung organisierte für Guttenberg laut „Spiegel“ früher Reisen in die USA, als dieser noch Minister war. 2013, zwei Jahre nach dem Rücktritt von Guttenberg, gründeten er und Gartzke „Spitzberg Partners“. Die Firma beschäftigt laut Website ein „wachsendes Team“, berät Start-ups und investiert auch selbst.

Gartzke will reden, schlägt ein Telefongespräch „off the record“ vor, wie er schreibt. Seine Aussagen möchte er also nicht in der Zeitung lesen. Gleichwohl: Gartzke bestätigt die Existenz einer Büroleiterin in Berlin und nennt eine Adresse an der Kantstraße in Charlottenburg. Diese findet sich nicht auf der Firmen-Homepage, steht aber auf Guttenbergs persönlicher Seite „zuguttenberg.de“ im Impressum.

Firmenname am Briefkasten, nicht auf der Klingel

Beim Ortsbesuch an dem Haus an der Kantstraße gibt es auf eine „Spitzberg Partners“-Niederlassung äußerlich keinen Hinweis. An den Klingelschildern finden sich aber die Namen „Guttenberg“ und „G Family Office“, ebenfalls an einer Eingangstür im Hinterhaus. Die Klingel am verschlossenen Hinterhaus weist nur ein „G Family Office“ aus. Einer der Hausbriefkästen im Treppenhaus führt neben der Aufschrift „Büro Karl-Theodor zu Guttenberg“ auch eine „SPNYC Management GmbH“ auf. Von der steht an der Haustür weiter oben nichts. Auf wiederholtes Klingeln öffnet an dem Vormittag niemand, auch anderntags nicht.

Bei einem späteren Versuch antwortet eine Frauenstimme an der Gegensprechanlage. Es ist die Büroleiterin, eine Frau Anfang 30. Wie man sie mal telefonisch erreichen kann? Sie kommt in den Innenhof, der Reporter stellt sich vor. Bei „… von der Morgenpost“ wirkt sie erschrocken. Der Anruf bei Gartzke ist Monate her, aber sie weiß sofort, worum es geht. „Ich dachte, Herr Gartzke hat mit Ihnen gesprochen?“ Sie lächelt wieder. Ja, der habe sich leider nicht mehr gemeldet. Sie könne „gern noch mal nachfragen“, sagt sie, übergibt ihre Karte und geht zurück in den Hausflur. Der Name ist im Internet zu finden: In einem Beitrag Guttenbergs in einem US-Politikmagazin wird sie als Mitautorin genannt.

Das „G Family Office“ gibt es schon seit Jahren

Das „G-Family Office“ gibt es schon länger an der Kantstraße. Von hier aus ließ Guttenberg 2011 Entschuldigungsschreiben versenden an Akademiker, deren Texte er für seine Doktorarbeit plagiiert hatte. Family Offices sind, vereinfacht gesagt, Dienstleister für reiche Familien. „Ein Family Office kümmert sich vor allem um Vermögensverwaltung, erbringt oft aber auch andere Dienstleistungen, regelt etwa den Postverkehr einer Familie oder bucht Reisen“, erklärt Thomas Vollkommer vom Family Office Berliner Vermögenskontor.

Nur der Name vom Briefkasten führt zum Treffer

Blick ins Berliner Handelsregister. Dort sind unter „Guttenberg“ und „Spitzberg Partners“ keine Einträge verzeichnet. Der exakte Name vom Briefkasten aber führt zum Treffer. Die „SPNYC Management GmbH“ wurde im Juli 2016 „errichtet“, wie es im Register heißt, mit Unterschriften von Guttenberg, Gartzke und Martin Bernreuther. Der ist auch als Geschäftsführer eingetragen. Als Beteiligte genannt sind die von Karl-Theodor zu Guttenberg gegründete „SPNYC Verwaltungs GmbH“, sowie „Spitzberg Partners“ unter New Yorker Adresse, letztere mit einer Hafteinlage von 5000 Euro.

