Zoo Berlin

Zwei Pandas völlig entspannt in Berlin

Vor drei Monaten kamen die Pandas an. Die Zeit mit den chinesischen Pflegern ist vorbei. Mit dem richtigen Bambus ist es überall schön.

Panda-Dame Meng Meng hat es sich an einem Baum bequem gemacht

Panda-Dame Meng Meng hat es sich an einem Baum bequem gemacht

Foto: Paul Zinken / dpa

Nur nicht zu viel bewegen. Nach einem ausgiebigen Frühstück ist gemütliches Abhängen angesagt. Und dabei sollte man sich auch nicht stören lassen. Vor allem nicht von diesen vielen Gesichtern, die sich da draußen vor der Absperrung drängen. Diese Übereinkunft müssen die beiden Großen Pandas an diesem Vormittag im Zoo getroffen haben. Meng Meng (Träumchen) und Jiao Qing (Schätzchen) saßen gerade noch beide auf ihren Liegen aus Holzstämmen – jeder in seinem Gehege, mit einem Berg Blättern und Ästen auf dem Bauch, beide ins große Fressen vertieft. Frischer Bambus war eingetroffen – ein Fest. Doch nach dem Fressen kommt das Chillen. „Die benehmen sich gar nicht wie richtige Bären“, ruft ein kleiner Junge aus der Menge. Doch, sie benehmen sich genau wie alle Pandas – wenn es ihnen gut geht. Nach drei Monaten in Berlin sind die Tiere in ihrem neuen Zuhause angekommen. Mit ihrem Charme und ihrem entschleunigten Wesen haben sie die Besucher für sich eingenommen.

Am 24. Juni waren die Pandas auf dem Flughafen in Schönefeld gelandet, Kamerateams aus aller Welt hatten ihre Ankunft verfolgt. Die beiden Tiere bekamen ein Empfang wie aus dem Protokoll: Fahnen, Wasserfontänen, Politiker. Zoodirektor Andreas Knieriem war der erste, der die beiden Tiere in ihren Transportboxen begrüßte. Im Flugzeug saßen auch zwei chinesische Pfleger. Sie sollten den Zoo bei der Eingewöhnungsphase unterstützen. Die ist vorbei. Seit einem Monat sind die Pfleger jetzt schon wieder in China zurück. Die Trennung verlief ohne Probleme. „Für die Pandas ist die gewohnte Routine wichtiger als ein Pfleger“, sagt Zoo-Sprecherin Philine Hachmeister über den Abschied.

Ein Pfleger hatte Meng Meng von Geburt an begleitet

Trauriger als die Bären war eher noch der Pfleger, der Meng Meng von Geburt an kannte. Er hatte immer darauf hingewiesen, dass das Pandamädchen etwas ganz Besonderes und sehr anspruchsvoll sei. Aber das hatte jeder im Zoo längst bemerkt. Meng Meng hat die Eigenschaft, wenn ihr etwas nicht passt oder der Bambus nicht schmeckt, rückwärts zu laufen. Es ist ihre Art, ihren Groll zu zeigen und auf eine sofortige Abstellung des Missstandes zu drängen. Doch genau das darf dann nicht gleich passieren. „Wir lassen sie einen Augenblick in Ruhe, damit sie nicht denkt, dass sie einfach nur rückwärts laufen muss und dann alles sofort bekommt“, sagt Pfleger Marcus Röbke.

Mittlerweile sind die Absperrgitter für die Besucherströme vor dem Pandagarten verschwunden. Nur an den Wochenenden würde es kurzzeitig zu Schlangen vor der Anlage kommen, sagt Philine Hachmeister. Das Interesse sei aber nach wie vor groß. Seit der Ankunft der Pandas kämen im Durchschnitt 10.000 Besucher pro Tag. Vorher waren es an normalen Tagen etwa 5000. Die Pandas zögen auch viele Touristen an - sie würden oft als erstes zu den Tieren gehen.

