Steglitz

Gemäldegalerie to go: Kunst auf der Schloßstraße

Akteure vom Kunst.Raum.Steglitz veranstalten im Oktober einen ganz besonderen Kunstspaziergang.

Kunst statt Kommerz: Bald werden Gemälde über die Schloßstraße getragen

Kunst statt Kommerz: Bald werden Gemälde über die Schloßstraße getragen

Foto: dpa Picture-Alliance / Schoening Berlin / picture alliance / Arco Images

Wenn im Oktober ein Gemälde über die Schloßstraße in Steglitz getragen wird, dann ist das kein Umzug, sondern ein "subversiver Kunstspaziergang". Mit dabei sind verschiedene Künstler mit Collagen, Fotos, Installationen, Skulpturen. Sie alle bringen ihre Arbeiten, die in Ateliers und Werkstätten entstehen, an die Luft – also heraus aus ihren Privaträumen an die Öffentlichkeit. Der Kunstwerke-Spaziergang, der am 15. Oktober, ab 14 Uhr, von der Tiburtius-Brücke über die Schloßstraße bis zum Hermann-Ehlers-Platz führt, wird vom "Kunst.Raum.Steglitz" veranstaltet. Der Verein begeht damit auch sein dreijähriges Bestehen.

Elf Künstler waren am 14. Oktober 2014 dem Aufruf von Stephani Bahlecke gefolgt, sich in einem Steglitzer Café zu treffen. Die Objekt- und Aktionskünstlerin hat den Verein gegründet, "um Steglitz mit mehr Kunst zu füllen". Sie will eine zukunftsorientierte Kunstszene im Südwesten aufbauen und bei regelmäßigen Treffen, Veranstaltungen und Kooperationen einen Austausch von Bildhauern, Grafikern, Malern, Musikern, Sängern und Autoren ermöglichen. "Es gibt so viele Orte in Steglitz, die man mit Kunst bespielen kann", sagt die Gründerin. Wie zum Beispiel die Schloßstraße. Mehr Vielfalt, mehr Kunstformen, wie auch Performances, das ist das Ziel des Vereins.

Mittlerweile sind mehr als 50 Mitglieder in dem Verein, die so gut im Bezirk vernetzt sind, dass sie gemeinsam oder in kleinen Gruppen in Ausstellungen oder bei Events auftreten. So gibt es Kooperationen mit der Achim-Freyer-Galerie im Kadettenweg und dem ehemaligen Frauenknast an der Söth­straße in Lichterfelde, das seit einem Jahr unter dem Namen "Soeth7" ein neuer Ort für Kunst, Kultur und Veranstaltungen ist. Bereits zum zweiten Mal haben die Künstler des Vereins in diesem Jahr am Tag des offenen Denkmals in den alten Gefängniszellen ihre Arbeiten gezeigt. Das Echo war groß, die Ausstellung gut besucht. Die Künstler stellen aber auch in Treppenhäusern, Wohnzimmern oder auch in Cafés aus.

Nach mehrmaligen Treffen in Cafés mussten die Künstler feststellen, "dass es zu laut war für einen ernsthaften Diskurs", so Stephani Bahlecke. Einen neuen Treffpunkt und Ausstellungsort hat der Verein im "Primobuch" in der Herderstraße 24 gefunden. Judith Moser hat dort im Dezember 2014 ein modernes Antiquariat auf zwei Etagen eröffnet. Sie ist eigentlich Sozialarbeiterin und "das bin ich hier immer noch zu 85 Prozent", sagt die Ladeninhaberin. Ihr Geschäft habe sich zu einem Nachbarschaftstreff entwickelt. Neben dem Verkaufsraum mit Berlin-Literatur, Krimis, Kinderbüchern und Biografien hat sie einen Kunstraum eingerichtet.

Die Namensgleichheit mit dem Verein ist zufällig und doch passend: Der Kunst.Raum.Steglitz. hat den Raum mit einer ersten Ausstellung eröffnet. Heute sind dort regelmäßig wechselnde Werkschauen, aber auch Konzerte und Lesungen. So liest zum Beispiel der Steglitzer Autor Kay Fischer, der auch als Entenflüsterer vom Stadtpark Steglitz bekannt ist, am 14. Oktober, 19 Uhr, aus seinem Buch "Zootopolis" im Primobuch. Der Bedarf für ein Kunst- und Kulturnetzwerk mit einem festen Anlaufpunkt ist groß. "Ich habe jede Menge Anfragen", sagt Judith Moser. Der Ausstellungsraum sei bis 2019 ausgebucht, die Termine für Lesungen bis Frühjahr 2018.

Eines Tages will Stephani Bahlecke eigene Räume für die Künstler des Vereins haben, die sie dauerhaft bespielen kann. Das ist ihr Traum. Immerhin gibt es einen regelmäßigen Treffpunkt: Der Stammtisch der Kunstfreunde ist an jeden dritten Donnerstag im Monat, 19 Uhr, im Café GM26 in der Gutsmuthsstraße 26.

www.kunstraumsteglitz.de

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