Einer Recherche des „Deutschlandfunks“ zufolge hatte Bernreuther schon einmal ein Büro für Guttenberg geleitet. Ein „Bürgerbüro“, das Guttenberg den Menschen in seiner Heimat bei seinem Abschied 2011 versprochen hatte. Mit einer „erfahrenen Vollzeitkraft“ und „auf eigene Kosten“. Laut Bericht handelte es sich bei dieser Kraft um Bernreuther, damals zugleich stellvertretender Junge-Unions-Kreisvorsitzender in Guttenbergs Heimat und tätig in der CSU-Geschäftsstelle Kulmbach, an der identischen Adresse wie das „vermeintliche Bürgerbüro“, wie es im Beitrag heißt. Auf Rückrufbitten unter der Bürgerbüro-Nummer und auf E-Mails habe niemand reagiert, Bernreuther sei selten anzutreffen gewesen.

In der Folge stieg dieser weiter auf, ist nun CSU-Bürgermeister in Thurnau, keine halbe Autostunde vom fränkischen Anwesen der Guttenbergs entfernt. Zugleich ist er Geschäftsführer der beiden SPNYC-GmbHs an der Kantstraße. Der Geschäftszweck der Verwaltungs GmbH ist laut Register die Beteiligung an der Management GmbH. Deren Zweck wiederum sei Investitionsberatung. Mit Anmeldung vom 16.11.2016 änderte Bernreuther den Geschäftszweck. Seitdem gehört auch „die Vermittlung von Rednerauftritten“ dazu. Auf die schriftliche Frage, welche Redner die Firma vermittelt habe außer Karl-Theodor zu Guttenberg: keine Antwort.

Unterhält „Spitzberg Partners“ überhaupt diese Büros? Keine Antwort

Diese und weitere Fragen schickt die Morgenpost per E-Mail an „Spitzberg Partners“, fragt nach den Büroadressen, Telefonnummern, Zahl der Mitarbeiter, Umsatz. Gartzke antwortet, diesmal schneller, man äußere sich nicht zu „Betriebsinterna, Klienten oder Investments“. Und: „Alternativ und mit Blick auf etwaige Berichterstattung verweisen wir auf Herrn Rechtsanwalt Prof. Dr. Christian Schertz“. Die erneute Bitte an Gartzke, die Büroadressen zu nennen, da diese keine Interna berührten, bleibt ohne Antwort. Ein separater Fragenkatalog geht an den Anwalt. Darin nunmehr auch die Frage, ob „Spitzberg Partners“ überhaupt an den online genannten Standorten Büros unterhält. Als Reaktion kommt die „Warnung“ von Schertz.

Anruf bei Martin Bernreuther. Auch er weiß sofort, worum es geht. Angesprochen auf seine Geschäftsführer-Tätigkeit, verweist er auf die Antworten von Gartzke und Schertz. Dabei werde es bleiben. Adressen in Toronto, Zagreb und Washington will auch er nicht nennen.

Dass Guttenbergs Firma sich mit Digitalwirtschaft und regulatorischen Fragen beschäftigt, hat ihm, dem „Chairman und Co-Founder der New Yorker Investment- und Beratungsfirma Spitzberg Partners“, zu neuem Renommee verholfen, nicht nur innerhalb der CSU. Mit dem neuen Titel veröffentlichte Guttenberg politische Meinungsbeiträge bei „New York Times“, „Handelsblatt“ und „Bild“, trat im US-Fernsehen auf, hielt Vorträge auch in Deutschland.

Angesprochen auf damals schon kursierende Comeback-Spekulationen, sagte Guttenberg beim Vertriebsmanagementkongress 2016: „Vieles, was in eine Person projiziert wird, hat relativ wenig mit der Realität zu tun. Zweitens, ich habe verdammt viel Freude, wieder im ‘private sector’ zu sein.”

Wieder? Als ein Team des Magazins „Panorama“ 2009 Guttenbergs Lebenslauf auf dessen angegebene Tätigkeit in der Wirtschaft prüfte, fand es sich vor einer Forstverwaltung wieder, und sein Beitrag zum Börsengang der Rhön-Kliniken, die einst zum Teil seiner Familie gehörten, stellte sich dem Bericht zufolge als seine Teilnahme bei einer Veranstaltung und Sitzungen heraus – mit 18.

