Neue Drohnenverordnung

Auf die Plätze, fertig, hoch! Neue Regeln für Drohnen

Drohnen werden immer beliebter. Sie bergen zwar Gefahren, bieten aber auch reichlich Potenzial. Jetzt reagiert das Verkehrsministerium.

Drohnenexperte Stefan Förster hat sein Geschäft in Französisch Buchholz

Drohnenexperte Stefan Förster hat sein Geschäft in Französisch Buchholz

Foto: Jörg Krauthöfer

Über einen schmalen, erdigen Weg betritt Stefan Förster ein weit vom Stadttrubel abgelegenes Feld in Pankow. Ein guter Ort, um ungestört sein schwarzes, insektenförmiges Flugobjekt in die Luft steigen lassen. Mit seinem Handy, in das er eine Fernbedienung integriert hat, schaltet er das Gerät an und löst damit ein lautes Surren aus. Schlagartig schnellt seine DJI Mavic Pro knapp 20 Meter in die Höhe, als er den Speedmodus der Drohne einschaltet.

Förster liegt mit seiner Drohne voll im Trend. Nach Angaben der DFS, der "Deutschen Flugsicherung GmbH", sind derzeit rund 400.000 der Fluggeräte über den Dächern Deutschlands unterwegs. Für das gesamte Jahr 2017 pro­gnostiziert Ute Otterbein, Sprecherin der Deutschen Flugsicherung (DFS), etwa 500.000 bis 600.000 Drohnenverkäufe in Deutschland. Zahlen für Berlin sind nicht bekannt. Eine genaue Einschätzung ist schwierig, da Drohnen bislang nicht registriert werden müssen.

Nach Otterbein ist dies auch ein Grund dafür, dass sich viele Käufer der Verantwortung, die mit dem Kauf einer Drohne einhergeht, nicht bewusst sind. "Mit dem Kauf einer Drohne wird man zum Piloten", sagt Otterbein. Als solcher Teilnehmer des Luftverkehrs hat man einige Flugregeln zu beachten. Ende März hatte das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur eine Drohnenverordnung erlassen, deren wichtigste Bestimmungen ab dem 1. Oktober 2017 gelten (siehe unten).

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Behinderungen von Flugzeugen nehmen zu

Auch Förster hat mit dem Fliegen in erlaubten Bereichen schon unangenehme Erfahrungen gemacht. Als er mit seiner Drohne Fotos aus der Vogelperspektive für eine Hochzeitsgesellschaft schoss, hat sich beispielsweise eine Anwohnerin geärgert und Drohnen mit Methoden der Stasi verglichen. "Ich habe ihr dann eine halbe Stunde lang erklärt, wer ich bin und was ich mache. Irgendwann hat sie dann aufs Display geguckt und meinte, das sieht ja doch ganz interessant aus", erzählt Förster.

Voraussetzung für eine gelungene Kommunikation ist aber, dass sich Drohnenflieger an die bestehende Gesetzgebung halten. Das machen aber nicht alle. So hat die Flugbehinderungen von bemannten Flugobjekten – beispielsweise Passagierflugzeugen – in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Während es 2015 laut der DFS zu 14 Flugbehinderungen in Deutschland kam, waren es 2016 schon 64. Im aktuellen Jahr wurden bis Ende August bereits 60 Flugbehinderungen verzeichnet, die heiße Phase läuft aber noch.

Auch in Berlin störten Drohnen schon den Flugverkehr: 2016 vier in Tegel und eine in Schönefeld, 2017 bereits neun in Tegel und drei in Schönefeld. Die Erfassung dieser Behinderungen sieht Otterbein als Kernproblem, da Drohnen für Fluglotsen nicht auf dem Radar erscheinen. Die bisherigen Sichtungen wurden allesamt von betroffenen Piloten gemeldet. "Auch wenn es noch zu keiner Kollision kam, nehmen wir die Vögel aus Metall durchaus ernst", sagt Otterbein. Sollte eine Drohne etwa in die Triebwerke gelangen, können diese ausfallen.

