Mensch trifft Maschine

Das "Futurium" zeigt, wie die Welt von morgen aussieht

Tag der offenen Tür im „Futurium“ im Regierungsviertel. Hier ist zu besichtigen, wie die Welt von morgen aussehen könnte.

“Pepper“, der Roboter des „Futuriums“, fasziniert Nora und ihren Vater

“Pepper“, der Roboter des „Futuriums“, fasziniert Nora und ihren Vater

Foto: Jörg Krauthöfer

Die Zukunft beginnt künftig am Hauptbahnhof. Um die Ecke, am Kapelle-Ufer, vis-à-vis von Kanzleramt und Reichstag, soll das "Futurium" ab 2019 die Besucher zum Nachdenken über die Welt von morgen einladen. Das Museum soll zwar erst in eineinhalb Jahren eröffnet werden. Doch am Sonnabend hatten Besucher schon einmal Gelegenheit, der Zukunft in die Augen zu schauen und ihr im Wortsinn die Hand zu geben. Hunderte kamen, um genau das zu tun.

"Stell dir vor, wir sind ein Team, ich bin besonders schlau – und du?" Um den beliebtesten Museumsmitarbeiter scharen sich gerade die jüngsten Besucher. "Pepper" ist ein kleiner Roboter, der auf Augenhöhe mit Kindern kommuniziert. Er reicht ihnen die Hand, erklärt spannende Fakten zur Zukunft des Städtebaus – etwa, wie Salat an Fassaden wächst. Als "Pepper" die Kinder bittet, ihm über den Kopf zu streichen, ist der Bann gebrochen. Mensch und Maschine können Freunde sein, so sieht es aus.

"Endlich mal ein schlaues Menschlein", lobt der Roboter

Wer sich traut, dem Kerl mit den blinkenden Kulleraugen zu antworten, wird belohnt: "Ah, endlich mal ein schlaues Menschlein", lobt der Roboter, der eigens für den museumspädagogischen Einsatz programmiert ist. Im Futurium bleibt er vorerst der erste Bewohner, sagt Ausstellungsleiterin Gabriele Zipf. Die drei "Denkräume" zu den wichtigsten Zukunftsthemen Technik, Natur und Gesellschaft würden erst 2019 fertig. Schon ab kommendem Frühjahr sind aber Mitmach-Wochenenden geplant.

Noch sind Roboter nicht die Gegenwart. Besucherin Maila (13) hat "Pepper" zwar Rede und Antwort gestanden, ein bisschen unheimlich findet sie ihn aber doch. Im Untergeschoss des Museums sieht das anders aus. Hunderte Kinder und Eltern drängeln sich um ein Fußballfeld. Künftig sollen Besucher hier im "Futurium-Lab" selbst Roboter als Prototypen bauen können. Wozu sie eingesetzt werden können, zeigen junge Informatik-Experten: Sie lassen Roboter zum Fußballspiel gegeneinander antreten. Den "Robocup" gibt es als Weltmeisterschaft schon seit 20 Jahren. Im Futurium ist schnell klar, was Roboter außer Fußball spielen noch können: Menschen begeistern. Gleiches gilt auch für die Rockstars des Tages, die Spieler der Roboterband Compressorhead, die aus Platinen, Kabeln und Metall bestehen. Ihre Instrumente spielen sie selbst, wenn auch unter optimierten Bedingungen. So hat der Gitarrist 78 Finger und der Schlagzeuger vier Arme. Der Sänger trägt eine Art Totenkopf, was wohl als Hommage an das Repertoire zu verstehen ist. Die Songs von Motör­head, AC/DC oder Ramones stehen weniger für die Zukunft der Rockmusik als für ihre Unvergänglichkeit.

Viele "Futurium"-Besucher kommen aus Berlin, was zeigt, dass zumindest die erste Teil des Konzepts aufgeht, nämlich das Regierungsviertel zu beleben. Gerade an Wochenenden sind hier oft nur Touristen in Bussen unterwegs. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) hatte bei der Schlüsselübergabe diese Woche hervorgehoben, sie freue sich besonders auf das Café im Erdgeschoss. Entworfen hat den anspruchsvollen, ökologischen Bau (Kosten: 58 Millionen Euro) das Berliner Architekturbüro Richter und Musikowski. Hauptgesellschafter ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung, weitere Gesellschafter sind unter anderem die Max-Planck-Gesellschaft, die Fraunhofer-Gesellschaft, Siemens und Bayer. Ein Saal bietet Raum für Vorträge und Diskussionen. Am Sonnabend stehen dort die Besucher an für Klaus Töpfer, ehemals Bundesumweltminister, und die Soziologin Jutta Allmendinger.

"Neugierigen Blick auf die Zukunft entwickeln"

Besucherin Luciana Rangel ist mit ihrem Mann und den Kindern Victor (9) und Artur (6) gekommen, weil sie das museumspädagogische Programm interessiert. "Die Kinder gehen um die Ecke in die Schule, wir hoffen, dass wir öfter kommen können." In ihrer Heimatstadt Rio de Janeiro gebe es ein Zukunftsmuseum schon. "Dort liegt der Schwerpunkt auf Umweltthemen, es geht zum Beispiel darum, wie man die Verschmutzung der Ozeane aufhalten kann." Es sei wichtig, Kinder früh für solche Fragen zu interessieren. Welchen Einfluss können wir auf die Welt von morgen nehmen?

Das Museum wurde seit 2012 geplant, damals noch unter dem Berliner Paläontologen Reinhold Leinfelder als Leiter. Er machte einen Vorschlag: Anthropozän, so könne ein neues Zeitalter heißen, in dem der Mensch zu einem der wichtigsten Einflussfaktoren auf der Erde geworden ist. Daraus folge, dass man auf andere Weise Verantwortung ergreifen müsse als bisher. "Man muss Entwicklungen verstehen und bewerten, sonst kommen sie einfach", sagt auch Ausstellungsleiterin Gabriele Zipf. Geplant sei kein "Science Center", sondern ein Haus für Besucher ohne spezielle Vorbildung. Auch der neue Direktor des "Futuriums", Kulturmanager Stefan Brandt, sieht das so. "Die Idee ist, einen neugierigen Blick auf die Zukunft zu entwickeln."

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