Lichtenberg

In Karlshorst halten bald keine Regionalzüge mehr

Senat und Bahn lehnen den Betrieb über 2017 hinaus ab. Der Grund: Die Erneuerung des Bahnsteigs sei zu teuer und zu langwierig.

In Karlshorst werden ab dem 10. Dezember keine Regionalzüge mehr halten

In Karlshorst werden ab dem 10. Dezember keine Regionalzüge mehr halten

Foto: Massimo Rodari

Die Proteste von Anwohnern und Fahrgastverbänden haben am Ende nichts genutzt. Im aufstrebenden Lichtenberger Ortsteil Karlshorst werden ab 10. Dezember keine Regionalzüge mehr halten. Und zwar nicht für eine Übergangszeit, sondern dauerhaft. Das teilte der Senat am Mittwoch mit. Begründet wird die Entscheidung mit den hohen Kosten und langwierigen Sperrungen, die mit einer Grunderneuerung der Bahnsteige verbunden seien. Ein kleines Trostpflaster gibt es für die Karlshorster aber: Wenigstens der benachbarte S-Bahnhof wird ab Februar 2018 umgebaut und saniert, so die Senatsverkehrsverwaltung.

Dabei besteht der bis heute provisorisch anmutende Regionalbahnhalt in Karlshorst bereits seit mehr als 55 Jahren. Er ist ein Relikt aus der Zeit der Teilung der Stadt. Wollten die DDR-Oberen nach dem Mauerbau 1961 doch keine S-Bahnen von Ost-Berlin nach Potsdam über die angestammte Strecke durch den Westen der Stadt mehr schicken. Als Ersatz leitete die Reichsbahn Pendelzüge mit Doppelstockwagen über den Außenring nach Potsdam. Weil der Platz im Ostbahnhof für den sogenannten Sputnik nicht reichte, wurde als Start- und Endpunkt in Berlin eben Karlshorst ausgewählt. Dafür wurden neben dem S-Bahnhof in hohem Tempo und ohne jeglichen Komfort ein Regionalbahnsteig sowie eine Fußgängerbrücke zum Überqueren der Gleise gebaut.

Ostkreuz soll zum zentralen Verkehrsknoten im Berliner Osten werden

Seit der Wiedervereinigung halten in Karlshorst neben der S-Bahn (Linie S3) auch die Nahverkehrszüge der Linien RE7 und RB14, die im Halbstundentakt die Berliner Innenstadt mit dem Airport in Schönefeld verbinden. Ab Dezember sollen die Züge zum Flughafen aber nur noch am rund sechs Kilometer weiter westlich liegenden Ostkreuz halten. Der einst der S-Bahn vorbehaltene Bahnhof wird seit 2006 umgebaut und soll nach den Plänen des Senats und der Bahn zum zentralen Verkehrsknoten im Berliner Osten werden.

Gegen das drohende Aus des Regionalbahnhofs Karlshorst haben sich Anwohner, aber auch Lichtenberger Bezirkspolitiker gestemmt. Sie verweisen auf die vielen Wohnungsneubauten, die in Karlshorst bereits entstanden und noch geplant sind. Unterstützung erhalten sie dabei vom Berliner Fahrgastverband Igeb, der Karlshorst für einen wichtigen und nützlichen Verkehrsknoten hält. So würden am Bahnhof neben der S-Bahn auch noch drei Straßenbahn- und zwei Buslinien der BVG halten, mit denen Wohngebiete aber auch Bildungs- und Industriestandorte erreicht werden können. Das Ostkreuz sei daher eine gute Ergänzung, jedoch kein Ersatz für den Regionalbahnhalt in Karlshorst, heißt es vonseiten der Igeb.

Der Senat ließ daraufhin von der Deutschen Bahn einen Weiterbetrieb prüfen. Das Ergebnis der Untersuchungen zeige allerdings, „dass wegen des schlechten baulichen Zustands die vor langer Zeit beschlossene Grundsatzentscheidung nicht revidierbar ist“, heißt es in der am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung der Senatsverkehrsverwaltung. Die Regionalbahnsteige und insbesondere die Fußgängerbrücke seien so verschlissen, dass sie nicht mehr saniert werden könnten. Ein notwendiger Ersatzneubau, der heutigen Anforderungen etwa an behindertengerechten Zugängen entsprechen müsste, würde geschätzt 13,7 Millionen Euro kosten. Für Planung und Errichtung eines Neubaus bliebe der Regio-Bahnsteig zudem mindestens bis Dezember 2023 geschlossen. Dieser Aufwand ist nach Ansicht des Senats nicht vertretbar, da die Anlagen maximal bis zu der für Dezember 2027 geplanten Inbetriebnahme des Regionalbahnhofs Köpenick genutzt würden.

Kabeldiebe stören stundenlang S-Bahnverkehr im Südosten

Turbulenzen gab es am Mittwoch aber auch im aktuellen Nahverkehrsgeschehen. Kabeldiebe hatten in der Nacht erneut zugeschlagen. Die Täter waren laut Bundespolizei zwischen Schöneweide und Baumschulenweg unterwegs und stahlen rund 18 Meter Kupferkabel, was in diesem Bereich zu Signalstörungen führte. Vor allem im Berliner Südosten kam es bei der S-Bahn zu Verspätungen und Ausfällen. Betroffen davon waren insgesamt sechs S-Bahnlinien, auf den Linien S45, S47 und S85 musste der Zugverkehr zeitweise komplett eingestellt werden. Erst nach 10 Uhr normalisierte sich der Verkehr langsam wieder.

Die Bahnanlagen in Berlin sind immer wieder Ziel von Kabeldieben. Die Täter machen sich dabei zunutze, dass das kilometerlange Gleisnetz faktisch nicht lückenlos überwachbar ist. Die Bahn versucht unter anderem mit einer Codierung der Kabel gegenzuhalten. Damit soll der Verkauf der Diebesware an Schrotthändler erschwert werden.

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