Prozess in Berlin

Mord an Sqeezer-Sänger Jim Reeves - Angeklagte schweigen

Der Künstler starb Anfang Februar 2016 einen qualvollen Tod in einem Hostel. Vor Gericht werden die grausamen Details bekannt.

Die Angeklagten Pavel A. und Adam K. vor Gericht

Die Angeklagten Pavel A. und Adam K. vor Gericht

Foto: dpa

Das Gedränge war groß, als am Mittwoch im Landgericht Moabit der Mordprozess gegen zwei 30 und 23 Jahre alte Männer begann. Das Interesse der Medienvertreter und zahlreichen Zuhörer galt dabei vor allem dem Opfer. Der Getötete (47) war unter seinem Künstlernamen Jim Reeves in der Szene bestens bekannt, als Sänger der populären Band "Sqeezer", als Musikproduzent, Schauspieler, Moderator und Model.

Der in Köln geborene Künstler mit afrikanischen Wurzeln starb Anfang Februar 2016 einen qualvollen Tod in einem Hostel am Stuttgarter Platz in Charlottenburg. Dort hatte sich Reeves ein Zimmer mit Pavel A. und Adam K. geteilt. Die beiden polnischen Bauarbeiter sind jetzt wegen heimtückischen Mordes aus niederen Beweggründen angeklagt. Bislang schweigen sie zu den Vorwürfen.

Der Sänger starb an zahlreichen Knochenbrüchen und inneren Verletzungen

Jim Reeves wurde allerdings nicht einfach "nur" getötet. Was die Vertreterin der Staatsanwaltschaft bei ihrer Verlesung der Anklageschrift vortrug, war das detaillierte Protokoll bestialischer Folterungen. Während einer der Männer das Opfer festhielt, prügelte der andere mit einem Stuhl auf dessen Kopf und Gesicht ein, heißt es in der Anklage.

Und nachdem der Stuhl zerbrochen war, sollen die Angeklagten Reeves mit einem Stuhlbein vergewaltigt haben. Der Getötete hat nach dem Ergebnis der Ermittlungen die entsetzlichen Grausamkeiten bei vollem Bewusstsein erlitten, bevor er schließlich an seinen zahlreichen Knochenbrüchen und schwersten inneren Verletzungen starb.

Zwei Schwestern und ein Bruder des Getöteten, die in dem Prozess als Nebenkläger auftreten, rangen am Mittwoch sichtlich um Fassung, als die Einzelheiten der unfassbar brutalen Tat geschildert wurden. Auch auf den Plätzen im Zuhörerbereich zeigte sich Entsetzen auf vielen Gesichtern. Dort folgten vor allem Freunde und Bekannte von Reeves dem Prozess. Unter ihnen auch seine damalige Lebensgefährtin.

Motiv Schwulenhass

Die Staatsanwaltschaft geht allerdings davon aus, dass die junge Frau die Zuneigung ihres Freundes mit anderen teilen musste, offenbar auch mit Männern. Vermutlich war es diese Neigung, die das Opfer das Leben kostete. Von "sexuellen Avancen", die Reeves den Angeklagten gemacht haben soll, ist in der Anklage die Rede. Und davon, dass die beiden Männer davon zutiefst angewidert gewesen seien. Darin sieht die Staatsanwaltschaft das mögliche Mordmotiv.

Adam K. wurde zwei Wochen nach der Tat in Polen gefasst, Pavel A. ein Jahr später in Spanien. Die zuständige Schwurgerichtskammer hat für den Prozess zehn Verhandlungstage angesetzt, Fortsetzung ist am Freitag.

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