Steglitz

Der Bierpinsel ist mit Asbest verseucht

Der krebserregende Stoff wurde an der Fassade und im Innenbereich verbaut. Die Verhandlungen über einen Verkauf stocken.

Der Bierpinsel an der Schloßstraße steht im Online-Katalog von Sotheby’s für 3,2 Millionen Euro zum Verkauf

Der Bierpinsel an der Schloßstraße steht im Online-Katalog von Sotheby’s für 3,2 Millionen Euro zum Verkauf

Foto: dpa Picture-Alliance / Schoening Berlin / picture alliance / Arco Images

Es klang wie eine große Überraschung: Der Bierpinsel soll bei Sotheby’s für 3,2 Millionen Euro verkauft werden. Nach Jahren des Leerstandes wollte sich Eigentümerin Tita Laternser nun also doch von dem knapp 50 Meter hohen Turm an der Steglitzer Schloßstraße trennen. Mit dem Erscheinen des Angebots im Online-Katalog der Immobiliensparte des Auktionshauses waren ihre Verkaufsabsichten erstmals in der Öffentlichkeit.

Im Hintergrund jedoch versucht die Eigentümerin schon länger, das denkmalgeschützte Bauwerk loszuwerden. Doch bei Verhandlungen mit einem Interessenten im vergangenen Jahr hat sich herausgestellt: Im Bierpinsel wurde, wie häufig in den 70er-Jahren, Asbest verbaut. Das geht aus einem Gutachten hervor, das der Berliner Morgenpost vorliegt.

Im vergangenen Jahr hatte sich ein Investor aus den Niederlanden, der in Steglitz lebt, in den ehemaligen Gastronomieturm „verliebt“, erzählt ein Architekt, der mit dem Niederländer zusammenarbeitet. Er wollte ihn kaufen – die Verhandlungen wurden aufgenommen, Gutachter und Fachplaner wie Brandschutzexperten und Statiker beauftragt. Noch vor Jahresende 2016 lagen alle Unterlagen vor. Bei der Überprüfung des Gebäudezustandes stießen die Experten auf Asbest. In dem gesamten Bauwerk, sowohl an der Fassade als auch im Innenbereich, war der krebserregende Baustoff zu finden.

Investitionskosten betragen fünf Millionen Euro

Diese neue Erkenntnis erforderte eine neue Verhandlungsrunde, nicht zuletzt über den Preis. Denn jetzt sah sich der interessierte Käufer zusätzlich mit der Asbestsanierung konfrontiert. Zu diesem Zeitpunkt hatte das beauftragte Architekturbüro bereits ein komplettes Umbau- und Sanierungskonzept erstellt, in dem auch ein Zugang für die Öffentlichkeit zum Dach vorgesehen ist. Denn so die Einschätzung des Architekten: „Mit derzeit 950 Quadratmetern und in Anbetracht des Investitionsbedarfs ist ein wirtschaftlicher Betrieb des Gebäudes nicht möglich.“ Die Investitionskosten, inklusive Asbestsanierung, wurden mit fünf Millionen Euro veranschlagt.

Doch im Januar 2017 dann eine weitere Überraschung: Der Bierpinsel wird unter Denkmalschutz gestellt. Das wiederum hat große Auswirkungen auf die Umbaupläne. Wieder treffen sich die Parteien am Verhandlungstisch. „Man kann nichts kaufen, ohne Sicherheiten, was man mit dem Gebäude machen kann“, so der beauftragte Architekt. Der Bierpinsel steht auf einem Grundstück, das dem Bezirk Steglitz-Zehlendorf gehört und für das es bis 2070 einen Erbbaupachtvertrag gibt. Darin ist auch die Gastronomienutzung festgeschrieben. Aber möglicherweise lassen die neuen Brandschutzbestimmungen und die Auflagen des Denkmalschutzes eine solche Nutzung gar nicht mehr zu. Was dann? Diese Fragen sollten vorher geklärt werden.

Doch seit zwei Monaten hat der niederländische Investor nichts mehr von den Eigentümern gehört. Stattdessen kam jetzt die Verkaufsofferte bei Sotheby’s. Axel Bering, Geschäftsführer der Schlossturm GmbH, die die Eigentümerin vertritt, bestätigt die Verhandlungen im vergangenen Jahr. „Letztendlich sind wir uns über den Kaufpreis nicht einig geworden“, sagt Bering. Das Problem sei, dass der Bierpinsel keine fertige Immobilie sei, sondern eine, in die noch Entwicklungskosten fließen müssen. Dabei habe es „starke Differenzen“ gegeben.

Stahlträger des Bauwerks sollen frei von Asbest sein

Den Asbest sieht der Geschäftsführer nicht als das Problem. „Die Stahlträger sind frei von Asbest“, sagt Bering. Tatsächlich befände sich aber gebundener Asbest in den Fassadenplatten. Seiner Ansicht nach müssen diese nicht entfernt werden. Nur die Bearbeitung oder die Verlegung von Leitungen hinter den Platten sollten von einer Spezialfirma übernommen werden.

Parallel zur Ausschreibung bei ­Sotheby’s arbeitet Bering am Brandschutzkonzept für den Bierpinsel. Er muss die Frage klären, ob mit einem geforderten zweiten Fluchtweg und einer Begrenzung der Personenzahl, die sich gleichzeitig in dem Gebäude aufhalten, Gastronomie weiterhin betrieben werden kann. Sollte das nicht mehr möglich sein, ist der Bezirk gefragt: Nur er kann die im Erbbaupachtvertrag festgeschriebene Gastronomienutzung ändern. Aus dem Bezirksamt ist bereits die Bereitschaft zur Änderung der Nutzung zu erkennen. Hauptsache, der Leerstand werde beendet, heißt es aus dem Rathaus.

Der Bierpinsel – nach den Plänen der Architekten Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte erbaut, die auch das ICC Berlin entwarfen – wurde 1976 an der Schloßstraße eröffnet. Bis zur Schließung 2002 waren immer Cafés, Restaurant und Bars in den drei Etagen. Nach einer ersten Sanierung wurde der Turm von 2003 bis 2006 als Diskothek und Sportsbar genutzt, dann jedoch wieder geschlossen und schließlich verkauft. Ein Wasserschaden im Winter 2009/2010 zog einen jahrelangen Versicherungsstreit nach sich, der mittlerweile beendet ist. Damit könnten die Eigentümer den Bierpinsel sanieren und wiedereröffnen. Wenn er nicht vorher bei Sotheby’s verkauft wird.

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