Deutsche Post, Telekom und Deutsche Flugsicherung mit Forschungsprojekt

Um Derartiges zu vermeiden, haben die DFS, Telekom und die Deutsche Post ein gemeinsames Forschungsprojekt ins Leben gerufen: Sie suchen nach Möglichkeiten, Drohnen an das bestehende Flugsicherungssystem anzubinden, um diese auf dem Flugradar sichtbar zu machen. Ebenso hat ein erster Test der Telekom gezeigt, dass es möglich ist, die unbemannten Fluggeräte auch in mehreren Hundert Metern Höhe mithilfe des Mobilfunknetzes zu orten. Weiterhin wird auch bei den Drohnenfliegern selbst angesetzt. So bietet die Deutsche Flugsicherung GmbH auf ihrer Webseite Informationen an. Außerdem kann man sich seit Juli diesen Jahres die "DFS-Drohnen-App" herunterladen.

Die App bietet eine interaktive Landkarte, die Hobbypiloten zeigt, wo sie fliegen dürfen und Alarm schlägt, wenn die Drohne in unerlaubten Gebieten fliegt. Darüber hinaus kann man sich mit der App auch über geltende Regelungen und Vorschriften informieren.

Ein weiterer Schritt Richtung Luftraumschutz soll mit den sogenannten Drohnenabwehrsystemen getan werden. Drohnentracker können die Drohnen lokalisieren, lösen einen Alarm aus und sichern die Beweise für den Verstoß. "Ebenso wie bei den Drohnen nimmt auch der Markt der Drohnenabwehrsysteme eine rasante Entwicklung", berichtet Otterbein. Trotz aller Gefahren, die von Drohnen ausgehen können, haben sie auch riesiges Potenzial. Es gibt einige sinnvolle Einsatzmöglichkeiten: etwa zur Notversorgung mit Blutkonserven oder Medikamenten in schwer zu erreichenden Zonen oder gar Kriegsgebieten. Auch bei katastrophalen Ereignissen wie Erdbeben oder schweren Unfällen können die Fluggeräte genutzt werden, um sich einen schnellen Überblick über die Situation zu verschaffen. Und so weiß auch Otterbein die guten Seiten an Drohnen zu schätzen: "Drohnen können Leben retten". Auch Hobby- wie Profifotografen wissen die neuen Möglichkeiten für Luftbilder zu schätzen.

Unerfahrene Piloten sollten Wind nicht unterschätzen

"Es macht auch einfach Spaß", sagt Förster, während ein kräftiger Windstoß seine Drohne etwa einen halben Meter nach rechts reißt. Besonders bei erschwerten Bedingungen wie starkem Wind muss man allerdings darauf reagieren. In manchen Fällen reicht es, die Flughöhe anzupassen. So macht es auch Förster, dessen Drohne sich jetzt nur noch auf Kopfhöhe befindet. Seine Mavic Pro ist stabil, er meint zumindest, in diesem Fall reiche das aus. Aber gerade weniger erfahrene Piloten mit günstigeren Modellen sollten ihre Drohne bei solchem Wetter nicht abheben lassen.

Neue Regeln

Führerschein: Außerhalb von Modellflugplätzen muss an die Drohne eine Plakette mit Namen und Adresse des Besitzers angebracht werden. Außerdem müssen Besitzer von Drohnen, die mehr als zwei Kilogramm wiegen, ab Oktober diesen Jahres in einem eintägigen Kurs einen Drohnenführerschein machen. In einigen Zonen ist das Fliegen grundsätzlich untersagt, dazu gehören sensible Bereiche wie Einsatzorte von Polizei und Rettungskräften, Menschenansammlungen und Kontrollzonen von Flugplätzen. Ob und wie viele Drohnen in diese Zonen eingedrungen sind, ist nicht bekannt. Die Polizei führt keine Statistik darüber.

Orte: Doch auch wenn man nur in erlaubten Bereichen fliegt, kann es zu Auseinandersetzungen über Drohnen kommen. Auf Teilen des Tempelhofer Feldes etwa, ist das Fliegen nicht verboten, wird aber dennoch ungern gesehen. So sagte ein Sprecher der Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr, der erlaubte Südostteil des Feldes sei eigentlich ungeeignet, "weil es dort sowohl Vogelschutzbereiche als auch besonders stark von Besuchern genutzte Flächen gibt". Weiterhin besteht die Gefahr, dass die Drohne außer Kon­trolle gerät und in die Nordhälfte des Feldes eindringt. Diese zählt wiederum schon zum Sicherheitsbereich über den Regierungsgebäuden und gehört somit zur Flugverbotszone.

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