Bei dem Kongress sprach Guttenberg auch davon, wie er versuche, die unterschiedlichen Welten zusammenzubringen, also Politik und das, was er inzwischen gelernt habe, „in New York, wo wir unsere Headquarters haben, aber auch in San Francisco, wo wir Büros haben, wo wir in Toronto sitzen, auch in Washington.“

„Scheitern dürfen, damit man wieder neu anfangen kann“

2015 empfing Guttenberg den Bayerischen Rundfunk am Hauptsitz von „Spitzberg Partners“, einer Büroetage im New Yorker Stadtteil Soho. Vor hipper New Yorker Kulisse sagt er im Beitrag: „Man muss scheitern dürfen in Bayern und Deutschland, damit man wieder neu anfangen kann, ohne dass man das Land verlassen muss, weil man stigmatisiert ist.“ Er sehe „keinen einzigen Politiker, der ein großes internationales Format hat in Bayern.“

Guttenberg sagt solche Dinge oft. Es brauche jemanden in der deutschen Politik, der sich auskenne mit Digitalisierung und Start-ups. Man müsse in der Regierung jemanden schaffen, „der für dieses Feld allein zuständig ist“, forderte Guttenberg bei dem Managementkongress.

Inzwischen sei er über sein politisches Karriere-Aus „auch dankbar, weil ich’s in einem Alter erlebt habe, wo man daraus seine Lehren ziehen kann und letztlich einen Schritt weiter machen kann.“ Einen Schritt weiter ins Ministeramt? Dazu sagte Guttenberg bei „Phoenix“: „Das Letzte, was ich will, ist, in einem expandierenden Unternehmen, das ich jetzt führen darf, nur eine Zweckgemeinschaft für meine eigene politische Zukunft zu sehen.“ Diesen Gedanken hatte zuvor niemand geäußert, Guttenberg sagt das einfach so.

Der Spitzberg ist nur ein „bewaldetes Häubchen“

Am Rande eines Wahlkampf-Auftritts im bayerischen Moosburg spricht der Morgenpost-Reporter Guttenberg an, fragt ihn, wo die Büros von Spitzberg Partners in Washington, Toronto und Zagreb sind. Guttenberg, gerade im Trachtenjanker auf dem Weg ins Festzelt, stutzt, sagt: „Die Büros sind da, wo die Mitarbeiter sind.“ Nachfrage: „Warum bekommen wir Post vom Anwalt, wenn wir das fragen?“ Guttenberg, barsch: „Weil wir keine Auskunft geben über Betriebsinterna. Relativ einfach.“

Geschäftsführer Ulf Gartzke erzählte übrigens einmal dem „Spiegel“, woher der Name „Spitzberg Partners“ stammt. So heißt ein Berg in Guttenbergs einstigem Wahlkreis. Für die Amerikaner klinge der Name nach Tradition, nach alteingesessener Kanzlei. Dabei handele es sich eher um ein „bewaldetes Häubchen“. Der Spitzberg sei eigentlich gar kein Berg. Nur sein Name erweckt den Anschein.

Nachtrag: Am 6. Oktober veröffentlichte "Spitzberg Partners" auf ihrer Webseite eine Stellungnahme zu den Recherchen der Berliner Morgenpost. Darin heißt es: "Angesichts eines hochspekulativen, tendenziösen und fehlerhaften Berichts der Berliner Morgenpost und zur Vermeidung etwaiger Fehlinterpretationen nehmen wir gerne Stellung. Zu unser Präsenz in u.a. Washington, DC, Toronto und Zagreb: Businessanfragen, Pitches und ein Großteil der Kommunikation laufen federführend über das New Yorker Büro. Eine andere Organisationsstruktur würde zu vermeidbaren Dopplungen führen. Mitarbeiter und Partner an den anderen sowie den genannten Standorten sind allerdings vor Ort direkt für die dort ansässigen Klienten, Partner und Firmen, in die wir investiert haben oder dieses intendieren – etwa im Rahmen von Due Diligence Prüfungen – erreichbar. Falls erforderlich, sind Mitarbeiter auch gelegentlich und für den notwendigen Zeitraum direkt bei den Klienten ansässig. In wenigen Einzelfällen gestatten wir Mitarbeitern, einen Teil ihrer Arbeit von ihrem Heimatort zu verrichten." ... (weiter im PDF)