Weizenbaum-Institut

In Berlin wird jetzt das Internet erforscht

Im neuen Internet-Institut in Berlin erforschen 160 internationale Experten Chancen und Gefahren des Netzes.

Forscht, was Facebook mit uns macht: Hanna Krasnova vom Internet-Institut

Forscht, was Facebook mit uns macht: Hanna Krasnova vom Internet-Institut

Foto: Patrick Goldstein

Arbeit, Gesundheit, Freizeit: Das Internet ist zum unverzichtbaren, manchmal aufdringlichen Partner im Alltag geworden. Geschrieben und diskutiert wird darüber an vielen Orten. Geforscht wird jetzt in einem allein auf dieses Thema ausgerichteten Institut an der Hardenbergstraße in Charlottenburg. Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Johanna Wanka (CDU) eröffnete am Donnerstag das „Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft“. „Wir wollen von Ihnen hören“, mahnte Wanka die geladenen Organisatoren, Professoren und Wissenschaftler.

Dass Berlin dieses Institut bekommt ist ein Coup. Ein Berlin-Brandenburger Konsortium aus dem Wissenschaftszentrum für Sozialforschung, den vier Berliner Universitäten, zwei Fraunhofer-Instituten und der Universität Potsdam hatte im Mai die Konkurrenz aus München, Bochum, Hannover und Karlsruhe ausgestochen. Das schon im Vorfeld als „Leuchtturmprojekt“, mit „internationaler Strahlkraft“ angekündigte Projekt wird in den ersten fünf Jahren vom Forschungsministerium mit 50 Millionen Euro gefördert, Berlin trägt in dem Zeitraum 5,2 Millionen Euro bei.

Zu den bald 160 Mitarbeitern aus aller Welt, die auf rund 1700 Quadratmetern im Hochhaus an der Ecke Fasanenstraße arbeiten werden, zählt Hanna Krasnova, Professorin an der Universität Potsdam. Die 37 Jahre alte Wirtschaftsinformatikerin wird zwei Gruppen mit fünf, beziehungsweise drei Mitarbeitern steuern. „Wir untersuchen, welche Auswirkung Technologie auf unser Wohlbefinden hat. Facebook etwa sorgt oft für sinkende Lebenszufriedenheit und schlechte Stimmung, wenn man dort Urlaubsbilder von Bekannten sieht und Meldungen wie ’Ich habe einen tollen Mann’ oder ‘Ich bekomme ein Kind’“.

Gegen die Vereinsamung

Daneben will ihr Team herausfinden, wie soziale Plattformen aussehen müssten, um alte Menschen aus der Vereinsamung zu holen. „Es ist erwiesen, dass Einsamkeit die Lebensdauer senkt“, so Krasnova. Gesucht werden daher Tools, die Menschen ohne Bezug zum Netz trotzdem an Smartphone und Rechner ziehen.

Eine Chance in der Handhabung eines brennenden Themas verberge sich hinter dem Begriff „digitale Integration“: „Ich sehe bei mir in Lichtenberg, dass die dort lebenden Geflüchteten alle am Smartphone sind“, sagt Krasnova. „Wir wollen uns nun fragen: Wie kann man sie im Netz erreichen und so ins Gesellschaftsleben einbeziehen.“

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