Potsdam

„Ich muss geduldig sein“

Verletzte Gesundheitsministerin Diana Golze meldet sich fünf Wochen nach ihrem schweren Unfall zu Wort

Potsdam. Fünf Wochen nach ihrem schweren Unfall im Sommerurlaub in Italien hat sich Brandenburgs Gesundheits- und Sozialministerin Diana Golze (Linke) erstmals öffentlich zu ihrem Gesundheitszustand geäußert. „Es geht mir gut. Heute ist der Unfall genau fünf Wochen her, und ich laufe auf eigenen Beinen durch die Gegend“, heißt es in einem Beitrag auf der Internetplattform Facebook, zu dem sie auch ein Foto von sich während eines Spaziergangs stellte. Allerdings verlaufe der Genesungsprozess langsam, schreibt die Ministerin weiter. „Ich muss noch starke Schmerzmittel nehmen und geduldig sein, aber es geht aufwärts und ich erobere mir Stück für Stück meinen Alltag zurück.“

Ein umstürzender Baum traf die Ministerin

Golze war am 10. August bei einem Unwetter auf einem Campingplatz in Norditalien von einem umstürzenden Baum getroffen und schwer verletzt worden. Sie wurde noch in der gleichen Nacht notoperiert. Im Norden Italiens kam es in diesem Sommer zu einigen schweren Unwettern, bei denen mehrere Menschen ums Leben kamen. Golze verbrachte mit ihrer Familie den Urlaub auf einem Campingplatz in Cavallino-Treporti in der Nähe von Venedig, als das Unglück passierte. Italienischen Meldungen zufolge befand sie sich im Wohnmobil der Familie, als ein Baum auf das Fahrzeug stürzte. Ein Rettungshubschrauber habe sie schwer verletzt ins Krankenhaus nach Treviso gebracht.

Ausdrücklich bedankt sich Golze in ihrem Schreiben bei dem Rettungspersonal, das schlimmere Verletzungen möglicherweise verhindert habe. „Ich habe das vielen Menschen zu verdanken, den Ersthelfern vor Ort, den Ärzten und Pflegekräften in den Kliniken in Italien und Deutschland, dem ADAC-Arzt auf dem Flug nach Hause, meiner Physiotherapeutin, meinen Schwiegereltern und den vielen Menschen, die Anteil an unserem Schicksal nehmen, die mir Koffer voll Genesungswünsche geschickt haben, Blumen und leckere Kuchen“, heißt es in dem Facebook-Beitrag der Ministerin weiter.

Golze wird voraussichtlich erst in zweieinhalb Monaten wieder in ihr Amt zurückkehren können, hieß es aus dem Ministerium. Bis dahin leitet Gesundheitsstaatssekretärin Almuth Hartwig-Tiedt die Geschäfte, bei der sich Golze in ihrem Beitrag ebenfalls für ihren Einsatz bedankt.

Die 42-jährige Diana Golze ist seit 2014 Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie in Brandenburg. Zuvor war sie seit 2005 Bundestagsabgeordnete der Linken. Golze ist verheiratet und hat zwei Kinder. Auch bei ihrer Familie bedankte sie sich für die Unterstützung: „Wir sind ein tolles Team“, schrieb die Ministerin. Nähere Angaben zu Art und Umfang der Verletzungen will die Familie vor dem Hintergrund des Schutzes der Privatsphäre nicht machen.

Ihre Rückkehr auf die politische Bühne wird von ihrer Partei bereits heiß ersehnt. Golze gilt als größtes politisches Talent der Linkspartei in Brandenburg. Auch aktuell wird sie gebraucht. Im vergangenen Jahr legte ihr Ministerium ein Gesetz vor, das vorsah, die Aufenthaltsdauer von Flüchtlingen in Gemeinschaftsunterkünften auf höchstens ein Jahr zu begrenzen. Das Vorhaben wurde wegen des Widerstandes der Landräte entschärft.

Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) hat nun zusammen mit den Landräten die Initiative gestartet, Flüchtlinge mit ungeklärtem Status bis zu zwei Jahre in Gemeinschaftsunterkünften unterbringen zu können – und den Koalitionspartner damit vor den Kopf gestoßen. Bis zum Ende dieses Jahres will die Koalition eine Lösung gefunden haben. Künftig können die Bundesländer selbst festlegen, wie lange Asylbewerber in Sammelunterkünften untergebracht werden können. Noch gilt derzeit die bundesweite Regelung von sechs Monaten. Die Politiker der Linkspartei setzen deshalb auf eine baldige Rückkehr Golzes.

In diesem Sommer gab es viele Wetterextreme

Während weite Teile Südeuropas in diesem Sommer unter einer andauernden Hitzewelle litten, wurde der Norden Italiens von zahlreichen Stürmen heimgesucht. Dabei wurden mehrere Dutzend Menschen verletzt, auch mindestens drei Todesopfer meldeten die italienischen Rettungsstellen. In der Region Friaul-Julisch Venetien kam es zudem zu anhaltenden Stromausfällen, von denen bis zu 70.000 Menschen betroffen waren. Auch der ADAC berichtete von zahlreichen betroffenen Campingplätzen im Großraum Venedig und am Gardasee. Umgestürzte Bäume und Hagel beschädigten Autos und Wohnwagen zum Teil schwer.