An diesem Vormittag ist die Besucherplattform im Pandagarten gut gefüllt. Viele Kindergruppen stehen vor den Scheiben, aber auch Senioren mit Jahreskarte, für die die Bären schon gute Bekannte sind. Einige dozieren ihr Panda-Fachwissen. „Meng Meng hatte gerade Geburtstag“, sagt eine ältere Dame zu ihrer Begleiterin. Ja, das war Anfang Juli. Das Weibchen ist vier Jahre alt geworden, ein paar Tage später das Männchen sieben Jahre. Ein anderer Panda-Experte will wissen, dass die beiden Tiere demnächst zusammenkommen. Nein, das wird „demnächst“ nicht passieren, sondern frühestens im Mai. Erst mit fünf Jahren ist Meng Meng für Nachwuchs bereit. Im Frühjahr könnte sie erste Zeichen für ihre Paarungsbereitschaft zeigen. Drei Tage pro Jahr hat die Natur für die Nachwuchszeugung bei den Pandas vorgesehen – ein enges Zeitfenster, in dem die Einzelgänger ausnahmsweise zusammenkommen und sich dann hoffentlich attraktiv finden.

Die Sicherheitsmitarbeiter stehen immer noch am Eingang und auf dem Platz des Pandagartens. Sie haben aber eher nur noch Statisten-Rollen. „Fotografieren ohne Blitz“, ruft einer der uniformierten Männer laut. Und wiederholt die drei Worte auf Englisch und Spanisch. „Mit Bayrisch komme ich auf vier Sprachen“, scherzt er. Nicht nur die Pandas sind entspannt.

Zur kommentierten Fütterung um 11 Uhr füllt sich der Platz vor den Gehegen mit Besuchern. Tierpfleger Marcus Röbke stellt die beiden Pandas mit ihren Eigenheiten vor: Er erzählt, dass Jiao Qing 110 Kilogramm wiegt, Meng Meng 83 Kilogramm und sie am liebsten in ihren Wohnzimmern, also in den Gehegen hinter Glas bei 20 Grad und 70 Prozent Luftfeuchtigkeit sitzen und fressen. Dass sie momentan höchsten 15 Minuten auf den Außenanlagen pro Tag sind, weil die vielen Geräusche noch fremd sind und sie Ruhe mögen. Und dass sie von den 150 Bambussorten acht Arten am liebsten mögen und davon bis zu 30 Kilogramm pro Tag essen.

Die Berliner Pandas fühlen sich im Zoo schon wie Zuhause
Die Berliner Pandas fühlen sich im Zoo schon wie zu Hause

Jede Woche kommt eine halbe Tonne Bambus aus den Niederlanden an, frisch und knackig. Meng Meng hat an diesen Tagen überhaupt keinen Grund rückwärts zu laufen. Im Gegenteil: Sie marschiert so zielstrebig zwischen ihrem Bambusästen hin und her als wüsste sie nicht, wie der Rückwärtsgang geht. Und Jiao Qing macht an diesen Tagen so gut wie keine Essenspause. Zwar fallen ihm die Augen zu, aber der nächste Bambusast will geknackt werden.

Nach der kommentierten Fütterung bleibt Marcus Röbke immer noch für ein paar Fragen da. Ob die chinesischen Pfleger zu den Pandas in die Ställe hineingegangen sind, will eine Frau wissen. „Da wäre der Arm schnell ab“, sagt der Tierpfleger. Denn sie hätten eine Beißkraft wie Hyänen. Einmal mehr muss der Pfleger mit dem Vorurteil aufräumen, Pandas seien Kuscheltiere. Es sind Raubtiere.

Jiao Qing liefert den Beweis dazu. Er bringt eine dicke Bambusstange zum Bersten. „Der hat aber auch große Zähne“, sagt ein Mädchen aus einer Kitagruppe ehrfürchtig. Es schaut noch zwei Sekunden dem kauenden Panda zu und fragt dann die Erzieherin: „Was gibt es heute bei uns zu essen?“ Die Aussicht auf Fischstäbchen sind ein guter Grund, weiterzugehen, noch schnell bei den Löwen und Tigern vorbei. Meng Meng lässt sich an ihrem Ausguck die Sonne auf die Nase scheinen, Jiao Qing knackt in aller Ruhe seinen Bambus weiter.

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